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Kultur „Es“ – Vorsicht, bissiger Clown!
Nachrichten Kultur „Es“ – Vorsicht, bissiger Clown!
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00:00 27.09.2017
Guckt aus der Röhre: Pennywise (Bill Skarsgard) schwebt in den Kanälen der Stadt und lässt Kinder verschwinden. Eine Gruppe von Freunden nimmt den Kampf mit ihm auf. Quelle: Warner
Hannover

Komödie gilt – zu Unrecht – als niedere Kunst. Deshalb sind Komödianten – lebenslang von Selbstzweifeln geplagt – jenseits ihrer Bühne oft schwierige Zeitgenossen, griesgrämig und zornig. Weshalb sie sich gern auch hinter Masken verstecken, deren vertrauteste die des Clowns ist. Das lustige Buntgesicht ist längst als doppelbödiges Wesen erkannt – besungen wurden seine Einsamkeit, seine Tränen, sein Tod. Bei Stephen King ist Bob Gacy alias Pennywise alias „Es“ ein raubtierhaftes, durch und durch selbstbewusstes Wesen, eins, das aus einer anderen Dimension kommt und das es auf Kinder und Jugendliche abgesehen hat. Pennywise, Urbild aller Horrorclowns von heute, wurde 1990 schon einmal in einen Film gesteckt. Der Argentinier Andy Muschietti macht’s 2017 besser.

Die sieben Samurai von der Verliererstraße

Eine Gruppe von zwölf- bis 13-jährigen Herumgeschubsten entdeckt, dass 1989 etwas falsch läuft in ihrem idyllischen Städtchen Derry am Kenduskeag River. Die Erwachsenen sind reizbarer als sonst, Kinder verschwinden. So auch der kleine George Denbrough, der mit einem paraffinversiegelten Papierbötchen im Regen auf Gossentour ging und nie mehr zurückkam. Sein Bruder Bill (Jaeden Lieberher) gibt die Suche auch im nächsten Sommer noch nicht auf.

Bills Freunde, die Brillenschlange Richie (Finn Wolfhard), der Asthmatiker Eddie (Jack Dylan Grazer) und der glücklose Thoraschüler Stanley (Wyatt Oleff) helfen ihm - mit dem schwarzen Schlachterjungen Mike (Chosen Jacobs), dem dicken Neuen in der Stadt Ben (Jeremy Ray Taylor) und der als Schlampe verschrieenen, von ihrem Vater missbrauchten Beverly (Sophia Lillis) sind die glorreichen sieben Loser komplett. Sie stoßen auf ein Monster in Clownsgestalt, das im Folgenden allerhand schockierende Auftritte hinlegt. Und machen all die Fehler, die Horrorfilmpersonal zur Spannungssteigerung so macht, was man ihnen aber verzeiht, weil sie annähernd so liebenswert sind wie damals das Jungsquartett aus Rob Reiners unvergleichlich schöner und wahrhaftiger King-Verfilmung „Stand by Me“. Sophia Lillis wirkt mit ihrem natürlichen Charme wie die junge Shirley MacLaine. Man sieht dieser Freundschaft gerne zu. Auch ohne Monster.

Pennywise verhält sich komischerweise schrecklich unklug

Das Böse ist seit je am wirkungsvollsten, wenn es ein Spieler ist, wenn es seine Mäuschen auch mal laufen lässt, bevor es zuschnappt. Pennywise (Bill Skarsgard) aber – mit wahrhaft andersweltigen Zahnreihen bestückt – scheint lieber zu bellen als zu beißen. So oft lässt er Gelegenheiten aus, die ihn bedrohende Siebenerkraft mit einem Happs zu brechen, dass er sich geradezu als Achter für die Verlierertruppe empföhle. Erst spät lässt den Zuschauer ein überraschter Blick des Ungeheuers ahnen, dass irgendeine gute höhere Macht mit „Stotter-Bills“ Truppe im Bunde stehen könnte.

Muschietti hat Kings Tausendseiter klugerweise geteilt, die Story von den Dion-&-the-Belmonts-Zeiten in die New-Kids-on-the-Block-Ära verlegt und ordentlich auf die Horrortube gedrückt. Unterhaltsam ist das, wenngleich nicht sonderlich subtil. Auch diesmal ist es Hollywood nicht wirklich gelungen, den kriechenden, hundsgemeinen Grusel des besten aller King-Romane auf die Leinwand zu übertragen. Je öfter man Pennywise sieht, desto weniger ist einem bange. Vor dem Clown des Buchs hatte man dagegen bis zum Schluss Muffensausen. Oweh, oweh, er wird doch bitte nicht schon wiederauftauchen, wenn ich jetzt umblättere! Eine muntere Schockeria à la „Poltergeist“ ist „Es“ trotzdem geworden.

Die Kämpfer wider das Böse müssen noch mal ran

Alle 27 Jahre – bekanntermaßen die Lebensspanne der kultigsten Rockstars – kommt das Grauen seit Ewigkeiten nach Derry. Der Riesenerfolg von „Es“ in den USA wird Bill und seine Bande (wie im Buch) noch einmal nach Derry zurückholen, mit dem Handicap, dass sie als Erwachsene magische Wesen nicht mehr recht wahrnehmen können. Zwar ist der Enid-Blyton-Charme von „Sieben Freunde im Horrorland“ dann dahin, dennoch dürfte „Es 2“ der interessantere Film werden. Freilich nicht für Zirkusbetriebe und Partyclowns.

Von Matthias Halbig / RND

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