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Ferdinand Möhring – fast vergessen

Komponisten-Jubiläum Ferdinand Möhring – fast vergessen

Mendelssohn Bartholdy, Liszt und Wagner – das frühe 19. Jahrhundert bescherte den Musikliebhabern viele Stars. Doch kaum jemand erinnert sich an den am 18. Januar 1816 geborenen Komponisten Ferdinand Möhring. Der Sohn der Stadt Alt Ruppin (Ostprignitz-Ruppin) wurde für seine Stücke, die er für Männerchöre schrieb, bekannt – ein talentierter Tonsetzer.

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Das Möhringdenkmal in Alt Ruppin.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Das frühe 19. Jahrhundert bescherte der Musikwelt fast jährlich neue Berühmtheiten. Felix Mendelssohn Bartholdy, geboren 1809, komponierte Meisterwerke der Romantik. Franz Liszt, geboren 1811, erspielte sich als rastloser Klaviervirtuose Weltruhm. Richard Wagner, geboren 1813, setzte Bayreuth auf die Weltkarte der Musik, was manche bis heute verzückt, andere schaudern lässt. Sie alle wirken noch immer nach. Bloß der am 18. Januar 1816 in Alt Ruppin geborene Ferdinand Möhring lässt selbst Musikinteressierte mit den Achseln zucken.

Männergesang für die Schönheit des Vaterlands

„Die anderen haben in Musikbereichen gearbeitet, die heute hoch angesehen sind“, sagt Martin Loeser. Der Musikwissenschaftler der Universität Greifwald hat sich eingehend mit dem vergessenen Komponisten befasst, der in seiner Zeit durch Lieder für Männerchöre bekannt wurde. Chorgesang, der der Schönheit des Vaterlandes huldigt – spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg kein Genre, das in Deutschland Euphorie weckt. Wer sich aber näher mit Möhrings Werk auseinandersetzt, entdeckt einen vielseitig talentierten Künstler.

Prägende Begegnung mit Chopin

Der Vater, ein Tischler, hätte aus seinem Sohn am liebsten einen Baumeister gemacht. Doch Möhring brach die Lehre ab, studierte später an der Berliner Akademie der Künste. Rasch kam er mit Berühmtheiten seiner Zeit in Berührung. Bereits 1838 komponierte er eine Sinfonie, die der Kapellmeister Mendelssohn Bartholdy im Leipziger Gewandhaus uraufführte. Möhring selbst zog es Anfang der 1840er-Jahre nach Saarbrücken. Dort schrieb er in einer Zeit, in der der Hass auf Frankreich zur Grundausstattung deutscher Bürgerlichkeit gehörte, ein Lied namens „Goldene Bremm“ – eine Ode auf die Schönheit des deutsch-französischen Grenzgebiets. Der wissbegierige Komponist reiste nach Paris und lernte den Ausnahme-Pianisten Frédéric Chopin kennen.

Musikexperte ohne künstlerisches Umfeld

Solche Begegnungen wird er später vermisst haben. Es verschlug ihn für drei Jahrzehnte als Musikdirektor zurück nach Neuruppin. „Dort war er der einzige musikalische Fachmann seiner Klasse, ihm fehlte das künstlerische Umfeld“, sagt Möhring-Experte Martin Loeser über den Musiker, der seinen Lebensabend in dem von vielen berühmten Persönlichkeiten bewohnten Wiesbaden verbrachte. Seine Vielseitigkeit geriet zwischenzeitlich in den Hintergrund. Möhrings Talent, eingängige Lieder zu komponieren über die Liebe und die Sehnsucht nach der Einheit des deutschen Flickenteppichs aus Einzelstaaten, machte ihn sehr vermögend. Neben dem Einkommen als Musikdirektor und Lehrer erhielt er Geld von Musikverlagen, die seine Lieder vertrieben. Selbst in den USA ernannten deutsche Auswanderer den Alt Ruppiner zum Ehrenmitglied ihrer Chöre. Überall im deutschen Sprachraum gründeten sich Mitte des Jahrhunderts Männerchöre „Es trafen sich tausende Sänger und 10.000 Zuschauer“, sagt Martin Loeser. Beim großen Deutschen Sängerfest 1861 in Nürnberg dirigierte Möhring sogar.

Szenisches Konzert erinnert an talentierten Tonsetzer

Ganz so viel Trubel ist bei dem Konzert zu Ehren des vor 200 Jahren geborenen Komponisten am Samstag ab 18 Uhr in der Neuruppiner Kulturkirche nicht zu erwarten. Aufwändig war die Vorbereitung dennoch. Der Möhring-Chor Alt Ruppin, andere Chöre aus der Region und das Vokalensemble „Ferdinand“ aus Greifswald haben sich Stücke von Möhring und andere aus seiner Zeit einstudiert. Eine späte Ehre für einen fast vergessenen Sohn der Stadt.

Von Maurice Wojach

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