Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Erich Kissing und Kerstin – Maler und Modell
Nachrichten Kultur Erich Kissing und Kerstin – Maler und Modell
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:10 28.02.2018
Erich Kissing und Kerstin Wentz vor dem Bild Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson 2010-11. Quelle: Dietmar Lilienthal
Anzeige
Rostock

„Eine zeitlose Schönheit mit einer unglaublichen Präsenz und einer wunderschönen Aura“ – so beschreibt Kunsthallenchef Jörg-Uwe Neumann Modell Kerstin Wentz. Sie ist nicht nur die Protagonistin seiner aktuellen Ausstellung, sondern schon seit 1998 das Lieblingsmodell des Leipziger Malers Erich Kissing. Auf 17 Gemälden hat Kissing die zarte und zugleich ausdrucksstarke Frau mit dem makellosen Körper verewigt. Die Rostocker Kunsthalle zeigt derzeit etwa 60 Gemälde des Künstlers und beleuchtet mit der Schau „Erich Kissing und Kerstin“ die besondere Beziehung von Maler und Modell.

Mit Aktmalerei ist Kerstin Wentz vertraut

„Es war Freundschaft auf den ersten Blick“, sagt Erich Kissing. „Meist wird Maler und Modell ja eine Beziehung unterstellt, aber ich bin froh, wenn die Proportionen auf dem Papier stimmen. Mit Erotik hat das nichts zu tun“, sagt er lächelnd. Dass zwischen Künstler und Muse durchaus ein enges Vertrauensverhältnis besteht, zeigen diverse Fotos, die Kissing als Vorlage für seine Gemälde geschossen hat. Sie zeigen Kerstin Wentz nackt in verschiedenen Posen im Leipziger Atelier des Künstlers. Auch Wentz, die studierte Germanistin ist, geht mit der Nacktheit völlig entspannt um. „Mein Papa war selbst Künstler, so dass die Aktmalerei mein Leben begleitet hat. Ich gehe damit ganz offen um“, sagt sie. Meist seien die Reaktionen positiv.

Kissing verhandelt die Beziehung von Mann und Frau

In der Tat ist es kein erotischer Blick, den Kissing auf sein Modell wirft, sondern eher ein bildkompositorischer Ansatz, den er verfolgt. So orientiert sich Kissing beispielsweise für seine Arbeit „Sommertag“ an dem Gemälde „Die Trinker“ von Diego Velázquez, ersetzt die Männer durch Frauen und fügt sich selbst in den Mittelpunkt des Bildes ein. Es ist das Spiel mit der Komposition nackter Körper, mit denen er gleichsam die Beziehung zwischen Mann und Frau verhandelt. Mischwesen, Kentauren oder kuriose Flugapparate bevölkern Kissings surreale Bildwelten.

Kissing, der in Leipzig aufwuchs und dort in den 1960er-Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer studierte, wurde maßgeblich von Tübke geprägt. Eines seiner bekanntesten Bilder, „Leipziger am Meer“ von 1975-79 war bis vor Kurzem in Museum Barberini in Potsdam in der Ausstellung zur DDR-Kunst „Hinter der Maske“ zu sehen. In seinen Kentaurenbildern, die er seit den späten 90er-Jarhen malt, verwandeln sich die wilden, wollüstigen antiken Kreaturen in freundliche und umsorgende weibliche Mischwesen.

Kissings Œuvre umfasst nur 64 Bilder

Erich Kissing arbeitet mit aufwendiger Technik und mit extrem feinem Pinselstrich. Oft sitzt er mehrere Jahre an einem Bild, so dass sein Œuvre mit 64 Bildern durchaus überschaubar ist. Seine Ausstellungen sind selten, der Künstler, der in stiller Abgeschiedenheit arbeitet, zurückhaltend und bescheiden. „Umso mehr freue ich mich, dass wir seine Werkschau hier zeigen und über das Modell Kerstin auch Erich Kissing in den Fokus rücken können“, sagt Kunsthallen-Chef Neumann.

Denn Kerstin Wentz ist nicht nur Kissings Muse: Auch Leipziger Malerkollegen wie Michael Triegel, Leif Borges und Dietrich Wenzel sowie Fotografen wie der DDR-Aktfotograf Günter Rössler und Stefan Hoyer haben das Modell bereits in Szene gesetzt – jeder auf seine ganz eigene Art.

Wentz als Herrscherin der Unterwelt

Bei Leif Borges verschwimmen Traum und Realität zu farbintensiven und symbolbehafteten Bildwelten, Michael Triegel, der seine Arbeiten aus Versatzstücken der Literatur-, Kunst- und Kulturgeschichte kreiert, zeigt Kerstin Wentz als Persephone, Herrscherin der Unterwelt aus der griechischen Mythologie, während Günter Rössler (1926-2012) das Modell einst in Schwarz-Weiß-Aufnahmen skulpturartig aus dem dunklen Hintergrund herausgearbeitet hat.

„Gerade diese unterschiedliche Herangehensweise ist das Spannende an der Ausstellung“, so Neumann. „Meist treten die Modelle hinter den Künstler zurück, hier erzählt Kerstin selbst die Geschichte der Ausstellung.“

Im wirklichen Leben arbeitet Wentz im Marketing

Und das, obwohl die Marketing-Angestellte aus Leipzig, die verheiratet ist und eine Tochter hat, sonst ein eher normales Leben führt und gar nicht gern im Rampenlicht steht. „Für mich ist die Aufmerksamkeit schon ungewöhnlich, aber dennoch ist es ein sehr schönes Gefühl“, sagt Wentz.

Erich Kissing und Kerstin. Kunsthalle Rostock, Di-So, 11-18 Uhr, Eintritt 8 Euro/6 Euro. Bis 1. Mai 2018.

Von Stefanie Büssing

Verdammt lang her. Vor 25 Jahren ging der Jugendsender Radio Fritz auf Sendung. Was damals revolutionär klang ist mittlerweile längst etabliert.

28.02.2018

Der sizilianische Regisseur Luca Guadagnino erzählt in „Call Me by Your Name“ (Kinostart am 1. März) die Geschichte, wie sich Elio in Oliver verliebte. Ein Film voller Sommer, genau richtig, um die kalte Jahreszeit zu verabschieden und sich auf die Sonne zu freuen.

28.02.2018
Kultur Klaus Staeck wird 80 - Plakat-Kunst für die Demokratie

Kunst gegen den „Übermut der Starken“: Klaus Staeck kommentiert und provoziert mit seinen Plakaten seit rund 50 Jahren die Politik. Er produziert „Demokratiebedarf“, sagt er. Am 28. Februar wird er 80 Jahre alt.

28.02.2018
Anzeige