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Elke Heidenreich über Glück und Harmonie

MAZ-Interview Elke Heidenreich über Glück und Harmonie

Es ist ihre erstes Libretto, das Elke Heidenreich geschrieben hat. Der Text für die Oper „Adriana“, die am Freitagabend in der Kammeroper Rheinsberg uraufgeführt wird. Im MAZ-Interview verrät sie schon mal einige Details über das Stück und spricht über die großen Themen des Lebens.

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Elke Heidenreich hat für die Kammeroper Rheinsberg ihr erstes Libretto geschrieben, am Freitag ist die Premiere.

Quelle: dpa

Rheinsberg. Die Kammeroper Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) feiert am Freitag mit der Oper „Adriana“ eine Weltpremiere. Das Libretto stammt von der Schriftstellerin und Kabarettistin Elke Heidenreich. Die MAZ hat mit ihr über das Stück und die großen Themen des Lebens gesprochen.

MAZ: Frau Heidenreich, auch die beste Oper kann man nicht lesen und das beste Buch nicht hören. Was bevorzugen Sie?

Elke Heidenreich: Opern muss man hören, und wenn man vorher das Libretto gelesen hat, kann das nicht schaden. Bücher lese ich ehrlich gesagt lieber, als dass ich sie höre. Aber bei langen Autofahrten lass ich mir auch schon mal gern was vorlesen.

Unterhalten Sie sich mit Ihrem Lebensgefährten, dem Opernkomponisten Marc-Aurel Floros, manchmal singend?

Heidenreich: Kennen Sie irgendwen, der sich singend unterhält, außer Menschen in Musicals, Operetten und Opern?

Zwischen Leidenschaft und Sicherheit

Elke Heidenreich (72) ist Schriftstellerin, Literaturkritikerin, Kabarettistin, Moderatorin, Journalistin und neuerdings auch Librettistin.

Für die Kammeroper Rheinsberg hat sie den Text für die Oper Adriana geschrieben, die am Freitag Premiere hat.

Die Musik stammt von ihrem Lebensgefährten Marc-Aurel Floros.

Die Handlung der Oper: Adriana ist eine junge Frau, die zwischen der Liebe der beiden Brüder Leander und Julian hin- und hergerissen ist. Leander bietet ihr das konventionelle Glück eines gesicherten Lebens. Julian ist ein leidenschaftlicher Liebhaber und Romantiker aber leider gnadenlos lebensuntüchtig.

Kann eine Oper überhaupt noch zeitgemäß sein?

Heidenreich: Warum denn nicht? Es ist eine wunderbare Kunstform, seit 500 Jahren und immer noch: Eine Geschichte wird mit Musik erzählt. Nehmen Sie Luigi Nonos „Intolleranza“ von 1960: genau die Welt, in der wir leben.

Die Oper hatte ihre letzte Blütezeit im 19. Jahrhundert. Dann wurde der Film erfunden, ebenfalls ein Gesamtkunstwerk. Könnten Sie sich vorstellen, gemeinsam mit Floros aus dem Stoff auch einen Film zu entwickeln?

Heidenreich: Die Oper hatte überhaupt nicht im 19.Jahrhundert ihre Blütezeit! Danach kamen noch so viele tolle Opern, und es geht ja immer weiter. Und der erste große Hollywoodmonumentalschinken, das war Richard Wagners „Ring“, alles, alles hat der Film sich bei der Oper abgeguckt. Nein, ich will keinen Film aus unserm Stoff machen, aber Floros wäre bestimmt ein genialer Filmmusiker.

Die Musik Ihres Lebensgefährten wird gelegentlich mit Filmmusik verglichen. Deuten Sie das als Kompliment?

Heidenreich: Ja, und wie. Er kann auch die zerrissene, atonale Musik des 20. und 21. Jahrhunderts schreiben, aber damit kann man nur Verstörung, Leid, Krieg usw. ausdrücken. Was der modernen Musik fehlt, ist der Klang für Glück, Liebe, Wärme, Harmonie. Das kann er eben auch. Und wäre damit geradezu ideal für den Film. Aber er will immer nur Opern schreiben! Ich hoffe, ich kann ihn mal bekehren. Vielleicht braucht es einen tollen Auftrag.

Verstehen Floros und Sie Ihr Bekenntnis zu tonalen Strukturen und großen melodischen Bögen als Abrechnung mit der Moderne?

Heidenreich: Das müssen Sie eigentlich den Komponisten fragen. Aber ich kann Ihnen sagen, dass in gar nichts „abgerechnet“ wird. Auch bei Floros gibt es atonale Strukturen, natürlich aber eben nicht nur.

Floros‘ Orchestermusik ist sehr verdichtet und komplex. Gibt es auch eingängige Melodien, die einem Opernbesucher auf der Heimfahrt nicht aus dem Kopf gehen? Halten Sie das überhaupt für erstrebenswert?

Heidenreich: Er hat ein paar schöne Motive drin, ja, die musikalische Leute wohl nachsingen können. Zum Thema erstrebenswert: Wenn ich im Konzert neue Musik höre, habe ich fast nie den Wunsch, mir dasselbe zu Hause noch mal als CD aufzulegen. Bei Floros’ Musik geht mir das aber so – die möchte ich gleich noch mal hören.

Ihre Oper „Adriana“ handelt von den Liebeswirren dreier Paare. Verklammern Sie das private Liebesglück mit der gesellschaftlichen, vielleicht sogar politischen Gegenwart?

Heidenreich: Das spielt ja immer alles ineinander. Aber politisch ist es nicht, nur insofern, als Privates immer auch politisch ist. Ehen funktionieren heute nicht mehr wie im 19. Jahrhundert.

In Ihrem Libretto tritt ein lebensuntüchtiger Romantiker gegen einen Erfolgsmenschen an. Haben Sie gar keine Angst, dass Ihre Oper auf Menschen von heute holzschnittartig und pathetisch wirkt?

Heidenreich: Nein, weil nichts holzschnittartig ist und weil auch niemand „antritt“. Es gib verschiedene Lebensentwürfe, und man muss sich immer entscheiden.

Gibt es unter den sieben Figuren zwei, die Ihnen und Floros nahe kommen?

Heidenreich: Das kann man nicht auseinanderpflücken. Es ist ein Ganzes.

Messen Sie den Erfolg Ihrer Oper daran, ob sie ein Publikumserfolg wird?

Heidenreich: Sagen wir mal so: gute Kritiken sind auch schön, aber das Wichtigste ist, ein Publikum zu erreichen. Und noch schöner wäre, wenn andere Häuser das Stück nachspielen würden, denn Freilichtbedingungen wie in Rheinsberg schränken ja akustisch immer auch ein.

Kannten Sie Rheinsberg denn schon vorher?

Heidenreich: Ich werde am Tag der Uraufführung zum ersten Mal dort sein.


Die Uraufführung am 31. Juli ist ausverkauft. Weitere Aufführungen am 1., 7. und 8. August um 20 Uhr im Schlosshof. Karten können reserviert werden unter der Telefonnummer: 03 39 31/3 49 40.

Von Karim Saab

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