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Ein Haus mit sehr, sehr weit geöffneten Fenstern

MAZ-Konzerttipp Ein Haus mit sehr, sehr weit geöffneten Fenstern

Im frei entfesselten Spiel der Kräfte sind SIMO zu unglaublicher Meisterschaft gelang. Das Trio aus Nashville bietet nicht – wie man leichthin annehmen könnte – Country Music. Vielmehr zieht die behände Band, bestehend aus Gitarre, Bass und Schlagzeug, im Wortsinn höchst merkwürdige Gewächse aus Blues, Rock, Funk und Soul groß. Asse – alle drei.

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Diesen Musikanten können Sie vertrauen: Gerade weil SIMO sämtliche Erwartungen übertreffen – und mehr.

Quelle: Mike Stahl

Potsdam. Man könnte voller Bewunderung sagen, SIMO haben sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt. Und liegt überhaupt nicht daneben. Endlich touren sie durch die deutschen Lande und könnten dabei ihr aktuelles Album „Rise & Shine“ vorstellen. Ja, ganz knapp: Das Trio, das seit sieben Jahren besteht und zu dem JD Simo, der Namenspatron, Gitarrist und Sänger sowie Adam Abrashoff am Schlagzeug und Bassist Elad Shapiro gehören, kostet mit jeder Note sein künstlerische Freiheit aus. Sie steigen auf und strahlen.

Schon die vorherige Platte „Let Love Show The Way“ war dem Dreier zu etwas Besonderem geraten. Aus zweierlei Gründen: Zum einen quartierten sich die Jungs im The Big House in Macon im US-BundesstaatGeorgia ein. Einst Wohnung der Allman Brothers, die das Haus zugleich als Studio benutzten. Neben der Magie des Ortes, der wohl doch irgendwie Eingang in die Aufnahmen von Simo fand, durfte JD Simo jedes Stück auf der Les Paul Gold Top 1957 spielen – für Gitarristen ein saitenbespanntes Heiligtum. Wer das göttliche Riff des Klassikers „Layla“ von Derek & The Dominos kennt, der weiß warum.

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Erstkontakt zu Sonny Landreth 1993: Mit dem Erwerb der Compilation „(Almost) Everybody Slides“. Wer sich auch nur ansatzweise für das Gleiten von Flaschenhals oder Slide-Bar auf Stahlseiten übers gesamte Griffbrett erwärmen kann, um den ist es geschehen. Clyde Vernon Sonny Landreth III. aus dem US-Bundesstaat Mississippi ist einer jener Magier, die höchst subtil diese besondere Spiel-Technik beherrschen. Was der 66-Jährige auf seinem Live-Album lässig unter Beweis stellt. Eine im Stil vollendete Schlitterparty. Hier kommt ein gewiefter Wanderer, der sich auskennt mit Blues, Folk, Zydeco oder Cajun, den Ur-Gründen amerikanischer Musik. In zwei Sektionen hat Landreth die Aufnahmen unterteilt. Acht Stücke gehören zum akustischen Part, acht zum wild lodernden elektrischen. Höchst elektrisierend sind beide. Wer nach dem Erstkontakt nicht genug bekommt, wird überdies fündig bei Gastauftritten für Johnny Winter, Mark Knopfler oder dem Crossroads Festival, das Eric „Slowhand“ Clapton einst ins Leben rief.

Sonny Landreth: Recorded Live in Lafayette. Provogue/Mascot/Rough Trade.

Wunderkind und gleich noch Welpenschutz sind zwei Stichworte, die einem in den Sinn kommen, wenn über Aaron Keylock gesprochen wird. Ein sensationelles Debüt hat der langhaarige Teenager aus Oxford dennoch unter die darbende Menschheit gebracht. Mit rauem Organ und beträchtlicher handwerklichen Qualität. In den Clubs seiner Heimat spielt er sich den A**** ab, seit er zwölf ist. Sein Erstling zeigt den Briten Höchstform zwischen Southern Rock – Keylock tourte mit Blackberry Smoke und The Cadillac Three – variantenreichem Blues und variablem Rock. Verheißungsvoll.

Aaron Keylock: Cut Against The Grain. Provogue/Mascot/Rough Trade.

„Let Love“ hatte die Anhänger der Band schlichtweg umgeblasen. Eine höchst expressive wie muskulöse Erfahrung. Voller Tricks und Wendungen. Ein Zeichen besonderer Chemie zwischen den allen drei äußerst befähigten Mitgliedern der Band, die akustischen, raubeinigen Blues und schweren Boogie-Rock genauso wenig verschmähten wie psychedelische Anwandlungen. Die Quellen, aus denen SIMO schöpften, sind flugs erkannt. Von berühmten Trios der Rock-Historie wie Cream oder The Jimi Hendrix Experience soll also nicht die Rede sein. Ebenso wenig von Robert Plant. Der steht ja eigenwilligen Sound-Experimenten stets aufgeschlossen gegenüber. Und bietet eben nicht die zigte Wiederaufführung von Songs der vormaligen Stammband Led Zeppelin.

Ausladender, ausgefallener und weitschweifiger geht es nun auf „Rise & Shine“ zu. Denn der Dreier aus Nashville, Tennessee gibt sich weiter entschlossen aufgeschlossen. In einer Funk-Nummer – eine weitere Farbe - hat man sich gerade eingerichtet, da wird sie unvorhergesehen von einer Gitarre regelrecht zersägt. Derlei überraschende Wendungen stecken in vielen Stücken: Sie haben Jam-Charakter. JD Simo kann auch den butterweichen Soul. Und heftig können sie immer. Nur, dass die ganze Sache nicht zum heiteren Zitate-Raten verkommt. Vielmehr bauen SIMO mit Weitblick. Ein Mehrgenerationen-Haus. Stabil und mit sehr, sehr weit geöffneten Fenstern.

Konzert: SIMO spielen am Sonntag, dem 1. Oktober, um 20 Uhr im Lido in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

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