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Eine neue Revue im Hans-Otto-Theater

Bühne Eine neue Revue im Hans-Otto-Theater

Der Titel des Theaterabends klingt etwas umständlich und angestrengt. „Der Rest ist Geigen - ein Popstück … über die Suche nach dem großen Glück“. Die Regisseurin Barbara Bürk brillierte im letzten Jahr in Potsdam mit der Uraufführung „Wellen“. Ist es ihr einmal mehr gelungen, den bekannten Schauspielern unbekannte Seiten zu entlocken? Eine Premierenkritik.

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Bernd Geiling als angejahrter Westernstar.

Quelle: HL@HLBOEHME.COM

Potsdam, . Misslich an dieser Inszenierung ist lediglich der unhandliche, überambitionierte Titel. „Der Rest ist Geigen - ein Popstück … über die Suche nach dem großen Glück“. Die anderthalbstündige Aufführung des Hans-Otto-Theaters handelt von Einsamkeit, Beziehungsstress und Stimmungsschwankungen. Die Grundtemperatur ist elegisch, mit Ausschlägen ins Melodramatische und Heitere.

Unter der feinen und strengen Regie von Barbara Bürk mäandert die Revue durch eine beliebige Kleinstadtnacht. Jede Figur ist ein schriller Typ, aber warmherzig angelegt mit weich gezeichneten Charakterzügen. Es sind Menschen, die sich einen Tunnel durchs Leben graben und die „Möglichkeiten der Erregung“ suchen, wie es einmal heißt.

Auf dem Experimentierfeld der Reithalle dürfen sechs Schauspieler zeigen, wer sie im wahren Leben merkwürdigerweise sein könnten. Denia Nironen gibt eine kratzige „Ich-bin-so-wie-ich-bin-Schweizerin“, verschanzt sich manchmal mit Sonnenbrille und Strohhalm hinter einem Cocktailglas und stimmt am Ende unvermittelt ein finnisches Lied an. Als Tochter einer Schweizer Mutter und eines finnischen Vaters ist Nironen dafür wie geschaffen. Um ihre Hüfte hängt ein ebenso lächerliches Täschchen, wie es Raphael Rubino stets am Handgelenk baumeln hat. Ein Fingerzeig, dass diese beiden verlorenen Seelen gut zueinander passen. Der leutselige Fettsack blüht in ihrer Nähe sichtlich auf und brilliert als verklemmter, fürsorglichen Hengst. Gerührt verfolgt der Zuschauer, wie hier ein Mann und eine Frau ihren nachvollziehbaren Selbstekel überwinden.

Drumherum gruppieren sich die anderen Gestalten und einige running gags. Aus dem Off werden realsatirische Kontaktanzeigen eingespielt, schwülstige Filmszenen werden pantomimisch nachgesprochen und jeder Darsteller muss einmal zu Sabine Scholze auf die TV-Bekenntniscouch, um über seine Sexpraxis Auskunft zu geben. Der Klamauk bleibt stets dezent, aus dem Theater wird kein krachiges Kabarett.

Anke Grot entwarf exaltierte Kostüme und eine launige Bühnenlandschaft. Mittelpunkt ihres Edellokals mit Clubatmosphäre ist ein runder Teppich, auf dem viel gesungen und getanzt wird. Markus Reschtnefki sitzt am Konzertflügel und ist Teil der illustren Gesellschaft, die auch mal zur Gitarre und zum Keyboard greift. Mikrofon und Verstärker kommen nur manchmal zur Anwendung.

Bernd Geiling spielt einen angejahrten, phlegmatischen Westernstar mit Koteletten, Goldkettchen und Blümchenhemd. Am Ende tritt er wie ein Gigolo vom Raumschiff Enterprise vors Publikum. Er singt weich, unnahbar und geerdet.

Mit dem Lied „Das haut mich nicht um, aber Du“ liefert Friedemann Eckert ein schönes Beispiel kantigen Schauspielergesangs ab. Vom Typ her ist er ein sportiver Callboy, aber manchmal fehlt ihm die Strahlkraft. Die spindeldürre Schauspielerin Melanie Straub darf einmal sagen: „Am liebsten wäre ich dick und würde verschwinden.“ Sie wandelt sich von einer überspannten, garstigen Elfe zur Soubrette und trällert in den höchsten Tönen.

Die Auswahl des Liedguts aus allen Epochen erscheint alles andere als zwingend. Während der Lieder hält die Regisseurin die vage Bühnenerzählung gern an. Alles in allem passiert recht wenig Wesentliches. Ein direkter Zusammenhang zwischen den vielen kleinen Szenen stellt sich nicht her. Wie im richtigen Leben.

Nächste Vorstellung: 27. Juni, 19.30 Uhr. Reithalle des Hans-Otto-Theaters, Potsdam. Karten unter 0331/98118.

 

Von Karim Saab

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