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Eine Straßentheaterproduktion polarisiert die Potsdamer

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci Eine Straßentheaterproduktion polarisiert die Potsdamer

Das Musiktheaterkollektiv „hauen & stechen“ nennt seine Straßenspektakel „Friedrich & Voltaire & wir“. Schrill und laut geben sich die 14 Akteure in Potsdam. Sie möchten die preußische Geschichte vergegenwärtigen, ohne barocke Perücken aufzusetzen. Viele Passanten fühlen sich von ihnen beim Kaffeetrinken und Eisessen gestört.

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Hauen und Stechen in Potsdam

Quelle: Saab

Potsdam. Friedrich der Große und Voltaire. Wer denkt da nicht an gepuderte Perücken und schillernde Wortgirlanden? Doch das Musiktheaterkollektiv „hauen & stechen“ nennt seine Straßenspektakel „Friedrich & Voltaire & wir“.

Der historische Stoff wird hier nicht mit Samthandschuhen angefasst, sondern als kräftige Posse für die Gegenwart ausgeschlachtet. Der Barockzeit verpflichtet ist die Idee, dass eine bunte Spieltruppe einen großen Holzwagen übers Kopfsteinpflaster zieht, beladen mit einigen Musikinstrumenten und den kuriosesten Requisiten. Und mitten in der Stadt plötzlich große Töne spuckt, frappiert und irritiert und einfach mal die Sau rauslässt. Was sonst soll diese Fleischwurstberg-Attrappe, die später auch als Riesengehirn durchgeht? Und diese Riesenpauke, in der irgendwann Voltaire steht und von den Passanten mit Kartoffeln gesteinigt wird! Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci haben die insgesamt 14 Musiker, Schauspieler und Statisten engagiert. Die wilde 50-minütige Performance ist während der Musikfestspiele Potsdam Sansouci wiederholt in der Mittagszeit für jedermann in der Innenstadt zu bestaunen.

Doch Vorsicht! Das Publikum wird von Anfang an in die Turbulenzen eingebunden. Es muss zunächst fest zugreifen und 14 große Stangen in Reih und Glied ausrichten. Sie markieren eine trennende Grenze. „Alle, die hier stehen, werden erschossen“, brüllt eine Frau in Vopo-Uniform in ein Megafon. Doch dann wird die Grenze missachtet und durchschritten. „Heute gestohlen, morgen in Polen“, ruft ein Akteur. Assoziationen kennen keine Grenzen. Korrektes Theater ist das nicht, eher ein preußischer Hexensabbat, Budenzauber des Unterbewusstseins.

Das trashige Brainstorming zerrt natürlich aus dem kollektiven Gedächtnis auch die blutrünstige Katte-Geschichte ans Licht. Kronprinz Friedrich wird in ein Schildwachhäuschen gezwungen, flankiert von einem Krieger mit Iron-Maiden-Shirt und altem Sturmhelm sowie einer Dame im schwarzen Kostüm. Hier ist eben alles Theater! Und obendrein wird auch noch mit Akkordeon, Kontrabass und Keyboard musiziert. Und vielfältig gesungen. Eine eindrucksvolle Soubrette ist unter den Spielleuten, eine andere kann auch Nina Hagen.

Kattes Hinrichtung gipfelt in einem spektakulären Bild. Aus einer blonden Perücke platscht eine Wassermelone aufs harte Pflaster. Das zermatschte rote Fruchtfleisch steht für jenes Preußen, das Friedrich der Große nach seiner Thronbesteigung schuf. Am Ende bringen acht Zuschauer die Buchstaben V-o-l-t-a-i-r-e in eine Ordnung und lassen sich zu einem Kreistanz animieren.

Von Karim Saab

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