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Ein Besuch im Bücherbus in Brandenburg

Die rollende Bibliothek Ein Besuch im Bücherbus in Brandenburg

Von außen sieht das Gefährt fast so aus, wie ein ganz gewöhnlicher Bus. Es hat allerdings keine Fenster und auch Sitzplätze sucht man vergebens. Dafür ist der Innenraum ausgestattet mit zahlreichen Regalen, die Platz für Bücher, DVDs, Hörspiele und andere Medien bieten, die in der fahrenden Bibliothek des Landkreises Dahme-Spreewald ausgeliehen werden können.

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Bücher und DVD im Körbchen: Jan Zimmer (29) aus Weißsack (Dahme-Spreewald).

Quelle: Josephine Mühln

Königs Wusterhausen. Jan Zimmer bringt einen ganzen Korb Bücher zurück und nimmt auch fast genau so viele wieder mit. Er habe so ziemlich alles schon ausgeliehen, erzählt er. Und auch diesmal landen Sachbücher, Romane und eine DVD in seinem braunen Holzkorb. Der 29-jährige aus Weißack (Dahme-Spreewald) ist einer von rund 1 000 Nutzern, die den Bücherbus nicht mehr missen wollen.

Er und die anderen Besucher des blauen Gefährts können sich glücklich schätzen, dass die rollende Bibliothek in ihren Dörfern hält. Dahme-Spree ist einer von vier brandenburgischen Landkreisen, der sich den Bücherbus noch leistet. Insgesamt fahren fünf Fahrbibliotheken durch die Mark – jeweils einer in Teltow-Fläming und Oder-Spree, sowie zwei im Landkreis Elbe-Elster. 1998 tourten noch 13 rollende Bibliotheken durch die Gemeinden, wie aus einer Anfrage an das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur hervorgeht.

„Der Rückgang der Bücherbusse hat unterschiedliche Gründe“, sagt Ministeriumssprecher Stephan Breiding. „Das reicht von notwendigen Haushaltskonsolidierungen über demografische Entwicklungen bis hin zu einem geänderten Nutzerverhalten.“ Umso wichtiger sei es daher, alternative Lösungen zu entwickeln und auszubauen. Dazu gehöre die Möglichkeit, Bücher über das Internet auszuleihen. Dennoch seien Busse eine gute Ergänzung zu den stationären Bibliotheken. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Teilhabe am kulturellen, gesellschaftlichen und sozialen Leben“, sagt Breiding.

Der Bücherbus in Zahlen

4 000 Medien – vom Buch bis zur DVD- stehen für die Nutzer im Bücherbus bereit, jedes Jahr werden etwa 1 200 neue Medien angeschafft. 30 000 Medien stehen außerdem im Magazin der Bibliothek Lübben (Dahme-Spreewald) zum Austausch bereit.

82 Haltestellen fährt der Bücherbus im Landkreis Dahme-Spreewald an.

2 900 Medien werden jeden Monat von den über 1 000 registrierten Nutzern ausgeliehen. Im ersten Halbjahr 2015 konnte der Bücherbus im Landkreis Dahme-Spreewald 124 Neuanmeldungen verbuchen.

Die größte Gruppe in den märkischen Bücherbussen machten mit Stand Dezember 2014 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren aus. Gleich darauf folgt die Gruppe der 25- bis 60-Jährigen.

Routen und Öffnungszeiten des Bücherbusses sind zu finden unter www.dahme-spreewald.de oder können unter 0 35 46/2 25 77 82 abgefragt werden.

Dass sich das Nutzerverhalten der Bücherbus-Besucher in den vergangenen Jahren verändert hat, kann Renate Waschkowitz bestätigen. Sie ist Leiterin der Hauptbibliothek in Lübben (Dahme-Spreewald) und begleitet den Bücherbus seit der ersten Stunde. „Durch die neuen Medien werden weniger Bücher ausgeliehen, vor allem Jugendliche sind schwerer für das Angebot der Bibliothek zu begeistern“, sagt Waschkowitz. Trotzdem glaubt sie, dass es auch in Zukunft gedruckte Bücher geben wird.

Die Nutzung der Fahrbibliothek ist kostenlos, einzig die Ausstellung des Nutzerausweises kostet 2,50 Euro. Die angeschlossenen Gemeinden beteiligen sich an den Kosten, der größte Teil wird jedoch aus dem Kreishaushalt finanziert. Die Kosten für den Bücherbus belaufen sich auf 27 000 Euro jährlich, erklärt Carsten Saß, Kulturdezernent des Landkreises Dahme-Spree. Damit seien die Kosten für die Busunterhaltung sowie für die Medienbeschaffung abgedeckt. Zwar habe die Zukunft der rollenden Bibliothek in den Haushaltsberatungen des Öf­te­ren zur Debatte gestanden, jedoch seien sich am Ende alle Abgeordneten einig gewesen, dieses Bildungs- und Kulturangebot weiterhin aufrecht zu erhalten, sagt Saß.

Dass der Bücherbus noch lange in ihrem Heimatort Halt macht, hofft Anneliese Richter aus Bornsdorf (Dahme-Spreewald). Die 75-Jährige ist seit 1998 Nutzerin in der Fahrbibliothek. Die Beratung sei einfach sehr nett und „man kann auch mal einfach so ein Wort schwatzen“, sagt die Rentnerin. „Wir freuen uns ja, dass es noch etwas Kultur auf dem Land gibt.“

Von Josephine Mühln

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