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11:58 31.03.2017
50er-Jahre Look in den Kulissen der Babelsberger Studios. Die Dreharbeiten zu dem Film „Das schweigende Klassenzimmer“. Quelle: dpa-Zentralbild
Potsdam

Das Wetter jedenfalls spielte Donnerstagfrüh mit. Der graue Himmel über der „Neuen Berliner Straße“, der Außenkulisse von Studio Babelsberg, passte fabelhaft in den Drehplan von Lars Kraumes Verfilmung „Das schweigende Klassenzimmer“. Die angesetzte Szene spielt im November 1956, die Abiturienten Theo (Leonard Schleicher) und Kurt (Tom Gramenz) machen sich von Stalinstadt auf zum schicken Westberliner Ku’damm, um dort im Kino „Liane, das Mädchen aus dem Dschungel“ zu schauen. Dutzende Komparsen in 1950er-Jahre-Kostümen spazieren durch die Babelsberger Kulisse am Lichtspieltheater entlang, im Hinterrund fährt ein VW-Käfer vorbei.

Film soll 2018 in die Kinos kommen

Bevor das Filmteam nach Babelsberg kam, drehte es Anfang März in Eisenhüttenstadt. Regisseur Lars Kraume hält die Stadt für einen guten Ort zum Filmedrehen. Alles stehe dort unter Denkmalschutz, habe trotz Durchsanierung eine Patina.

„Anders als bei anderen historischen Filmen waren hier komplette Außendrehs möglich“, sagte Kraume. „Eisenhüttenstadt ist ein gigantischer Drehort, weil es im Film darum geht, dass die frühe Utopie vom Sozialismus zerbricht.“

Die Architektur sei im Gegensatz zu den Plattenbauten, die später kamen, noch menschenfreundlich, weil sie großzügig und hell sei. „Die Menschen hatten 1956 moderne Wohnungen mit Innenklos. Das gab es teilweise noch nicht einmal im Westen“, erklärte er.

Der Film soll Anfang 2018 in die deutschen Kinos kommen. Im Studio Babelsberg werden im Außenset der „Neuen Berliner Straße“ die letzten Aufnahmen gedreht. Mit von der Partie sind bekannte Schauspieler wie Ronald Zehrfeld, Florian Lukas, Jördis Triebel, Michael Gwisdeck, Götz Schubert und Burghart Klaußner.

Das Medienboard Berlin-Brandenburg förderte den Film mit 500 000 Euro.

Da die beiden Jungs kein Geld haben, schleichen sie sich durch das Klofenster rein und kommen gerade rechtzeitig zur Wochenschau. Was die Freunde allerdings dort sehen, wird ihr Leben verändern. Der Bericht über die blutige Niederschlagung des Ungarn-Aufstands lässt sie nicht los. Zu Hause entwickeln sie mit ihren Klassenkameraden den Plan einer solidarischen Schweigeminute für die Opfer des Aufstands gegen die russische Übermacht während des Unterrichts. Die Aktion hat gravierende Folgen, die Schüler geraten in die politischen Mühlen der noch jungen DDR. Erst schaltet sich das Kreisschulamt ein, später auch der Volksbildungsminister. Verhöre, Verdächtigungen, Drohungen sind die Folgen. Mit allen Mitteln versuchen die Parteifunktionäre, die Namen der Rädelsführer zu erpressen. Doch die Schüler halten dicht, werden am Ende alle vom Abitur ausgeschlossen und fliehen schließlich nach Westberlin.

Kraume: Der Sozialismus war anfangs eine gute Idee

Auch Dietrich Garstka, mittlerweile 78, der vor elf Jahren diese wahre Geschichte über das politische Erwachen während des Erwachsenwerdens veröffentlicht hat. „Ich habe das Buch „Das schweigende Klassenzimmer“ damals gleich gelesen und das solidarische Aufbegehren einer jungen Generation hat mich sehr bewegt“, erzählt der Berliner Lars Kraume, der vor allem im Krimi-Genre zu Hause ist. Fünf Jahre lag es auf seinem Schreibtisch, ehe er daran dachte, sich die Rechte zu sichern. Die hatten aber schon Akzente Film ergattert, Kraume kam mit ins Team und schrieb das Drehbuch.

Nach dem mehrfach ausgezeichneten Kinofilm „Der Staat gegen Fritz Bauer“ 2016 über den Generalstaatsanwalt, der gegen alle Widerstände Adolf Eichmann verfolgte und damit die Auschwitzprozesse anstieß, beschäftigt er sich jetzt zum zweiten Mal mit der deutschen Nachkriegsgeschichte. „Der Umbruch nach dem Dritten Reich ist doch sehr spannend. Der Wandel einer traumatisierten Gesellschaft, diese Sprachlosigkeit in Ost und West und die Suche nach einer neuen Utopie birgt viele Geschichten. Ich wundere mich, dass es so wenige Filme darüber gibt.“ Der Sozialismus sei doch am Anfang eine gute Idee gewesen, meint Kraume. So sehen das auch die Schüler aus Stalinstadt. Sie haben sich wohlgefühlt, nur die sowjetische Armee hat sie gestört. „Das wollen wir auch erzählen, von einer glücklichen Heimat in der DDR.“

„Es soll ja alles authentisch aussehen“

Um den jungen Hauptdarstellern diese Zeit näher zu bringen, schaute er mit ihnen erst mal viele Defa-Klassiker: „Karla“, „Spur der Steine“, „Berlin, Ecke Schönhauser“. Wie tickte die Jugend damals? Wie bewegten sie sich? Mit welchen Gesten? „Es soll ja alles authentisch aussehen.“

Tom Gramenz (23) und Leonard Schleicher (24) konnten die Geschichte, in der sie da mitspielen, zunächst kaum glauben. „Unfassbar für uns heutzutage, dass jemand uns einen Bildungsweg verwehrt“, so Schleicher. Und immer wieder diese Frage: „Wie hätte ich wohl auf diesen Druck reagiert? Hätte ich es geschafft, meine Familie zu verlassen?“

Von Claudia Palma

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