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Kultur Ella und Denica sind im Finale
Nachrichten Kultur Ella und Denica sind im Finale
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02:18 22.03.2018
Ella Marie Kastner (l.) und Denica Bahr aus Falkensee. Quelle: Lars Grote
Potsdam

Das „Abendlied“ von Bertolt Brecht tönt leise hinter der verschlossenen Tür, Denica sitzt im Flur mit Wollhandschuhen und im Abendkleid. Die Finger müssen warm bleiben, gleich spielt sie Klavier. Und Ella singt. Wo ist Ella? Noch nicht da. Jetzt nicht nervös werden.

Der Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“ ist oft die erste große Bühne im Musikerleben, die Jury trägt ernste Mienen, die Eltern schauen, ob die Kinder gut gekämmt sind, über der Potsdamer Städtischen Musikschule Am Stern liegt eine Spannung, die von Brechts „Abendlied“ noch eine Spur dramatisiert wird.

Kunstlied ist ein schönes altmodisches Wort

Es ist Donnerstag vergangener Woche, erster Wertungstag des Brandenburger Wettbewerbs, Ella Marie Kastner und Denica Bahr leben in Falkensee (Havelland) und haben sich für die Kategorie „Kunstlied“ qualifiziert. Kunstlied ist ein schönes, altmodisches Wort, das nicht nach Hitparade klingt. Es erzählt von einem anderen Jahrhundert. Ella, 16, und Denica, 17, werden Lieder von Beethoven, Eisler, Telemann, Schumann und Schönberg spielen.

Eine andere Zeit, ein anderer Ton, dennoch wirken die beiden jungen Frauen so modern, wie man sich das im 21. Jahrhundert nur ausmalen kann: bescheiden, selbstbewusst, Denica trägt ein Kleid mit Schlitz. Sie atmet auf, als Ella eintrifft, sie kommt in einem Blumenkleid, das einerseits romantisch aussieht, andererseits nach einem großen Auftritt ruft.

Zuhause hat Denica nur ein E-Piano

Aufgeregt? Sie lächeln. Und schreiten in den Saal. Sie gehen auf dieselbe Schule in Falkensee, ihre Musiklehrer kamen im Oktober auf die Idee, dass sie beim Landeswettbewerb zusammen spielen könnten. Ella und ihr Gesangslehrer haben Lieder vorgeschlagen, Denica und ihre Lehrerin haben ein paar Stücke aussortiert – „das Klavier hat mehr Noten als die Singstimme, da haben wir ein bisschen an der Stellschraube gedreht und geguckt, was machbar ist“, erzählt die Klavierlehrerin.

Denica setzt sich an den Flügel. Zu Hause hat sie nur ein E-Piano, „es ist erhebend, auf einem echten Flügel zu spielen“, erzählt sie, „er klingt ganz anders.“ Ella neben ihr, sie spannt den Körper, ihre Augen funkeln. Die ersten perlenden Takte von Beethoven, ein Hauch von Erwachsensein liegt nun in ihrer Miene. Die Stücke sind nicht lang, zwischen den Liedern ein Lächeln zwischen beiden Frauen, kein verschwörerisches, eher ein aufmunterndes.

Bei Schönberg wird Ella zur Diva

Beim letzten Lied, Schönbergs „Arie aus dem Spiegel von Arkadien“, schwingt sich Ella bei den ausgreifenden und nicht ganz ironiefreien Läufen des „Bum, bum, bum“ zur Diva auf. Neigt den Kopf wie eine Katze, das Laszive sucht sich Platz in diesem freundlichen Mädchengesicht.

Geschafft! Applaus. Verbeugung. Mit sicherem Schritt verlassen sie die Bühne auf den Absatzschuhen. „Schönberg lief am besten“, sie sind sich einig. Erschöpftes Strahlen. Sie suchen kleine Fehler, kritteln an Details. Ellas Gesangslehrer geht dazwischen: „Geht nicht zu hart mit euch ins Gericht, ihr wart toll! Es geht immer besser, aber ihr habt das sehr gut gemacht.“ Stille.

Sie zählen zu den besten Brandenburgern

Langsam fangen sie an, sich zu freuen. Ella tritt beim Landeswettbewerb auch mit der Gitarre an, dort sei sie nervöser. „Wenn die Finger etwas zittern, hört man das.“ Beim Gesang sei sie gleich da. Da fühle sie sich frei.

Sie müssen warten. Die Jury verkündet die Ergebnisse spät. Dann die Erleichterung: Sie zählen zu den besten Brandenburgern. Und werden zum Bundeswettbewerb nach Lübeck weitergeleitet, der vom 17. bis 24. Mai stattfindet, 120 Brandenburger haben sich qualifiziert. Ein Karriereschritt? Denica überlegt. „Es ist ein schönes Hobby“, sagt sie. Ihre Leidenschaft gilt der Mathematik.

Von Lars Grote

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