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Ein Museum kämpft um die Besucher

Haus der brandenburgisch-preußischen Geschichte Ein Museum kämpft um die Besucher

Die Zahlen sind ernüchternd. Verglichen mit der Zahl der Barberini-Besucher, ist die Zahl der Menschen, die jährlich das Haus der brandenburgisch-preußischen Geschichte im Potsdamer Kutschstall besuchen, äußerst dürftig. Jetzt soll das Haus der Landesgeschichte für ein paar Millionen Euro modernisiert und zu einer digitalen Erlebniswelt umgebaut werden.

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Figurengruppe über dem Eingang zum Kutschstall, in dem sich das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte befindet.

Quelle: Michael Hübner

Potsdam. Es soll das Schaufenster der brandenburgischen Landesgeschichte sein, das geistige Zentrum in der märkischen Landschaft der Heimatmuseen. Seit 14 Jahren residiert im Potsdamer Kutschstall das Haus der brandenburgisch-preußischen Geschichte. Eine Einrichtung, die eine Dauerausstellung über „Land und Leute“ beherbergt und immer wieder durch intelligent gemachte Sonderschauen zu „Jazz in der DDR“, über die Modezeitschrift „Sibylle“ oder wie derzeit zu „ Reformation und Freiheit“ auf sich aufmerksam macht. Nur: Ein Publikumsmagnet ist das Haus nicht. Gerade mal 27 000 Besucher locken die Ausstellungen jährlich an. Und das lässt sich das Land pro Jahr 1,9 Millionen Euro kosten.

Das Kulturministerium arbeitet an eine Neukonzeption

Doch in Zukunft soll alles anders werden. Die Landesregierung hat Kulturministerin Martina Münch (SPD) vergangene Woche damit beauftragt, bis Mitte kommenden Jahres ein „konkretisiertes“ Konzept für ein „Brandenburgisches Zentrum für die Vermittlung von Landesgeschichte und Kultur“ vorzulegen. Ziel ist es, die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte (BKG), zu der neben dem Haus im Kutschstall auch die Landesinitiative „Kulturland Brandenburg“ und die Stadt Potsdam gehören, zu einem „Zentrum für kulturelle Bildung“ umzubauen. Dafür soll es auch mehr Geld geben. Der Etat des Hauses soll bis 2024 auf 2,8 Millionen aufgestockt, das Haus selbst für fünf Millionen Euro umgebaut werden.

„Wir wollen weg von dem reinen Bestaunen musealer Exponate“, sagt Ministeriumssprecher Stefan Breiding. Das Haus sei nach fast 15 Jahren nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Museumsdidaktik. Geplant ist deshalb mehr Hightech im Kutschstall und ein gezielter Einsatz neuer Medien. Da das recht enge Gebäude für Sonderausstellungen ohnehin nur „bedingt geeignet ist“, wie in der Kabinettsvorlage eingestanden wird, soll ihm langfristig ein zusätzliches Standbein als Medienzentrum zugedacht werden.

Von der Konkurrenz erdrückt

Insgesamt sind die Vorstellungen allerdings noch recht nebulös. Von einer „auf Interaktion und Partizipation ausgerichteten Präsentation von Landeskultur“ ist die Rede, von einem „Experimentalraum“ mit „Erlebnischarakter“. Im Grunde geht es darum, die Defizite des Hauses zu kompensieren. Denn anders als viele landesgeschichtlichen Museen in anderen Bundesländern hat das Haus der brandenburgisch-preußischen Geschichte keine eigene Sammlung. Die befindet sich im Märkischen Museum in Berlin. Für die mittlerweile in die Jahre gekommene Dauerausstellung im Kutschstall mussten Leihgaben aus anderen Heimatmuseen in Brandenburg herbeigeschafft werden. Außerdem ist die Strahlkraft des Hauses neben Konkurrenten in unmittelbarer Umgebung, wie dem Potsdam-Museum, dem Filmmuseum und dem neu eröffneten Kunsttempel Barberini, der allein mit seinen ersten beiden Ausstellungen schon 460 000 Besucher anzog, in jüngster Zeit doch ziemlich verblasst.

Darüber ist sich auch Kurt Winkler, der Chef des Hause, im Klaren. „Wir wollen eine neue Dauerausstellung entwickeln, die die wichtigsten Epochen des Landes digital und mobil erfahrbar macht“, so Winkler. Mobile Endgeräte sollen den Besuchern des Hauses die Chance bieten, Zusatzinformationen zu den ausgestellten Exponaten zu erhalten, mehrsprachig und im Dialog. Langfristig werde es sogar möglich sein, durch die Ausstellungen zu wandern, ohne das Haus zu besuchen. „Wir werden eine völlig neue Wissens- und Wahrnehmungsstruktur schaffen“, erzählt Winkler begeistert.

Eine Frage der Identität des Landes

Der Vorteil für die Ausstellungsdidaktik: Das Angebot kann aktuelle politische Fragen schneller an den Kontext des Landesgeschichte anbinden. Winkler denkt etwa an die Migrationsdebatte: „Brandenburg ist nicht nur Preußen und die Hugenotten. Migration gab es durch das gesamte 19. und 20. Jahrhundert.“ Solche Bezüge ließen sich digital viel schneller vermitteln und diskutieren. Die Auseinandersetzung mit der Heimatgeschichte sei schließlich immer auch eine Frage der Identität eines Landes.

Die Geschäftsführerin des Museumsverbandes des Landes Brandenburg, Susanne Köstering, die auch im Beirat des Hauses sitzt, begrüßt die Neuausrichtung. „Wir brauchen eine Einrichtung, die die gesamte Landesgeschichte zeitgemäß vertritt. Da gibt es bislang eine Leerstelle“, so Köstering. Das Haus der brandenburgisch-preußischen Geschichte könnte sie füllen.

Von Mathias Richter

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