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Ernst Barlach und Jorge Rando in Zehdenick

Ausstellung Ernst Barlach und Jorge Rando in Zehdenick

Neoexpressionismus trifft auf Expressionismus. Die Klostergalerie Zehdenick im Landkreis Oberhavel zeigt Arbeiten von Ernst Barlach und Jorge Rando. Eine gelungene Gegenüberstellung zweier großer Künstler.

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„Frau im Wind“ von Ernst Barlach aus dem Jahr 1931 und eine 2007 entstandene Landschaft in Öl von Jorge Rando.

Quelle: Fotos: Bernd Boehm

Zehdenick. Das ist geballte Zivilisationskritik, die in den kommenden Monaten in der Klostergalerie Zehdenick (Oberhavel) zu sehen sein wird. Kritik an einer blind fortschrittgläubigen Moderne – und das mit den Mitteln der Kunst von Vertretern zweier Künstlergenerationen, die rund 70 Jahre auseinanderliegen. Klassischer Expressionismus trifft auf zeitgenössischen Neoexpressionismus: „Ernst Barlach – Jorge Rando. Mystiker der Moderne“, so der Titel der sehenswerten Ausstellung. Sie zeigt 23 Skulpturen Barlachs aus den ersten drei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und 30 meist großformatige Gemälde des Spaniers Jorge Rando. Es ist eine etwas reduzierte Version der Schau, die zuvor bereits in Barlachs Geburtsstadt Wedel (Schleswig-Holstein) und in Emden (Niedersachsen) zu sehen war.

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Expressionismus pur: die Gegenüberstellung des deutschen Bildhauers Ernst Barlach mit dem spanische Maler Jorge Rando in der Klostergalerie Zehdenick. Hier eine kleine Auswahl.

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Ernst Barlach ist ein Klassiker. Immer wieder gezeigt, immer wieder neu gesehen. „Mir ist er in meinem Leben so häufig begegnet“, sagt auch Jörg Zieprig, seit 17 Jahren verantwortlich für das Programm in der Kulturscheune. Kein Wunder, denn Zieprig stammt aus Magdeburg, wo im Dom eines von Barlachs berühmten Ehrenmalen gegen den Krieg zu finden ist – eine leidenschaftliche Anklage der Gewalt angesichts der Katastrophe des Ersten Weltkrieges. 1929 installiert, 1934 auf Druck der Kirchengemeinde eingemottet und erst 1955 wieder aufgestellt.

Kleine Arbeiten von Barlach

In Zehdenick sind nur sehr kleine Arbeiten des Altmeisters der expressionistischen Plastik zu sehen, kaum größer als 40 Zentimeter. Wie zum Beispiel der 1920 entstandene „Flüchtling“. Mit langem Schritt ist er unterwegs, die Schultern unter einem Umhang ängstlich eingezogen. Nur zwei Hände, die offenbar versuchen, das wenige Hab und Gut darunter zusammenzuhalten, und das Gesicht sind richtig zu sehen: zwei suchende Augen und eine Nase, die den Weg weißt. Die ganze Figur eine einzige Bewegung. Sie steht oben auf der Galerie der Klosterscheune und wirkt wie auf dem Sprung über die Balustrade.

Neoexpressionismus trifft Expressionismus

Ernst Barlach (1870-1938) ist als Bildhauer, Zeichner und Schriftsteller einer der bekanntesten Vertreter des deutschen Expressionismus. Die Erfahrung des 1. Weltkrieges machte ihn zum engagierten Kriegsgegner, was sich auch in seinem Werk niederschlug. Berühmt sind Ehrenmale für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg in Magdeburg und Güstrow.

Jorge Rando (76) gehört zu den bedeutendsten Vertretern des Neoexpressionismus in Spanien. Der Maler und Bildhauer lebt in Málaga und Hamburg.

Die Ausstellung wird am Sonnabendnachmittag von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und der María Victoria Morere Villuendas, der Botschafterin Spaniens in Deutschland eröffnet.

Barlachs Arbeiten bestechen in der Tat noch immer durch ihre nach außen gekehrte Innerlichkeit. Durch den gelungenen Versuch, Emotionen sichtbar zu machen. Die existenzielle Angst des „Bettlers“, die Versunkenheit des „Flötenbläsers“, der völlig in sich gekehrt sein Instrument bedient, die Skepsis im Gesicht der „Frau im Wind“.

Barlach war mit solchen Figuren auf der Suche nach den grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz, nach dem tieferen Sinn des Daseins. Insofern war er ein Mystiker, der nach dem Eigentlichen des Menschseins strebte, das er durch die Technikbegeisterung und den Materialismus der Industriegesellschaft seiner Zeit als verstellt ansah. Und Barlach war ein Romantiker, der an eine unberührte Natürlichkeit des Menschen glaubte, wie er sie bei seinen Reisen durch Südrussland 1906 in einer hoffnungslos verarmten Bevölkerung zu finden glaubte. Von dort stammen viele der Motive, die nun in Zehdenick zu sehen sind.

Jorge Randos neuer Spiritualismus

Ein Romantiker ist in gewisser Weise auch Jorge Rando. Der 76-Jährige steht für eine neue christliche Spiritualität und gehört zu den bekanntesten Vertretern der Gegenwartskunst in Spanien. Mit seinen farbmächtigen Ölgemälde thematisiert er das schrittweise Verschwinden der Natur unter dem gnadenlosen Zugriff des Menschen. Seine Bilder tragen selten Titel, sondern sind nur größeren thematischen Zyklen zugeordnet. Die meisten Arbeiten, die in Zehdenick zu sehen sind, gehören zu dem Zyklus „Vertikale Horizonte“ und stammen aus den vergangenen zehn Jahren.

Rando, übrigens Barlach-Preisträger des vergangenen Jahres, beschränkt sich dabei auf eine abstrakte Formensprache. Seine Landschaften wirken wie Farbblitze, deuten Horizonte an, die Himmel und Landschaft ineinanderschießen lassen. Gelegentlich drohen, die meist durch satten Farbeinsatz erzeugte Naturgewalten hinter grauen schleierhaften Schlieren zu verschwinden. Melancholie paart sich mit Empörung.

Eine geglückte Konstellation

Barlach und Rando – das ist eine geglückte Konstellation. Farbe trifft Bronce, Malerei auf Skulptur, das gegenwärtige auf das vergangene Jahrhundert. Gelungen ist auch das Arrangement von Kuratorin Heike Stockhaus von der Ernst Barlach Gesellschaft in Hamburg. Die Kunstwerke korrespondieren, ihre Urheber treten in einen Dialog miteinander. In ihrer fundamentalen Kritik an der Moderne sind sie sich einig.

Ernst Barlach – Jorge Rando. Mystiker der Moderne. Klostergalerie Zehdenick. Am Kloster. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Bis 14. Januar 2018.

Von Mathias Richter

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