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Eine Liebe, die sich selbst nicht traut

Rainer Ehrts Bilder in der Potsdamer Galerie Kunst-Kontor Eine Liebe, die sich selbst nicht traut

Der in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) lebende Künstler Rainer Ehrt hat auf zwei Werken Potsdamer Promis verewigt: Wolfgang Joop auf dem Bild „Potsdamer Atlas“ und Günther Jauch auf „Potsdamer Fortuna“ – mit Acryl gemalt. Zu sehen sind Ehrts neue Arbeiten bis zum 25. November in der Galerie Kunst-Kontor in der Landeshauptstadt.

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Der Künstler und seine Bilder: Rainer Ehrt neben „Potsdamer Atlas“ (links) und „Potsdamer Fortuna“.

Quelle: Lars Grote

Potsdam. Rainer Ehrt sagt, dass er damals zu den Braven zählte, als es immer wieder darum ging, das nackte Becken, Brüste und den nackten Bauch zu malen. Gudrun Brüne, Künstlerin und Frau des Malers Bernhard Heisig, hat in Halle unterrichtet, auch das Aktzeichnen, „sie hatte etwas Unerbittliches“, berichtet Ehrt noch heute, es gab akribische Kritik, sie fand verlässlich ein Detail bei den Studenten, das sie ins Reich der Fantasie verwies – und das ihr anatomisch nicht gesichert schien.

Die Studenten sollten malen, was sie sahen, nicht das, was sie sich eingebildet haben. Einige sind in die Rebellion geflüchtet. Rainer Ehrt aber hat die Kritik ertragen.

„Ich habe gelernt, wie man Figuren in den Raum stellt“, er kann einen Apfel malen, der wie ein Apfel aussieht, auch ein Wasserglas kriegt er auf seine Leinwand, ohne dass die Perspektive sich verknotet. Ehrt, 57 Jahre, der in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) wohnt, ist ein geschulter Handwerker, den die harten Lehrjahre nicht daran hinderten, Humor zu entwickeln. Wenn man ihn in diesen Tagen fragt, welche Figuren er derzeit am liebsten auf den Leinwänden platziert, dann spricht er auch von Wolfgang Joop und Günther Jauch. „Den Geldadel“, wie er sie nennt, nicht frei von Ironie – er lacht dabei, denn er kann kritisieren, harsch und dezidiert, doch er meidet jede Bosheit. Nennen wir den Hang zum süffisanten Witz: Engagement.

Wolfgang Joop und Günther Jauch auf dem Wimmelbild der Menschen

Joop und Jauch bewohnen zwei von Ehrts neuen Bildern, mit Acryl gemalt, knapp mannshoch, sie sind dort nicht die Hauptpersonen, man muss sie suchen in dem Wimmelbild der Menschen, die eine Kulisse bilden für das alte Preußen, das jetzt in Potsdam neu errichtet wird. „Das nachgebaute Schloss im Stadtkern“, Rainer Ehrt sagt das mit seiner sanften Rigorosität, „ist Kitsch“. Kitsch behaupte etwas, das nicht da ist.

Maler, Grafiker, Illustrator und Cartoonist

Rainer Ehrt wurde am 13. August 1960 in Elbingerode (Harz) geboren. Er studierte Industriedesign, Grafik und Illustration an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Saale). Heute lebt er in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark).

Den Brandenburgischen Kunstpreis erhielt der Maler, Grafiker, Illustrator, Cartoonist und Bildhauer im Jahre 2007.

Seine aktuellen Arbeiten sind in der Galerie Kunst-Kontor zu sehen, bis 25. November. Di, Mi 15-19 Uhr, Do 15-20 Uhr, Sa 13-18 Uhr. Bertiniweg 1a, Potsdam, Telefon 0331/5817366.

Joop steht auf dem Bild „Potsdamer Atlas“, Jauch auf „Potsdamer Fortuna“, sie hängen in der Potsdamer Galerie Kunst-Kontor. Über Joop hängt ein Crash-Test-Dummy, eine der Versuchspuppen, die man für die Unfallforschung nimmt. Unter Joop hockt eine Raubkatze. Und über dem Ensemble schwebt der Atlas wie ein Geist, mit dem Globus auf dem Buckel. So, wie er auf dem Alten Rathaus zu sehen ist. Jauch fügt sich in die Menge, die Fortuna huldigt – jener Fortuna, die auf dem Portal vorm Stadtschloss steht, das er mitfinanziert hat. Die Göttin ist nackt, anatomisch tadellos, man sieht die alte, harte Gudrun-Brüne-Schule, selbst wenn Ehrt die Göttin leicht modifizierte. Sie ist ein kleiderloses Glamourgirl, ein junges Mädchen reckt das Handy hoch zu ihrem Leib, knipst Bilder. Sie selber ist leicht bis waghalsig gekleidet, ihre Brüste scheinen durch. Das Erotische ist in dem Werk von Rainer Ehrt ein Motor, der durchaus PS in seine Bilder bringt.

Das Handy wiederum ist ihm ein Abbild für die Oberfläche, die uns heute oft genügt, weil wir die Szenerie zwar auf die Speicherkarten bannen, doch sie nicht verstehen. Denn wir gucken nicht mehr hin, die Augenblicke modern im Archiv der Handys.

In Potsdam war Rainer Ehrt das erste Mal als Zwölfjähriger

Potsdam, sagt Ehrt, habe er zum ersten Mal mit zwölf gesehen, er selbst wurde im Ost-Harz groß. „Potsdam war für mich der Inbegriff von Preußen, und Preußen war damals die Chiffre für die weite Welt“, weil die Skulpturen von Italien redeten. Oder von der Mythologie, ein Ort, der noch ein bisschen wärmer und zuweilen süßer wirkte. Immer noch ist Ehrt von Preußen fasziniert, das doppelte Gesicht von Feinsinn und Gewalt lässt ihn nicht los. „Immer, wenn ich denke, dass ich mit Preußen fertig bin, merke ich, dass Preußen noch nicht mit mir fertig ist.“

Joop und Jauch zählen in seinen Augen zu jenen, die den alten Mythos neu verklären und verkleistern wollen. Rainer Ehrt, dem Künstler, kann das nicht gefallen. Er schaut auf Details, er hat einen Blick fürs Original, der sich nicht von Imitaten täuschen lässt.

Im Kunst-Kontor am Jungfernsee hängt auch ein „Fontanorama“, Ehrt hat das Wort erfunden, weil er Fontane hoch verehrt. „Preußen kann man nicht ohne ihn verstehen“, Fontanes Ironie, Understatement, seine große Menschlichkeit und den kritischen Blick liebt er an diesem „Weltbürger“, wie er ihn nennt. Die Huldigung des „Fontanoramas“ gipfelt in einer gezeichneten Metamorphose des Mannes in einen Adler. Den Brandenburger Adler. Da ist sie wieder, diese Liebe zu Preußen, die entgleiten kann und destruktiv wird. Rainer Ehrt, der große Handwerker und leise Humorist, ringt ihr die besten Seiten ab.

Von Lars Grote

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