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Eine Show wie ein Nachrichtenticker

Massive Attack irritieren beim Berlin-Konzert Eine Show wie ein Nachrichtenticker

Am Mittwochabend haben Massive Attack ihr erstes von zwei ausverkauften Konzerten im Berliner Tempodrom gespielt. Die Fans haben sie dafür gefeiert. Doch die Band hat ihre Show hinter einer Buchstabensuppe versteckt als wären sie keine Musiker, sondern eine Nachrichtenagentur. Es gab aber auch einen Lichtblick.

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Im Vordergrund Massive Attack – im Hintergrund Nachrichten.

Quelle: POP-EYE

Berlin. Wer am Mittwochabend die Tageschau verpasst hat, der ist bei Massive Attack im Berliner Tempodrom bestens aufgehoben. Auf der Leinwand tickern Meldungen, als wäre die Band eine Nachrichtenagentur - von der Flüchtlingskrise bis zur Grammy-Verleihung. Die Datenmasse überwältigt, die Lichtshow lässt die Köpfe der Band - Robert „3D“ Del Naja und Grant „Daddy G.“ – im Dunkeln. Statistiken über Asylbewerber erscheinen, dazu Jahreszahlen zum Bau und der Zerstörung prächtiger Tempel im Mittleren Osten. Hunderte von Fragen, die auf Suchmaschinen eingegeben werden, ploppen auf, zum Beispiel: „Helfen Cannabis-Tampons gegen meine Regelschmerzen?“

Massive Attack politischer denn je

Massive Attack verlassen sich nicht auf ihre Musik, sie beballern das Berliner Publikum beim ersten von zwei ausverkauften Konzerten mit Informationen. Dabei geben sie sich politischer denn je, auf der Leinwand animieren sie, sich einer Menschenrechtsorganisation anzuschließen. Die Emotionalität ihrer Songs versteckt sich unter der Buchstabensuppe, die das Publikum auslöffeln soll. Eigentlich schaffen Massive Attack seit fast drei Jahrzehnten Augen-zu-Musik. Die die ins Mark gehenden Bässe, die elegischen Rhythemen und der geheimnisvolle Gesang benötigen keine parallele Datenbeballerung und die Texte ohnehin politisch, sie kommen auch ohne Fußnoten aus.

In der zweiten Hälfte des Konzerts widmen sich Massive Attack älteren Hits wie „Teardrops“ und „Unfinished Sympathy“, die bis heute das Fundament bilden, auf dem die von dem britischen Kollektiv miterfundene Musikrichtung Trip Hop steht. Reggae-Ikone Horace Andy betritt die Bühne wie ein gutmütiger Opa. Er entzieht, etwa bei „Angel“, der Show die Sterilität. Auch Martina Topley-Bird bringt mit ihrer Soulstimme etwas Wärme in den dumpfen von zwei Schlagzeugern angetrieben Sound. Doch das ist so nachhaltig wie eine Wärmflasche in der Tiefkühltruhe.

Uninspirierte Uni-Vorlesung mit Daten-Bombardement

Die Show bleibt kühl und distanziert, wie bei einer uninspirierten Uni-Vorlesung gerät sie zum Daten-Bombardement. Massive Attack meinen, Musik müsste den Wahnsinn des Alltags spiegeln, in dem man mit wichtigen und nichtigen News narkotisiert wird. Dabei hätten sie das Zeug, nicht nur die Köpfe, sondern die Herzen der Fans zu erreichen, die von ihrer politischen Meinung ohnehin eingenommenen sind. Dann lieber Augen zu und durchhören.

Von Maurice Wojach

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