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Film über Kindesmissbrauch in Deutschland

Interview Film über Kindesmissbrauch in Deutschland

Der Film „Operation Zucker: Jagdgesellschaft“ zeigt eine perfide Organisation, die hinter bürgerlicher Fassade ihren Mitgliedern Kinder „zur Verfügung“ stellt. Gedreht wurde in Potsdam, mit dabei sind Nadja Uhl, Misel Maticevic, Jördis Triebel und Rainer Bock. Am 20. Januar, um 20.15 Uhr, zeigt die ARD den Film.

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Gequält und missbraucht: Szene aus dem Film „Operation Zucker: Jagdfieber“

Quelle: WDR Presse und Information/Bildk

Potsdam. Die Produzentin Gabriela Sperl erzählt im Gespräch, warum ihr der Film über Kindesmissbrauch so wichtig ist, wie sie und die Drehbuchautoren recherchiert haben und was sie sich von der Politik erhofft.

Frau Sperl, vor zwei Jahren machten Sie mit dem Film „Operation Zucker“ über Kindesmissbrauch Furore. Jetzt haben Sie einen weiteren Teil produziert. Warum?

Gabriela Sperl : Mit unserem ersten Film haben wir zwar einiges losgetreten, aber es hat sich auf Seiten der Gesetzgebung noch nichts verändert. Laut Unicef werden im Bereich Kinderhandel und Kinderprostitution jährlich Milliarden verdient. Und der ehemalige BKA-Präsident Ziercke sagt schon 2013, die Nachfrage steige exponentiell. An einem Phänomen, das nicht besser, sondern immer schlimmer wird, muss man dranbleiben, damit sich irgendwann etwas ändert. Wenn die Gesellschaft hinschaut, wird auch die Politik das tun.

Wie haben Sie und Ihre Drehbuchautoren dieses heikle Thema recherchiert?

Sperl : Ina Jung hat ja ein Buch über das 2001 in Lichtenberg verschwundene Mädchen Peggy geschrieben. Da gab es viele Anknüpfungspunkte, Kontakte und Quellen, die sie genutzt hat. Eineinhalb Jahre hat die Recherche insgesamt gedauert.

Der Kinderhändlerring ist in Potsdam angesiedelt. Warum?

Sperl: Es war natürlich keine Absicht, Potsdam in irgendein schlechtes Licht zu rücken mit dieser Geschichte. Eine Kommissarin aus Berlin wird versetzt, da bot sich natürlich Potsdam an. So ist es bei allen Filmhandlungen, Krimis spielen an konkreten Orten, egal ob der Fall dort jemals passiert ist oder nicht.

Ihr Film ist auch deshalb so erschütternd, weil er auf Tatsachen beruht. Da sieht man etwa, wie die sogenannten Stützen der Gesellschaft Kinder auf übelste Weise missbrauchen und Macht und Sadismus ausspielen.

Sperl : Ja, leider, die meisten Täter kommen aus einem akademischen Milieu oder höheren Schichten – und das schützt sie! Uns haben das Kriminalisten immer wieder bestätigt: Je höher jemand in der Gesellschaft angesiedelt ist, desto weniger wird er verfolgt. Die halten alle dicht, vor allem auch, weil sie ihren jeweiligen Berufsstand schützen wollen. Es geht dabei nicht um den Einzelnen, sondern stets um das Image von ganzen Berufsgruppen. Denken Sie nur an die Regensburger Domspatzen, 700 Fälle sind Jahrzehntelang unter den Teppich gekehrt worden. Das schadet der Kirche insgesamt viel mehr, als gegen Verfehlungen hart vorzugehen und die Täter zu bestrafen.

Gedreht in Potsdam

„Operation Zucker: Jagdgesellschaft“ prangert schonungslos die Praktiken des organisierten Kindesmissbrauchs in Deutschland an.

Unter der Regie von Sherry Hormann spielt die Potsdamerin Nadja Uhl eine Kommissarin, die einem Kinderhändlerring auf der Spur ist. Mit von der Partie sind außerdem Jördis Triebel, Misel Maticevic und Rainer Bock.

Gabriela Sperl gehört zu den profiliertesten Produzentinnen.

Ausstrahlung: 20. Januar, ARD, 20.15

Die Kommissarin Wegemann, die Nadja Uhl spielt, redet von einem Täterschutzland...

Sper l: Wegemann als Figur bringt damit Dinge auf den Punkt, die das Publikum aufrütteln sollen. Heiko Maas, der Justizminister, ist an der Veränderung des Sexualstrafrechts, aber da gibt es noch viel zu tun. Die Kinder, die sexueller, psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind, geraten nicht ins Blickfeld, die meisten Fälle kommen niemals zur Anzeige. Die Dunkelziffer ist sehr hoch. Oft wird Kindern nicht geglaubt, wenn sie etwas erzählen, man denkt sie übertreiben oder dramatisieren. Hinzu kommt die Scham, auch von den Eltern.

Was ist zu tun?

Sperl : Eine Anzeigepflicht von Gewaltdelikten gegenüber Kindern wäre ein erster, sehr hilfreicher Schritt. Therapeuten, Ärzte, Anwälte würden – wie zum Beispiel in Frankreich oder Österreich – ihrer Schweigepflicht entbunden und ihre Zulassung verlieren, wenn sie Übergriffe nicht melden.

 

Von Claudia Palma

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