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Eine bittere Reise in die Vergangenheit

67. Berlinale Eine bittere Reise in die Vergangenheit

Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff startet am 16.2. mit dem Drama „Rückkehr nach Montauk“ als dritter und letzter Deutscher in den Wettbewerb um den goldenen Bären. Anfangs hielt der 77-Jährige Max Frischs Erzählung „Montauk“ für unverfilmbar. Was hat ihn umgestimmt? Wie stehen die Chancen im Wettbewerb?

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Susanne Wolff und Stellan Skarsgård.

Quelle: Foto: Wild Bunch, Franziska Strauss

Berlin. „Glaube nie einer Geschichte, die dir ein Schriftsteller erzählt“, sagt der Schriftsteller Max und gluckst selbstgefällig in sich hinein. Okay, aber kann man einer Geschichte glauben, die ein Kinoregisseur erzählt?

Der Potsdamer Volker Schlöndorff sollte Max Frischs Erzählung „Montauk“ verfilmen, dieses „aufrichtige Buch“, wie es Frisch genannt hat, weil er darin mehr von seinem Leben (und seinen Frauen) preisgibt als in jedem anderen. Schlöndorff hielt das Buch jedoch für unverfilmbar. „Es ist ja eine sehr persönliche Geschichte, die Liebesbeziehung zwischen Max Frisch und Ingeborg Bachmann. Das kann man nicht machen. Wie soll man das besetzen?“, fragte der Regisseur. Und ersetzte den Stoff kurzerhand durch sein eigenes Leben. Er darf das. Frisch war ein Freund von ihm, er hat 1991 schon „Homo Faber“ ins Kino gebracht. Es sei sein „persönlichster Film“ geworden, hat Schlöndorff bei der Berlinale gesagt, wo „Rückkehr nach Montauk“ gestern Premiere hatte. Schlöndorff verweist dabei sogar auf das passende Kapitel seiner Autobiografie. Es heißt „Das Siebenundvierzigste“ und handelt von einem 47-jährigen Mann zwischen zwei Frauen an einem langen Wochenende in New York. Letztlich kommt es aber nur auf eines an: dass sich die Geschichte auf der Leinwand wahr anfühlt. Daran arbeitet Schlöndorff anfangs aufdringlich. Schriftsteller Max ist nach Jahren wieder nach New York gekommen. Er liest aus seinem neuen Roman. Max spricht über das, was ein Menschenleben ausmache. Es seien die Dinge, die man getan habe und bereue, sowie jene, die man unterlassen habe und bedauere.

Diese plakative Einstimmung ist überflüssig. Schlöndorff hätte seinem wunderbaren Schauspielertrio getrost die Überzeugungsarbeit überlassen können. Sehr bald spüren wir, dass Max (Stellan Skarsgård) in seinen Gedanken nicht nur bei seiner Freundin Clara (Susanne Wolff) ist. Da rumort eine andere Frau aus vergangenen New Yorker Tagen in ihm: Rebecca (Nina Hoss), der er wie ein Stalker nachstellt. Schließlich unternimmt er mit ihr einen Ausflug nach Montauk, wie ihn auch Max Frisch unternahm.

Eine bittere Reise in die Vergangenheit wird das, gefüllt mit Erinnerungen an verpasste Chancen, aber auch durchzuckt von irrwitzigen Hoffnungen. Erstaunen, Unverständnis, Glück: All das spiegelt sich in den Gesichtern. „Rückkehr nach Montauk“ ist eine schmerzvolle Liebesgeschichte – und ein Versuch über die Egozentrik der Männer. Ja, der Film fühlt sich so wahr an wie jede gut erfundene Geschichte.

Schlöndorff hat dafür lange keinen Produzenten gefunden. Til Schweiger sagte per Handschlag zu: „Du hast deine Finanzierung.“

Von Stefan Stosch

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