Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Erste Auswirkungen der Führungskrise
Nachrichten Kultur Erste Auswirkungen der Führungskrise
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:04 31.05.2018
Der kommissarische Chef in Cottbus: René Serge Mund. Quelle: dpa
Cottbus

Die Führungskrise am Staatstheater Cottbus hat erste Auswirkungen auf das Programm des Hauses. Die geplante Aufführung von Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ kann nach dem Abgang von Intendant Martin Schüler vorerst nicht aufgeführt werden. „Dieses Werk erfordert ein hohes Maß an Personal und bringt große Anforderungen an die Sänger mit sich“, sagte die erste Musikdramaturgin des Theaters, Carola Böhnisch am Donnerstag bei der Vorstellung des Programms für die kommende Saison in Cottbus. Das ist unter den derzeitigen Bedingungen offenbar nicht mehr zu schaffen. Konzipiert worden war die Aufführung noch von Schüler, der nach bekanntgewordenen Mobbingvorwürfen gegen Generalmusikdirektor Evan Alexis Christ im vergangenen Monat zurückgetreten war.

„Der fliegende Holländer“

Wagner wird es in der kommenden Saison trotzdem geben. Im Mai kommenden Jahres wird „Der fliegende Holländer“ unter der musikalischen Leitung von Alexander Merzyn Premiere feiern. Der wird künftig häufiger ran müssen, nachdem Christ beurlaubt wurde und das Theater verlassen soll. Wie schnell er abgelöst werden kann, dafür ist seit vergangener Woche René Serge Mund zuständig. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler und erfahrene Kulturmanager wurde vom Brandenburgischen Kulturministerium als Geschäftsführender Direktor installiert, nachdem Martin Roeder für die Zustände am Theater zur Verantwortung gezogen und vor die Tür gesetzt worden war.

Der neue Chef setzt auf Vertrauen

Wie es in Cottbus nun weitergehen soll, ist derzeit noch ziemlich unklar. Mund, der bereits zwischen 1992 und 1996, sowie 2005 bis 2012 Geschäftsführender Direktor am Theater war, will sich auf nichts festlegen lassen. Nur soviel: Er habe „absolutes Vertrauen in die künstlerischen Fähigkeiten des Ensembles“. Es werde nach seiner Einschätzung etwa ein bis zwei Jahre dauern, bis das Theater wieder in ruhigem Fahrwasser angekommen sein wird. Bis dahin soll ein neuer Intendant gefunden und die Stelle des Generalmusikdirektors neue besetzt werden. Einschneidende Veränderungen plane er nicht, erklärte Mund.

Doch die werden vor allem von der Belegschaft gefordert. Nach den demütigenden Szenen, die es vor allem mit Generalmusikdirektor Christ gegeben hatte, fordern sie mehr Mitsprache. Eine Teilnahme des Personalrats an den Sitzungen des Stiftungsrates der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder), unter deren Dach das Theater angesiedelt ist, haben sie bereits mit Zustimmung des Kulturministeriums durchgesetzt. Dem Vernehmen nach will die Belegschaft nun auch bei der Auswahl ihrer neuen Chefs ein Wörtchen mitreden.

Schauspieldirektor Jo Fabian geniest die „Krise“

Schauspieldirektor Jo Fabian findet das auch ganz in Ordnung. „Alle reden hier von Krise, dabei ist das die Chance, eine Alternative zum längst überholten Intendantenmodell zu entwickeln“, sagte er gestern. Einschneidende Strukturveränderungen kämen nun mal häufig von unten. Dass dem Theater, mit Ausnahme von Mund, die komplette Führungsetage fehlt, dieser Situation kann der Regisseur, der erst seit einer Saison in Cottbus als Schauspieldirektor arbeitet, durchaus etwas abgewinnen. „Ich finde, dieser Zustand kann gar nicht lange genug andauern“, so Fabian.

15 Premieren geplant

Das Publikum wird vorerst zumindest wenig davon mitbekommen. Für die kommende Spielsaison sind in Cottbus immerhin 15 Premieren in Arbeit. Darunter sind Klassiker wie Schillers „Kabale und Liebe“, Hauffs „Kaltes Herz“, Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ und eine Bearbeitung von George Orwells Dystopie „1984“. Außerdem sind allein im Großen Haus des Theaters acht philharmonische Konzerte geplant. Bei fünf Aufführungen ist allerdings noch unklar, wer das Orchester des Hauses dirigiert. Der fehlende Generalmusikdirektor macht sich wohl doch bemerkbar.

Von Mathias Richter

Eine Lesung als Show: Otto Waalkes war am Fronleichnamsvorabend (30. Mai) in der Braunschweiger Buchhandlung Graff. Und brachte sich als König der Comedy in Erinnerung.

31.05.2018

Schrulliges aus England:In der Komödie „Tanz ins Leben“ (Kinostart am 31. Mai) liegen Lebenslust und Tod ganz nah beieinander.

31.05.2018
Kultur Kunsttempel stellt Jahresprogramm vor - Staffelübergabe im Nikolaisaal

Am 1. September wechselt die Führungsriege im Potsdamer Nikolaisaal. Doch bis dahin will Andrea Palent, Chefin des Hauses seit der Eröffnung vor 19 Jahren, noch einmal Vollgas geben. Am Mittwoch wurde das neue Jahresprogramm präsentiert.

30.05.2018