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Kultur Fakten und Mythen zum Reformationstag
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17:49 31.10.2015
Denkmal des Reformators Martin Luther in Lutherstadt Eisleben. Quelle: dpa
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Potsdam


Mutig, zornig und entschlossen: Eigentlich wollte Martin Luther lediglich die katholische Kirche erneuern und dem Ablasshandel, mit dem sie ihren Gläubigen weismachen wollte, sie könnten sich dadurch von ihren Sünden freikaufen, ein Ende setzen, als er am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg anschlug. Er brachte damit einen Stein ins Rollen – dieses Ereignis löste die Reformationsbewegung in Deutschland aus. Und gilt hier als Geburtsstunde der evangelischen Kirche. Hier einige Fakten und Mythen zu Luther und dem Reformationstag:

Der junge Luther und die Folge eines Gewitters

Der am 10. November 1483 in Eisleben geborene Martin Luther stammte aus einer Bergarbeiterfamilie und besuchte die Magdeburger Domschule. 1501 ging er an die Erfurter Universität und wurde nach einem Grundstudium Jura-Student. Ein Gewitter, in das er am 2. Juli 1505 geriet, als er auf dem Rückweg vom Besuch bei seinen Eltern nach Erfurt war, wurde zu einem Einschnitt in seinem Leben. Voller Todesangst, als ein Blitz in seiner Nähe einschlug, soll er gefleht haben: „Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!“ Im Unwetter gerettet, wurde er bald darauf tatsächlich Mönch im Erfurter Augustinerorden. Und 1507 Priester. Er studierte an der Uni Wittenberg Theologie, war 1510/11 auf einer ausgedehnten Romreise und dort geschockt über den Sittenverfall. Ab 1512 hielt er als Universitätsprofessor theologische Vorlesungen in Wittenberg.

Das Turmerlebnis

Im Turm des Erfurter Klosters soll Katholik Luther ein besonderes Erlebnis gehabt haben. Im Römerbrief des Apostels Paulus stieß er auf jene Stelle, dass die Gerechtigkeit Gottes auch die Unzulänglichkeiten eines Sünders vergibt. Nur der Glaube führe zu Gottes Gnade. Also nicht der Ablasshandel, wie er seinerzeit üblich war. Luther war überzeugt, Erlösung von den Sünden ließ sich nicht kaufen. Für ihn war einzig die Bibel die Grundlage des Glaubens.

Der Thesenanschlag an die Wittenberger Schlosskirche

In einem Brief sandte Luther seine 95 Thesen, in denen er vor allem den Ablasshandel anprangerte, etlichen geistlichen Würdenträgern und Bischöfen des Reiches zu. Als von ihnen darauf keine Reaktion kam, soll er sie am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen haben – in lateinischer Sprache. Ihm lag es daran, eine akademische Debatte zu entfachen. Stattdessen war dieses Ereignis der Beginn einer religiösen Revolte gegen die damalige Kirchenpolitik. Seine Ansichten diskutierte er mit angesehenen Theologen wie Kardinal Cajetan und Johannes Eck. Der Mainzer Kardinal Albrecht zeigte Luther beim Papst als Ketzer an.

Denkmal für Martin Luther in Lutherstadt Wittenberg. Quelle: dpa

Bann und Verhör

1520 drohte die Kirche Luther mit dem Bann. Dessen Reaktion: seine Schrift „An den christlichen Adel der Nation“. Vom Papst bekam er ein Schreiben, furchtlos verbrannte Luther es in aller Öffentlichkeit. Von Kaiser Karl V. wurde er 1521 nach Worms beordert. Vor dem dortigen Reichstag, wo sich die deutschen Fürsten versammelten, wurde er verhört. Der mutige Luther war nicht bereit, seine Ansichten zu widerrufen, solange diese nicht durch die Bibel wiederlegt würden. Er bestritt auch den Führungsanspruch des Papstes. Einige Luther gewogene Landesfürsten verließen aus Protest die Versammlung. Konsequenz von Luthers Standhaftigkeit: Über ihn wurde die Reichsacht verhängt. Das hieß: Er war nun vogelfrei.

Luther auf der Wartburg in Eisenach

Luthers Landesherr, Kurfürst von Sachsen Friedrich der Weise, wollte Luther schützen. Und griff zu einer List: Seine Soldaten überfielen ihn und brachten ihn klammheimlich auf die Wartburg in Eisenach. Dort war er von Mai 1521 bis März 1522. In diesem Versteck übersetzte er das Neue Testament, später auch das Alte Testament, ins Deutsche. In seiner Kammer auf der Burg soll er sein Tintenfass nach dem Teufel, der ihm beim Studieren der Bibel erschien, geschmissen haben. Was einen schwarzen Fleck an der Wand hinterließ.

Rückkehr nach Wittenberg

Im Jahre 1522 kehrte Luther nach Wittenberg zurück. Und warb weiterhin für seine Reformen. Er veröffentlichte einen großen und kleinen Katechismus, schrieb Kirchenlieder. Mit Katharina von Bora, sie war einst Nonne, hatte Luther sechs Kinder. Am 18. Februar 1546 starb er in Eisleben.

Der Ablasshandel und der Luxus von Papst Leo X.

Eine Kirchenspaltung schwebte Luther mit dem Anschlag seiner 95 Thesen an Wittenbergs Schlosskirche nicht vor. Er beabsichtigte die Erneuerung der katholischen Kirche. Er wetterte vor allem gegen den Ablasshandel. Zu seiner Zeit – im 16. Jahrhundert – waren viele Menschen überzeugt, dass es Teufel und Hexen gibt. Die katholische Kirche nutzte die Furcht der Gläubigen aus und handelte mit Ablassbriefen. Es hieß, wer so einen erwirbt, könne sich damit von seinen Sünden freikaufen. Luther war erzürnt über dieses betrügerische Vorgehen der Kirche. Auch darüber, dass der Papst in Saus und Braus lebte, derweil viele im Volk bitterarm waren. So finanzierte sich Leo X. Ausschweifungen und üppige Bankette. Da sollen zum Beispiel Vögel aus Pasteten geflogen sein. Auch war Luther ein Dorn im Auge, dass man kirchliche Ämter kaufen konnte.

Reformation – ab 1555 zwei Kirchen

Luther gab mit seinem Thesenanschlag einen wichtigen Anstoß zur Reformation. Er gilt auch als Geburtsstunde der evangelischen Kirche in Deutschland . Schon in der Zeit, als er als „Junker Jörg“ auf der Wartburg untergetaucht war, taten sich Vertreter aller Stände – vom Bauern bis zum Adel – im Kampf gegen die Papstkirche zusammen und beriefen sich auf Martin Luther. 1530 verhandelten Philipp Melanchton und andere reformatorische Vertreter auf dem Reichstag in Augsburg um die Anerkennung des protestantischen Glaubens. 25 Jahre später wurde der „Augsburger Religionsfrieden“ beschlossen. Fortan existierten in der westlichen Hemisphäre zwei große Kirchen: neben der römisch-katholischen nun auch die Lutheraner. Später nannten sie sich evangelisch. Es war aber noch ein langer Weg zur wirklichen Religionsfreiheit. Karl V. führte 1546/47 gegen die evangelischen Fürsten den Schmalkaldischen Krieg, von 1618-1648 folgte der Dreißigjährige Krieg. Viele Länder Deutschlands blieben evangelisch.


Ein Tag zum Gedenken

Den Reformationstag gibt es in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert. Bis 1921 war in Thüringen an diesem Datum bereits ein staatlich anerkannter Feiertag. Zu DDR-Zeiten wurde er bis 1966 in den meisten Bezirken begangen. Seit der Wiedervereinigung ist in den ostdeutschen Ländern Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern am 31. Oktober arbeitsfrei. In Niedersachsen dürfen sich evangelische Kinder vom Unterricht freistellen lassen, wenn sie zum Gottesdienst wollen. Zum 500. Jubiläum der Reformation 2017 ist der 31. Oktober nun zumindest einmalig bundesweit ein gesetzlicher Feiertag.

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