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Filmfest baut Brücken nach Osteuropa

25. Cottbuser Filmfestival Filmfest baut Brücken nach Osteuropa

Das 25. Cottbuser Filmfestival, das sich mittlerweile international als Marke etabliert hat, startet am Montag. Bis zum 8. November kommen insgesamt 200 Streifen aus 40 Ländern auf die Leinwand. Festivalmacher und Filmkritiker haben uns versucht zu erklären, warum das regionale Filmfest jedes Jahr auch außerhalb eine so große Anziehungskraft hat.

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„Wir wissen uns einfach zu schätzen“

Ausschnitt aus dem Film „Chemo“ von Bartek Prokopowicz, der in der Spielfilm-Sparte in Cottbus an den Start geht.

Quelle: Promo

Cottbus. Ein Vierteljahrhundert Festival des osteuropäischen Films in Cottbus – das hätten sich die Kinoliebhaber aus der Filmklub-Bewegung der DDR wohl nicht träumen lassen, als sie 1990 in der Lausitz das weltweit erste Osteuropäische Nachwuchs- und Experimentalfestival aus der Taufe hoben: Damals waren die Cineasten um Lutz Hattenbach neugierig darauf, wie die Filmemacher die anstehenden Entwicklungen in Osteuropa künftig kommentieren würden. Getrieben hat sie die Angst davor, dass die Bilder aus den ehemaligen Bruderstaaten komplett aus dem Kino verschwinden würden.

Das ist nicht eingetreten – und so eröffnet Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke am kommenden Dienstag im Großen Haus des Cottbuser Staatstheaters den 25. Jahrgang der Filmschau unter dem Beifall vieler Fans und Wegbegleiter.

Osteuropäische Filme im Westen unbeliebt

Keinen Grund zum Jubeln bietet ein Blick auf den Marktanteil osteuropäischer Filme im Westen: Wie bei vielen andere kleiner Ländern liegt er bei nur etwa einem Prozent. Trotzdem ist es gelungen, die Präsenz dieser riesigen Filmregion dauerhaft auf den hiesigen Kinoleinwänden zu sichern. Filmfestivals wie das in Cottbus haben Strukturen etabliert, innerhalb derer der osteuropäische Film weiter existieren kann. Auch der schnelle und unmittelbare Informationsaustausch zwischen dem Lausitzer Festival und Verleihern hilft dabei, immer wieder Produktionen aus dem Osten ins Kino zu bringen. Der Verleiher-Festivalpreis „Cottbus ins Kino“ trägt ebenso dazu bei.

Im Arthouse-Sektor, der Sparte für Kunstfilme, arbeitet die Filmschau seit zwei Jahren mit dem Berliner Video-On-Demand-Anbieter „Realeyz“ zusammen. „Unter unserem Label laufen dort auf einem kleinen Kanal Filme, die in den letzten Jahren in Cottbus gezeigt worden sind“, erklärt Programmdirektor Bernd Buder. Ohne den unermüdlichen Einsatz und das Engagement vieler Festival-Mitarbeiter, Helfer und Liebhaber wäre die Filmschau ohnehin nicht zu stemmen.

Familiäre Atmosphäre

Dass sich dieser Aufwand lohnt, lässt das Publikum die Festivalmacher in jedem Jahr aufs Neue spüren: In der Vergangenheit gab es Jahr für Jahr neue Besucherrekorde. Buder erklärt: „Es gibt sehr viele Stammzuschauer aber auch Leute, die zum ersten Mal ins Kino gehen beim Filmfestival in Cottbus. Unser Publikum ist ein Querschnitt durch alle Gesellschafts- und Altersgruppen von Jugendlichen bis zu Menschen höheren Alters. Insgesamt ist es eine sehr schöne Mischung aus städtischem und regionalem Publikum plus Fachpublikum.“

Eröffnungsveranstaltung beim Cottbuser Filmfest im vergangenen Jahr

Eröffnungsveranstaltung beim Cottbuser Filmfest im vergangenen Jahr.

Quelle: Goethe/Filmfestival

Die Anziehungskraft des Cottbuser Filmfestivals liegt sicher auch in der familiären Atmosphäre: Das Publikum kann nach der Aufführung noch persönlich mit dem Regisseur und den Darstellern sprechen, Fragen loswerden oder Kritik formulieren. „Außerdem heben sich die Filme, die Menschen hier in Cottbus zu sehen bekommen, sehr von dem ab, was üblicherweise im Kino oder im TV zu sehen ist. Es sind andere Themen, andere Handschriften und eine andere Art, mit Themen umzugehen“, so Buder.

Brandenburger Themen werden nicht vernachlässigt

Auch Filmkritiker Knut Elstermann hat seit den Anfängen kein Festival versäumt: „Nur hier bekomme ich einen Überblick, der weit über das stets anspruchsvolle Wettbewerbsprogramm hinaus geht. Cottbus präsentiert eben das Filmschaffen Osteuropas in seiner ganzen Breite, hier kann ich sehen, was die Menschen dort massenhaft ins Kino zieht, was sie erschüttert und rührt, was sie bewegt und aufregt.“

Bei aller globalen Weitsicht haben sich die Festivalmacher aber auch immer ihre Neugier für brandenburgische Themen bewahrt und sie mit der Sektion für regionales und sorbisch-wendisches Filmschaffen „Heimat – Domownja“ in den Festivalkalender integriert.

Aufnahme aus dem Film „Coal in the Soul“

Aufnahme aus dem Film „Coal in the Soul“

Quelle: Promo

Festival bringt Co-Produktionen zum Laufen

Wenn die Festivalmacher den Zuschauern eine spannenden Mischung aus Debüts und neuen Arbeiten von erfahreneren Filmemachern präsentieren, wird hinter den Kulissen fleißig „genetzwerkt“. Die Geschäftsführerin der AG-Kurzfilm, Jana Cernik, hat die Filmschau jahrelang für das „Czech Film Center“ im Auftrag des tschechischen Produzentenverbandes besucht: „Die Koproduktionsplattform Connecting Cottbus ist für tschechische Produzenten sehr wichtig geworden, weil sie dort nicht nur wichtige Entscheider aus der deutschen Filmbranche treffen können, sondern natürlich auch umgekehrt: Die deutsche Filmbranche kann in lockerer Weise Produzenten aus Osteuropa kennenlernen. Das ist der Vorteil von kleinen Festivals wie Cottbus.“

Ähnlich bewertet es auch die Geschäftsführerin der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, Kirsten Niehuus: „Cottbus hat aber nicht nur die Filme, sondern auch die Menschen hinter der Leinwand zusammen gebracht. Es wurden jede Menge Co-Produktionen angebahnt. Dort wurde auch das Deutsch-Polnische Abkommen auf den Weg gebracht und ohne Cottbus hätte es vielleicht kein Deutsch-Russisches Förderabkommen gegeben.“

Dietmar Woidke: „Ort des Austausches“

und der Verständigung zwischen Ost und West.“

Jubiläum: 25 Jahre Cottbuser Filmfestival

200 Produktionen
aus über 40 Nationen werden vom 3. bis zum 8. November in der Lausitz gezeigt. Die Filmregion „Osteuropa“ reicht vom Balkan bis ins Baltikum und von Tschechien und Polen bis nach Zentralasien in die ehemaligen Sowjetrepubliken. Die meisten Filme aus den drei Wettbewerben und den zehn Programmsektionen feiern in der Lausitz ihre internationale oder ihre Deutschlandpremiere.

Insgesamt vergeben unterschiedliche Jurys in Cottbus ein Preisgeld von 77 750 Euro. Die meisten Regisseure, deren Filme im Wettbewerb zu sehen sind, kommen nach Cottbus. Im Anschluss an die Vorstellung können die Zuschauer mit den Filmemachern diskutieren.


Karten gibt es in der Stadthalle Cottbus, Berliner Platz 6 oder telefonisch unter 0355/7542 444. Weitere Infos zum Festival finden Sie auch im Internet: www.filmfestivalcottbus.de

Von Barbara Breuer

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