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Kultur Einmischen erwünscht bei „Faktisch Live“
Nachrichten Kultur Einmischen erwünscht bei „Faktisch Live“
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21:22 11.10.2017
Tobias Wilhelm (l.) und Nikolaas Meinshausen. Quelle: privat
Potsdam

Anne Will, Maischberger, Maybrit Illner oder Hart aber fair – es gibt zwar viele Talkshows im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber was sie vorführen ist oft nicht gerade das, was man sich unter einem Gespräch vorstellt. Denn die immer gleichen Gäste erzählen genau das, was man sowieso von ihnen erwartet und bereits weiß. Die Themenauswahl spiegelt nicht die tatsächlichen Probleme in unserer Gesellschaft wider, komplexe Themen werden auf ein populistisches Niveau reduziert. Zwei Absolventen und ein Student der Filmuniversität Babelsberg hatten genug von diesem dem Proporz und Konsens verpflichteten Modell. „Wir wollen die politische Debatte hinaustragen aus den Fernsehstudios“, erklärt Tobias Wilhelm (28). Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Felix Pauschinger (25) und Nikolaas Meinshausen (27) entwickelt er das interaktive Online-Talk-Format „Faktisch Live“. Die Idee ist, im Netz eine Plattform zu bieten, auf der es möglich ist, sich einzumischen, zu kommentieren und zu diskutieren. „Wir möchten junge Leute ermuntern, ihre Meinung zu sagen“, sagt Nikolaas Meinshausen. Der Zuschauer ist integraler Bestandteil der Sendung.

Jede Woche lädt das Trio jemanden ein, mit dem über ein aktuelles Thema diskutiert wird. Ihr Format nennen sie Politik-Talk ohne Politiker. Er findet stets an wechselnden Orten statt und sie nehmen sich soviel Zeit, wie sie brauchen. „Wir sind ein kleines Team, sehr flexibel und mit unserer Kamera immer mobil“, so Felix Pauschinger. So könne man schnell auf Ereignisse reagieren. Die Zuschauer sind eingeladen, vor und während der Sendung ihre Fragen über Facebook und Twitter zu stellen. Eine Anmeldung auf diesen Webseiten ist nicht nötig.

Vier Sendungen sind mittlerweile gelaufen, über rund 30 000 Aufrufe freuen sich die Initiatoren. Wer etwas verpasst hat, kann sich die Sendung später noch anschauen. Erster Gast war der Journalist Marcus Staiger. Mit ihm traf man sich auf dem Kreuzberger Oranienplatz und es ging um die Frage, ob Wahlen noch etwas verändern oder man doch eine Revolution brauche. Es folgten Thomas Wüppesahl, ehemaliger Kriminalbeamter und Bundestagsabgeordneter, der über Kriminalitätsbekämpfung diskutierte sowie Torsun Burkhard, der Musiker der Band Egotronic, mit dem man vor der Thälmann-Statue in Berlin-Pankow über die AfD im Bundestag ins Gespräch kam. Am Mittwoch erzählte Dieter Puhl von der Bahnhofsmission Zoologischer Garten, wie schwer es ist, als Obdachloser zu überleben und woran es liegt, dass die Zahl der Wohnungslosen zunimmt.

Die Beteiligung der Zuschauer sei noch etwas schleppend, aber langsam verbreite sich das Projekt. „Wir arbeiten auch weiter an neuen Formaten und hoffen, dass sich noch mehr Studenten der Filmuni beteiligen“, so Meinshausen. Mit 5000 Euro fördert das Medienboard Berlin-Brandenburg das Projekt, die Filmuniversität Babelsberg produziert den Web-Kanal. CouchFM des Medieninnovationszentrums Babelsberg unterstützt inhaltlich und technisch das ambitionierte Projekt.

Weitere Infos unter www.facebook.com/faktischlive

Von Claudia Palma

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