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Kultur Ein Blick auf die Ruinen des Industriezeitalters
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00:19 28.08.2017
Die Hutfabrik in Luckenwalde, aufgenommen im Jahr 2000. Quelle: Manfred Hamm
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Brandenburg/Havel

Was wird bleiben von unserer Welt? Wo stehen unsere Akropolis, unser Colosseum? Eine Luftaufnahme des amerikanischen Raketenbahnhofs Cape Canaveral erinnert an eine antike Kultstätte. 1972 begann hier die vorerst letzte Reise von Menschen zum Mond.

Die Frontansicht eines gewaltigen Dampfkessels gleicht einer afrikanischen Maske. Das stählerne Ungetüm stammt von viktorianischen Ingenieuren aus den 1880er Jahren. Manfred Hamm hat diese Fragmente unseres technischen Zeitalters mit geschultem Blick gesehen und fotografisch dokumentiert. Er kann damit als ein Pionier der heute so populären Lost-Place-Fotografie gesehen werden.

Eine neue Akropolis? Der Raketenbahnhof in Cape Canaveral (1980) Quelle: Manfred Hamm

Hamm, Jahrgang 1944, wurde im sächsischen Zwickau geboren, seine Mutter war Archäologin. Der junge Manfred verschlang alle erreichbaren Bücher über fremde Völker und vergangene Zeiten. Nach Übersiedlung nach Westdeutschland und einer Fotografenlehre studierte er einige Semester Völkerkunde, reiste nach Australien und in die Südsee. Doch die Wissenschaft war auf Dauer nicht seine Sache. Seit Ende der 60er Jahre widmet er sich wieder ganz der Fotografie.

Aufgrund seiner Motive werden oft Parallelen zu dem Düsseldorfer Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher gezogen. Doch während die Bechers sich allein einer seriellen Ästhetik verpflichtet fühlten, arbeitet Hamm mit dem analytischen Ansatz des Völkerkundlers. Seine Buchpublikationen widmet er umfassenden Darstellungen von Zweckbauten: Wasser- und Elektrizitätswerke, Markthallen, Caféhäuser, Konzertsäle, europa- und weltweit.

Dampfkessel eines Wasserwekrs in Nottingsham, England. Quelle: Manfred Hamm

Doch gilt sein Interesse auch der Umgebung seines Wohnortes Berlin. Kurz nach der Wende lernte er Hans-Joachim Giersberg, damals Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, kennen. Es folgten Bücher über die „Berliner Vorstadt“ in Potsdam und über den Architekten Ludwig Persius.

Doch nicht nur seine Motive sind historisch, auch Hamms Arbeitsweise entstammt einer vergangenen Epoche. Die Aufnahmen entstanden meist mit einer schweren Großbildkamera vom Stativ. Jeder Schwarz-Weiß-Film wurde sorgfältig von Hand entwickelt, und für die Papierabzüge unterhielt der akribische Handwerker eine gut ausgestattete Dunkelkammer. Als die Firma Ilford im Jahr 2004 ihre Filmproduktion stillegte und in der Folge auch das bevorzugte „extraharte“ Fotopapier nicht mehr verfügbar war, schloss Hamm sein Labor.

Heute erntet er die Früchte seiner intensiven und sorgfältigen Arbeit. Dass er meist nur drei großformatige Abzüge eines Motivs herstellte, wird inzwischen vom Kunstmarkt honoriert. Sammler zahlen fünfstellige Beträge für ein Original.

Manfred Hamm mit seiner Großbildkamera vor der Cargolifter-Halle in Brand (heute Tropical Islands). Quelle: Detlev Scheerbarth

Gleich an zwei Orten kann man sich derzeit mit dem Werk des Künstlers vertraut machen. Das Archäologische Landesmuseum im Pauli-Kloster in Brandenburg/Havel eröffnet heute eine Ausstellung zur Industriearchitektur. An den rohen Backsteinmauern des ehemaligen Kreuzgangs zeugen Motive aus Luckenwalde, Rüdersdorf, Wittenberge und Eberswalde auch von der reichen industriellen Vergangenheit im Land Brandenburg.

Mehr den repräsentativen Villen und Schlössern ist eine Schau im Brandenburger Landtag gewidmet. Das Potsdam-Museum hat kürzlich ein Sammlung von Negativen und Papierabzügen aus dem Archiv Manfred Hamms erworben und zeigt bis Jahresende eine umfangreiche Auswahl.

Zwei Ausstellungen

„Die antiken Stätten von morgen. Ruinen des Industriezeitalters.“

Archäologisches Landesmuseum, Brandenburg/Havel, 26. August bis
15. Oktober, Di bis So, 10 bis 17 Uhr

„Manfred Hamm. Architektur und Landschaft“

Brandenburgischer Landtag, Potsdam, noch bis 15. Dezember, Mo bis Fr, 8 bis 18 Uhr.

Bücher (Auswahl)

„Die Berliner Vorstadt. Geschichte und Architektur eines Potsdamer Stadtteils“ (2001).
„Ludwig Persius. Architekt des Königs“ (2002).

Von Detlev Scheerbarth

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