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Lotte Ulbricht auf Schloss Marquardt

Dreharbeiten Lotte Ulbricht auf Schloss Marquardt

Kommunistin, Frauenrechtlerin, Stalinistin und Mutter: Der Mitteldeutsche Rundfunk befasst sich im Dokudrama „Lotte Ulbricht – Der rote Faden“ mit den Facetten der einstigen First Lady der DDR. Spielszenen werden an zwei Tagen auf Schloss Marquardt gedreht.

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Die Ulbrichts: Stephan Boden und Angeline A. Heilfort

Quelle: FOTO: Julian Stähle

Potsdam. Sie war die dominante Frau an der Seite von DDR-Staatschef Walter Ulbricht, die ostdeutsche First Lady: Lotte Ulbricht (1903–2002). Der Mitteldeutsche Rundfunk widmet sich in seiner Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ nun der umstrittenen Frau zwischen ihren Rollen als idealistische Kommunistin, Frauenrechtlerin, Stalinistin – und Mutter. Insbesondere die Beziehung zu ihrer Adoptivtochter Beate Matteoli behandelt das 45-minütige Dokudrama. Regisseur Pepe Pippig (42) will zeigen, „in welchem Spannungsfeld sich Lotte Ulbricht – auf jeden Fall eine Frau mit Haaren auf den Zähnen – bewegt hat“.

Die Spielszenen für das Dokudrama gestern und heute werden dort gedreht, wo vor wenigen Monaten Hollywood-Regisseur Steven Spielberg Teile seines Agententhrillers „Bridge of Spies“ inszenierte: im Schloss Marquardt. Bei der Produktionsfirma Saxonia Entertainment ist man ebenfalls angetan von dem reizvollen, aber schwer sanierungsbedürftigen Kleinod im Potsdamer Norden. In der ersten Etage wurden Räume zum Dresdner Jugendamt im Look der frühen 1950er umgestaltet, mit schweren, dunklen Büromöbeln, Regalen voller Akten, Schreibmaschine, Stempelkarussells.

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Auf Schloss Marquardt entstehen Donnerstag und Freitag Spielszenen für das MDR-Dokudrama „Lotte Ulbricht – Der rote Faden“ im Rahmen der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“. Drama, Emotion und Spannung sind versprochen.

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Warum ein Adoptivkind? Lotte Ulbricht, geborene Kühn, hatte sich der Kommunistischen Partei verschrieben – solange sie sich im Exil im berühmt-berüchtigten Moskauer „Hotel Lux“ befand, verweigerten sich sie und Weggefährtinnen dem Muttersein – das passte nicht zu einer kämpfenden Frau. Als Walter Ulbricht 1945 mit Lotte zurück nach Deutschland ging, war sie mit 42 Jahren zu alt zum Kinderkriegen. Anfang 1946 bestätigte das Dresdner Jugendamt die Adoption der 1944 geborenen Maria Pestunowa, Tochter einer sowjetischen Zwangsarbeiterin, die zu Beate Ulbricht wurde.

Nachgestellt werden die Szenen mit Lotte Kühn (gespielt von der gebürtigen Leipzigerin Angeline Anett Heilfort, 31) und Walter Ulbricht (Stephan Boden, 47: „Ich hab auch schon mal Lenin gespielt.“), als sie ihre Adoptivtochter im Jugendamt in Empfang nehmen. Lotte Ulbricht gilt als strenge, perfektionistische Mutter. Lotte-Darstellerin Angeline Anett Heilfort hat nach der Lektüre für ihre Rolle einen anderen Eindruck gewonnen: „Ich hatte das Bild einer unsympathischen Frau im Kopf – nun ist sie mir sympathisch geworden. Ich denke, dass die Familie freundlich war.“ In der MDR-Reihe kommen Historiker und Zeitzeugen aus dem privaten Umfeld der Ulbrichts zu Wort. Ergänzt werden die dokumentarischen Sequenzen mit Spielszenen. „Besser, als Fotos und Dokumente abzufilmen, so Regisseur Pippig.

Beate Ulbricht selbst hat in einem Interview nach der Wende kein gutes Haar an ihrer Mutter gelassen. Als junge Frau hatte sie sich in einen Italiener verliebt, will ihn heiraten, mit ihm nach Leningrad gehen, ihre Eltern lehnen die Beziehung ab – es kommt zum Bruch mit der sozialistischen Musterfamilie. Später verfällt Beate dem Alkohol, lebt in sozial schwierigen Verhältnissen, ihr Ende ist grauenvoll. Am 6. Dezember 1991 wird sie erschlagen in ihrer Berliner Wohnung gefunden. Die Tat wurde bis heute nicht aufgeklärt.

Geschichte Mitteldeutschlands

Vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Der MDR stellt in seiner Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“, der nunmehr 17. Staffel, erneut fünf außergewöhnliche Persönlichkeiten vor.


Außer Lotte Ulbricht sind das Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1210-1285), der Renaissance-Maler Lucas Cranach dem Jüngeren (1515-1586), Emmy Göring (1893-1973) – Frau von Hitlers Reichsmarschall Hermann Göring, Hollywoodstar Gert Fröbe (1913-1988).

Ab 2. August werden die neuen Folgen im MDR gesendet: sonntags, jeweils um 20.15 Uhr.

Von Ricarda Nowak

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