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Kultur Entzweite Liebe
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10:04 21.10.2016
„Malek“ erzählt seiner Frau von der beginnenden Revolution. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Freudig summend betrachtet sie ihr Hochzeitsfotos, als ihr Mann zur Tür hereinstürmt. „Wir haben es geschafft!“, ruft er und singt auf arabisch „Freiheit“. Er nahm gerade an der ersten Demonstration des beginnenden arabischen Frühlings teil, erzählt er. Das Gesicht der Frau erstarrt, sie hat Angst vor dem, was kommt. Sie beginnen zu streiten. „That’s good“, ruft Regisseur Philip Baumgarten herein und läuft auf die Bühne, gibt Anweisungen zur Spielweise. „And you go to the Fenster“. Im T-Werk in der Schiffbauergasse laufen die letzten Proben für „The other face off the moon“, das am heutigen Freitag Premiere feiert.

Die Französin Angélique Préau und der Syrer Jalal Mando verkörpern ein Liebespaar, dass sich durch den ausbrechenden Bürgerkrieg kämpfen muss. Drehbuchautor Jalal möchte mit dem Stück, das auch Tanz-und Gesangselemente enthält, authentische Eindrücke von Syrien und den Moslems vermitteln.

Deutschland als neue Heimat

Er selbst lebt seit einem Jahr in Deutschland. „Ich bin nicht freiwillig hier“, gesteht er, „sondern weil in meiner Heimat Krieg herrscht“. Er spricht Englisch, so ist er sicher, die wichtigsten Themen korrekt zu formulieren. Dann fällt er wieder ins Deutsche zurück. „Ich will ja die Sprache lernen“, sagt Jalal bekräftigend mit einem arabischen Akzent. Seine Partnerin Angélique attestiert ihm seit Probenbeginn ein deutlich besseres Deutsch – „wahrscheinlich besser als du es in deinem Deutschkurs hättest lernen können“, sagt sie mit einem Lachen, ihr französischer Akzent ist unüberhörbar. Für sie selbst, seit eineinhalb Jahren in Deutschland, geht mit dem Aufenthalt ein Traum in Erfüllung. Seitdem sie zwölf Jahre alt ist, wollte sie hierher.

Das Theaterstück erzählt eine Trennungsgeschichte. Der Mann muss sein Heimatland verlassen, die Frau bleibt zurück. Das Liebespaar steht stellvertretend für viele entzweite Paare und Familien, so Mando. Auch seine Eltern leben noch in Syrien. Seine eigene Geschichte ist es nicht, doch natürlich flossen Erlebnisse seiner Flucht mit hinein. Wie auch der Titel. Auf der Flucht ließ er seinen Blick immer wieder gen Mond wandern. In Europa entdeckte er, dass der Himmel frei ist, frei von Geschossen.

An einer Schiene werden die Requisiten wie ein Hochzeitskleid oder ein Fenster hineingezogen. Sie kreieren so einen Zeitstrahl. Zwei Stühle komplettieren das minimalistische Bühnenbild.

Die Theateraufführung soll auch aufklären. So hat Préau bis vor kurzem nicht verstanden, warum viele junge Männer allein nach Europa flüchten. „Durch das Stück ist mir das klar geworden“, sagt sie. Jalal ist gar der Meinung, dass dieser Krieg notwendig gewesen ist. „So kann die nächste Generation in Syrien ganz von vorne anfangen“, sagt er „Wie ein Reset“. Er selbst hofft in Europa zu bleiben zu . Philip Baumgarten ist von dem Theaterstück beeindruckt. Durch den Stoff habe auch er eine andere Perspektive kennengelernt. „Es ist wichtig, diese andere Seite zu zeigen“.

Aufführungen am Wochenende


Premiere am 21. Oktober um 20 Uhr im T-Werk in der Schiffbauergasse. Weitere Vorstellungen am 22. Oktober um 20 Uhr und am 23. Oktober um 18 Uhr. Tickets gibt es für sieben Euro unter

Tel. 0331/719139   oder www.t-werk.de

Von Lisa Neumann

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