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Fettes Brot machen auf dicke Hose

Show im Berliner Tempodrom Fettes Brot machen auf dicke Hose

Die drei Hamburger sind etwas in Vergessenheit geraten, beim Konzert im Berliner Tempodrom aber machen Fettes Brot ziemlich viel richtig. Der Wald wird zur Bühne, davor schummelt sich eine Wand, die aussieht wie das eigene Plattenregal. Und dann wären das noch vertraute Freundinnen von einst: „Emanuela“, „Bettina“ und „Schwule Mädchen“.

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Fettes Brot.

Quelle: Jens Herrndorff

Berlin. Dass sie ihre Hits noch ertragen, verdanken Fettes Brot vor allem sich selbst. Am Dienstagabend im Berliner Tempodrom variieren sie „Emanuela“ mit Techno, sie rappen „Erdbeben“ auf einem gewaltigen Trommelwirbel und „Nordisch by Nature“ unter anderem zur Musik von „Ghostbusters“. Die Fans sind vor allem für die in alterprobter Schmunzelmanier getexteten Gassenhauer gekommen. Und trotzdem streuen die drei Hamburger, was sie links und rechts vom Partysound noch so drauf haben geschickt ein.

Tatsächlich wäre der deutsche Hip Hop vor lauter peinlicher Gangsta-Attitüde einiger Banausen wohl im Bierernst verrottet, hätten sich nicht Alligatoah, Kraftklub und andere auf das Besondere von einst besonnen: Selbstironie, Melodien, unbändige Lust an Sprachspielereien. Fettes Brot sind Baumeister dieser Spielart der Rap-Historie seit sie mit ihrem Debüt-Album „Auf einem Auge blöd“ vor 20 Jahren durchstarteten. Manche Weggefährten sind verschwunden, Deichkind erfanden sich neu, die Fantastischen Vier haben sich dem Radio-Pop mit Sprechgesang verschrieben. Fettes Brot liegen irgendwo dazwischen. Zuletzt aber sind sie damit gescheitert. Ihr aktuelles Album „Teenager vom Mars“ ist sehr bemüht, aber frei von Hits und Pointen. Songs wie „Ganz schon Low“ und „Gegenmodell“ sind arg auf Gesellschaftskritik getrimmt und so locker wie ein Wadenkrampf.

Doch wenn die Brote mit Band und DJ ihre Show starten, gerät jeder Flop in Vergessenheit. Weil es einfach Spaß macht, den drei Jungs gebliebenem über 40-Jährigen beim Schnacken zu – mal mit und mal ohne Musik. Sie variieren sich durch ihr eigenes Werk, auch „Jein“, der Anti-Sexismus-Song „Bettina“ und das im rappelvollen Tempodrom heftigst umjubelte „Schwule Mädchen“ kommen vor. Putzig bis rührend ist es, als die drei Rapper in „Für immer Immer“ nach der Textzeile „Ich liebte eine Frau in Madrid, die hat mehr geraucht als Helmut Schmidt“ gen Himmel schauen. Eher bombastisch als putzig ist, was König Boris, Dokter Renz und Björn Beton bühnentechnisch auffahren: Da steht ein Wald, Lasergedöns ohne Ende, sie fahren mit leuchtenden Fahrrädern umher, das erste Zugaben-Medley spielen sie vor einem riesigen Transparent, das ein Plattenregal zeigt. Zu sehen sind, wie es sich gehört, vor allem die eigenen Alben und Singles. Mit allerlei Effekten also erreichen die Brote in zwei Stunden und einer gefühlten Hundertschaft von Hits ihr Ziel, und das ist nach wie vor die Party.

Von Maurice Wojach

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