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Kultur Ein erhellender Roman über die Revolutionärin Emma Herwegh
Nachrichten Kultur Ein erhellender Roman über die Revolutionärin Emma Herwegh
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17:45 22.02.2017
Emma Herwegh, geborene Siegmund. Quelle: Foto: MAZ/Archiv
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Potsdam

Wie sich die Sphären des Politischen und des Privaten durchdringen, das ist das Lebensthema von Dirk Kurbjuweit. Als Spiegel-Redakteur schreibt der 54-Jährige Reportagen und Por­träts aus gesellschaftspolitischer Sicht. Als Romancier vermisst er das Innenleben politischer Protagonisten.

In Prosawerken wie „Nicht die ganze Wahrheit“ (2008) oder „Kriegsbraut“ (2011) ist es Kurbjuweit grandios gelungen, Poesie und Journalismus auseinanderzuhalten. Sein aktueller Roman über Emma Herwegh nimmt erstmals nicht die Berliner Republik in den Fokus, sondern eine historische Epoche: das Scheitern der 1848er.

Die Begebenheiten und Akteure in diesem Buch sind der Realität entlehnt. Am Rande spielen Karl Marx und seine Frau Jenny, der Komponist Franz Liszt und der badische Revolutionär Friedrich Hecker eine Rolle. Kurbjuweit arbeit mit Zitaten aus erhaltenen Briefen und schließt die Wissenslücken mit schlichten Sätzen, szenischen Einfällen und lebensnahen Dialogen.

Wer kennt schon Emma Herwegh, die tapfere Frau des sozialistisch-revolutionären Dichters Georg Herwegh (1817-1875). In drei Zeitebenen wird der Leser mit ihr vertraut. Da ist zunächst die 25-jährige Tochter eines reichen jüdischen Seidenhändlers, die im Dunstkreis von Friedrich Wilhelm IV. in Berlin aufwächst. Sie lernt den gleichaltrigen Revoluzzer Herwegh kennen und verschafft dem Gastwirtsohn sogleich einen Termin beim König. Sie heiraten aus Liebe, eine ungewöhnliche Verbindung, alles andere als standesgemäß. Die gemeinsame Liebe gilt der 1848 aufkeimenden kommunistischen Utopie, der Hoffnung auf ein demokratisches Zeitalter. In den Revolutionswirren folgt Emma ihrem Mann ins Pariser Exil und schließt sich an seiner Seite in Männerkleidern der Deutschen Demokratischen Legion an. Ohne ihr couragiertes Eintreten hätte Georg Herwegh die militärische Niederlage gegen die württembergischen Truppen nicht überlebt.

In einer Lebensrückschau 1894, zehn Jahre vor ihrem Tod, kann die Witwe Emma dennoch nicht auf eine erfüllte Ehe zurückblicken. Eine Figur mit Namen Benjamin Franklin – so hieß Frank Wedekind, Autor des Dramas „Frühlings Erwachen“ wirklich mit Vornamen, interviewt die alte Dame und kann es gar nicht glauben. Emma Herwegh hatte es ein Leben lang hingenommen, dass sie ihr Ehemann mit einer anderen Frau betrog – mit Natalie, der Frau des russischen Schriftstellers Alexander Herzen, den es ebenfalls nach Paris verschlagen hatte. Georg spannte Emma sogar als Botin ein, um über Jahre sein heimliches Liebesverhältnis aufrechtzuerhalten. Warum ließ sich die Demokratin und Frauenrechtlerin das gefallen? Warum duldete die Freiheitssucherin die schmerzhafte Untreue ihres Mannes?

Der Leser muss sich diese Frage selbst beantworten. Eine Lesart liefert allerdings der Titel des Buches, das „Die Freiheit der Emma Herwegh“ heißt. Möglicherweise stellte sie die persönlichen Gefühle hintenan, um die großen Freiheitsziele nicht zu gefährden.

Bei Georg Herwegh könnte das Gegenteil geschehen sein. Hinter seinem frühen Elan und Ruhm als Vormärz-Dichter („Der Freiheit eine Gasse“) blieb er in seiner zweiten Lebenshälfte deutlich zurück. Die privaten Liebeswirren absorbierten seine Lebensenergie. Kurbjuweit schildert den berühmten Mann eigentlich sogar als klägliche Figur. Bei der Audienz beim König verlässt ihn der Mut. In Paris studiert er lieber Krustentiere statt sich in die revolutionäre Bewegung einzubringen. Und die pathetischen Worte des Dichters, den Heinrich Heine als „eiserne Lerche“ verspottete, wurden immer hohler.

Natürlich schwingt in dem Sittenbild über eine Generation, die alles besser machen wollte, auch die Frage nach der freien Liebe mit. Kurbjuweit will zwischen Utopie und Wirklichkeit vermitteln.

Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh. Hanser, 334 Seiten, 23 Euro.

Von Karim Saab

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