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Kultur Festival Intersonanzen in Potsdam
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19:09 26.10.2017
Festivalleiter Thomas Gerwin Quelle: Foto: Privat
Potsdam

Für Klänge und Geräusche hatte Thomas Gerwin schon als Kind ein Faible. Ihn interessierte der Sound der Gegenstände, von denen er umgeben war. Bei seinen Klangexperimenten hat er entdeckt, dass Topfdeckel, Heftseiten und Münzen nicht einfach nur scheppern, rascheln und klimpern, sondern dass zu jedem Objekt ein kleiner Klangkosmos gehört.

Gerwin ist der neue künstlerische Leiter des Brandenburger Festivals für neue Musik, Intersonanzen, das in diesem Jahr unter dem Motto „Zwischen.Töne“, das von morgen bis Sonntag im Potsdamer Kunstaus „Sans Titre“ stattfindet. Elektronik ist für den aus Kassel stammenden studierten Flötisten, Gitarristen und Musikwissenschaftler „kein Fetisch, sondern nur ein sehr starkes Instrument“, sagt Gerwin: „Die Klänge der wirklichen Welt sind viel reicher, viel interessanter.“Die elektroakustischen Mittel setzt der 62-Jährige ein, wenn er zum Beispiel einen Gebirgsbach, dessen Rauschen er vorher mit einem Mikrofon vor Ort aufgenommen hat, durch den Konzertsaal fließen lassen möchte, wenn Klänge von links nach rechts wandern sollen oder er mit der Akustik eines Raumes spielen will. Beim Komponieren betrachtet und behandelt er Klänge als Lebewesen: „Sie werden geboren, verbringen eine gewisse Zeit an bestimmten Orten und sterben dann. Liebend gern bilden sie soziale Organismen“, sagt Gerwin.

Ausstellung über Klang und Raum zur Eröffnung

Die soziale Dimension interessiert Thomas Gerwin ganz besonders. Deshalb hat er zusammen mit dem Intersonanzen-Team als Festival-Motto „Zwischen.Töne“ gewählt. Zwischentöne prägen und beeinflussen das Zusammenleben von Menschen in einer sozialen Gemeinschaft, und auch in der Musik spielen Zwischentöne eine nicht zu unterschätzende Rolle. In den insgesamt elf Veranstaltungen des Festivals wird das Motto auf ganz unterschiedliche Weise unter die Lupe genommen. Dafür sorgen Musiker und Klangkünstler aus Brandenburg, die sich jeweils mit einem speziellen Aspekt des Gesamtthemas beschäftigt haben. Ob es ihnen gelingt, mit ihren Werken „das Publikum zum Zuhören zu verführen“, wie Gerwin das von einem guten Komponisten erwartet, wird sich bei den knapp 30 Uraufführungen zeigen.

Eröffnet wird das Festival mit der Ausstellung „Klang im Raum“, wo die Besucher zwischen Landschaften aus klingenden und audiovisuellen Werken umherwandern und dabei erfahren können, wie sich die verschiedenen Klänge durchdringen, gegenseitig beeinflussen und dadurch immer wieder anders wahrgenommen werden. Diese Klänge werden später in der Veranstaltung „Köper-Kontakt“ (Sonntag, 16.00 Uhr) durch „Audio-Ballerinas“ aus der Ausstellung geholt, am anderen Ort vor den Ohren des Publikums transformiert, dann wieder zurückgebracht und mit den originalen Klängen der Ausstellung konfrontiert. So werden die Klänge zu einer akustischen Brücke zwischen Innen und Außen. Das ist durch kleine Sampler möglich, die sich in den Plexiglas-Tutus der Performer befinden – eine Idee des US-amerikanischen Klangkünstlers Benoit Maubrey, der seit 1990 in Baitz (Potsdam-Mittelmark) wohnt.

Der Prozess der Klangwerdung im Konzertsaal

Ein Konzert mit reduzierten Zwischentönen steht unter der Überschrift „Komponisten-Performer“ (Sonntag, 12.00 Uhr). Weil die Komponisten da ausschließlich eigene Klavier-Werke spielen, erübrigt sich die Auseinandersetzung eines fremden Interpreten mit den Absichten des Komponisten und dieser Zwischenschritt auf dem Weg vom Kopf des Komponisten bis zur Klangwerdung im Konzertsaal entfällt. Viele Zwischentöne entstehen sicherlich beim Tele-Konzert (Sonntag 24.00 Uhr), wenn Künstler in Potsdam und Künstler in Toronto via Internet miteinander kommunizieren und musizieren. Die große Entfernung, die unterschiedlichen Tageszeiten und die leichte Zeitverzögerung der audiovisuellen Übertragung wirken sich auf das Simultan-Konzert aus. Eine besondere Konzertform, die bei Intersonanzen erstmals zu erleben ist. Neu im Konzept sind auch die kurzen Gesprächsrunden, in denen Künstler und Publikum in einen Dialog treten können und in denen es „nicht unbedingt um eine Erklärung, sondern eher um eine Vertiefung des Erlebten“ (Gerwin) gehen soll.

Intersonanzen. Brandenburgisches Fest der Neuen Musik 2017, 27.- 29. Oktober in Potsdam, Kunsthaus sans titre, Französische Straße 18. Details unter www.neue-musik-brandenburg.de, Kartenreservierung unter info@neue-musik-brandenburg.de

Von Imke Griebsch

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