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Nachrichten Kultur Elton John lässt’s glitzern
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12:53 09.07.2017
Elton John Quelle: LUSA (Archiv, 11.12.2016 in Lissabon, Portugal)
Berlin

Elton John hätte das Zeug zum Comic-Helden. Er trägt eine funkelnde Riesenbrille mit getönten Gläsern, rotes Hemd, lila Kragen, glitzernder Gehrock, Klunker am rechten Ohr. Greift er in die Tasten, entfacht er geheime Kräfte und magnetisiert die Masse. An der Spitze des bestuhlten Innenraums bildet sich ein Stehplatz-Block. Kinder, Eltern, Omis und Opis zieht es zum Bühnenrand.

Wie es sich für einen Superhelden gehört, musste Elton John vor seinem Auftritt am Freitagabend in der Mercedes-Benz-Arena gegen finstere Kräfte antreten. Im April noch litt der Brite an einer lebensbedrohlichen Infektion. Kürzlich regten sich zudem Zweifel, dass die anstehende Tour zum Triumph werden könnte. Wegen des G20-Gipfels erhielt sein Flugzeug in Hamburg keine Landeerlaubnis. Der 70-Jährige musste den Auftritt in der Hansestadt verschieben.

In Berlin sind die Mächte auf seiner Seite. Kurz nach 19.30 Uhr nähert sich Elton John, der nicht größer ist als manch ein Sechstklässler, in Pinguinschritten seinem schwarzen Piano. Riesenapplaus. Das Instrument ist für ihn, was das Batmobil für Batman ist. Es macht ihn uneinholbar. Mit „The Bitch Is Back“ steigt er rockig ein und lässt allen, die ihn als Sänger kitschiger Balladen abgespeichert haben, die Kinnladen herunterfallen. Das Stück spielt auf seine Allüren an – die „Bitch“ (Schlampe, Zicke) ist er selbst. Hinter dem Klavier ist doppeltes Schlagwerk aufgebaut. Drummer Nigel Olsson, der seit den frühen 70er-Jahren an des Meisters Seite verweilt, und Percussionist John Mahon dreschen drauf wie Duracell-Hasen nach dem Batteriewechsel. Die fünfköpfige Band spielt kompakter und lauter als so manche Heavy-Metal-Band es in der klangfeindlichen Arena sonst zustande bringt. „Bennie And The Jets“ ist noch grooviger als in der Coverversion der Beastie Boys, „Still Standing“ wird von Davey Johnstone mit einem Solo an der Doppelhals-Gitarre angetrieben. Eine Durchhalte-Hymne, zu der – egal ob Teenie oder Pensionär – jeder dreifach die Faust recken kann. „I’m still standing yeah yeah yeah.“ Wäre dieses Konzert also die Geschichte eines Comic-Helden müssten ständig „Zack! Boom! Päng!”-Blasen aufploppen.

Nach zackigen Partynummern knallt Elton John den Deckel aufs Klavier und lässt sich feiern. Zwei Mal aber tritt der Exzentriker zurück und huldigt anderen. Bei „Don’t Let The Sun Go Down On Me“ erscheint ein Bild von George Michael, dem schmerzlich vermissten Duett-Partner. „I Want Love“ ist den Opfern der Terroranschläge in Berlin, Manchester und anderswo gewidmet.

Dem Meister und seiner virtuosen Gefolgschaft gelingt an diesem Abend fast alles. Sein Bluesrock zielt in die Magengrube, die Balladen und das minutenlange Vorspiel zu „Rocket Mann“ lassen Tränen kullern. Die pummelige Ikone nimmt den Parforceritt durchs eigene Leben dagegen mit fingerschnippender Gelassenheit. Nach weit über zwei Stunden will der Held sein neuestes Abenteuer beenden. Dann watschelt er nochmal zu den Fans, ein Bodyguard, der im Vergleich so groß wie Hulk ist, reicht einen Stift für Autogramme. Elton John unterschreibt, bedankt sich für die Vergötterung, dreht sich um und geht zum Klavier, um „Candle In The Wind“ zu spielen. Auf der Rückseite seines Gewands ist ein Schriftzug eingestickt: „Fantastic“. Klein, dick, glitzernd und nicht weniger als ein Held aus dem Pop-Olymp, das ist Elton John. Fantastisch.

Von Maurice Wojach

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