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"Endstation Sehnsucht" am Hamburger Thalia Theater

Theater "Endstation Sehnsucht" am Hamburger Thalia Theater

Auf einer abstrakt gestalteten Bühne inszeniert Regisseur Lars-Ole Walburg den Klassiker "Endstation Sehnsucht" in Hamburg neu. Dabei bleibt er der erzählerischen Vorlage von Tennessee Williams treu und bringt neu Humor mit rein.

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Karin Neuhäuser als Blanche DuBois (m.) in "Endstation Sehnsucht" im Thalia Theater.

Quelle: Christian Charisius

Hamburg. Die Bühne wirkt wie ein in sich geschlossenes Universum aus weißen Schaumstoffwürfeln: Die Kulisse für Tennessee Williams' weltberühmten Südstaaten-Klassiker "Endstation Sehnsucht" (1947) im Thalia-Theater in Hamburg ist abstrakt.

Ein passender Ort für ein Drama, das sich zwischen Charakteren, weniger zwischen Tischen und Stühlen abspielt. Die Darsteller winden sich zwischen den Ecken und Winkeln der Installation auf die Bühne.

Sich winden? Davon hält die alternde Südstaatenschönheit Blanche DuBois - eindrucksvoll gespielt von Karin Neuhäuser - nichts. Mit einer Reisetasche und Hoffnung bepackt, sucht sie bei ihrer Schwester Stella, anrührend dargestellt von Patrycia Ziolkowska, in New Orleans Zuflucht. Die herrschaftlichen Lebensverhältnisse, die die Attitüden der mittlerweile mittellosen Lehrerin prägten, sind passé: Der stattliche Familienlandsitz Belle Reve ist unter dem Hammer, Blanche steht vor dem Ruin.

Das hält sie aber nicht davon ab, sich weiterhin träumend und elitär zu geben - auch in einer Gesellschaft, die mit solchen Wertvorstellungen nichts anfangen kann. Denn Stella lebt zwischen Bowling-Bahn und Poker-Proleten ein Leben in der Arbeiterklasse. Das Schlimmste für die eitle Blanche: Stella ist zufrieden damit. Bereits vor Jahren hat sie sich gegen ein prunkvolles Leben entschieden.

Auch ohne Geld, aber dafür in prächtigen Kleidern präsentiert sich Blanche nicht nur der schrillen Nachbarschaft, sondern auch Stellas impulsivem Ehemann Stanley Kowalski, intensiv gespielt von Sebastian Zimmler. Der Sohn polnischer Einwanderer aus dem Arbeitermilieu kann mit der elitären Art seiner Schwägerin wenig anfangen. Stanley ist zwar ein roher Prolet, der zu Gewaltausbrüchen neigt - aber kein Dummkopf. Schnell durchschaut er mit seinen Pokerfreunden das Lügenkonstrukt, das Blanche ganz nach ihrem Motto, "ich will keinen Realismus, ich will Magie", um sich errichtet hat. Sein Eifer, sie bloßzustellen, nimmt weiter Fahrt auf, als Blanche ihn hinter seinem Rücken als den "letzten Überlebenden der Steinzeit" bezeichnet.

Dagegen kann auch die schwangere Stella, die ihren Mann geradezu vergöttert, mit ihren liebevollen Worten nichts unternehmen. Stanley enttarnt Blanche als gefallene Lehrerin und Gelegenheitsprostituierte und zerstört ihre Hoffnung auf eine rettende Heirat mit seinem Freund Mitch. Doch gleichzeitig enttarnt er sich selbst und seinen Hass.

Den verbalen Schlagabtausch zwischen Blanche und Stanley inszeniert Regisseur Lars-Ole Walburg auf sehr humoristische Art. Gerade die Mimik und Körpersprache der beiden Hauptdarsteller sorgt für komödiantische Szenen in dem Drama. Dennoch endet die Geschichte für Blanche dramatisch. Nach einer Vergewaltigung durch ihren Schwager, im Stück nur musikalisch angedeutet, verliert sie jeglichen Halt. Stella will nicht glauben, dass ihr Mann ihre Schwester vergewaltigt hat, und lässt Blanche in die Irrenanstalt einweisen. Die abstrakt gestaltete Bühne wirkt plötzlich wie eine Gummizelle.

dpa

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