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Kultur „Star Wars VIII“: Die Macht hat viele Seiten
Nachrichten Kultur „Star Wars VIII“: Die Macht hat viele Seiten
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15:39 13.12.2017
Lassen es galaktisch krachen: Finn (John Boyega) kämpft gegen Captain Phasma (Gwendolin Christie).  Quelle: Foto: Walt Disney
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Hannover

 Man fragt sich ja schon, was er wohl die ganzen Jahre auf der einsamen Jedi-Insel gemacht hat? Die besten Ewok-Rezepte nachgekocht? Nach der Qui-Gon-Methode meditiert? Die Drehbücher zu „Episode IV – VI“ geschrieben? Da steht er nun vor uns, der Eremit, mit einem Gesicht aus Grimm und Stein, derselbe, den wir im Februar 1978 als unbedarften Teenie auf dem Wüstenplaneten Tatooine kennenlernten – Lucky Luke Skywalker. Der uns auf eine der unglaublichsten Reisen mitnahm, die je im Kino unternommen wurden.

Luke soll das Hoffnungssymbol der Rebellion werden

Mit der Ruhe des Einsiedlers ist es jedenfalls vorbei. Luke soll ran, alles in der „weit, weit entfernten Galaxis“ ist wieder so schlimm wie in seiner Jugendzeit, Das Imperium ist als „Erste Ordnung“ wieder auferstanden, die Rebellen sind unter Führung seiner Schwester Leia ins Hintertreffen geraten, und sein eigener Neffe Ben gibt unter dem Künstlernamen Kylo Ren die rechte Hand des Quasi-Imperators Snoke, Dabei trägt er Faschoschwarz und eine Art Ferrari-Design-Version des Darth-Vader-Helms. Der Bösewicht aus der ersten Trilogie war Kylos Großvater. Déjà vu, Luke? Wir auch.

Die Sache mit der Insel zieht sich, Luke ziert sich. Er hat keine Lust mehr, die Lichtgestalt mit dem Lichtschwert zu sein und das Hoffnungssymbol des Widerstands zu geben. Er kam hierher, um sein Leben zu beschließen, nachdem Kylo Ren die Eröffnung seiner neuen Jedi-Schule blutig zunichte machte. Was er der kühnen Rey (Daisy Ridley), die ihn zurückholen soll, zu sagen hat ist ein „Nein!“ Und ein „Geh fort!“

Weil sie hartnäckig ist, willigt er ein, sie jedimäßig zu schulen. Die Zeit drängt, denn parallel dezimiert die Erste Ordung die Evakuierungsschiffe der Rebellen. Sie folgt ihnen überallhin, weil sie einen Verfolgerstrahl hat, der auch bei Lichtgeschwindigkeit funktioniert (was bisher wohl unmöglich war). Und den müssen der Tollpatsch Finn und die tollkühne Pilotin Rose (Kelly Marie Tran) ausschalten. Dieser Handlungsstrang vibriert deutlich stärker.

Was Regisseur Rian Johnson kann sind dicke Weltraumschlachten und durchchoreografierte Kampfszenen. Was er zudem – vielleicht auch dank des „Star Wars“-Betreibers Disney – begriffen hat, ist, dass das Märchenland das Reich der starken Mädchen ist (oder wer hat die Hexe in „Hänsel und Gretel in den Ofen geschubst)? Wohin man in dieser achten Episode auch blickt, sind Frauen am Ruder. Und wenn ein Draufgänger wie Poe Dameron (Oscar Isaac) Aktionismus vor Abwägen stellt, dann wird er schon mal von Leias Vizeadmiralin Haldo (Laura Dern) auf die Bretter geschickt. Sie kommt gut, die weibliche Seite der Macht.

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Rekordverdächtig: Mit über fünf Millionen Steinen und einer Spannweite von dreizehn Metern ist das Star-Wars-Raumschiff „X-Wing“ das größte Lego-Modell der Welt. Das zwanzig Tonnen schwere Stück wurde zunächst in den USA ausgestellt und war im April 2014 das erste Mal in Europa im Legoland Günzburg zu sehen.

Unfreiwillige Komik, unglaubwürdige Rettungsaktionen

Was Johnson fehlt, ist der Hang zum Tragischen. Schon bald verlässt sich der Zuschauer auf die Rettung, die nie auf sich warten lässt, wenn die Gefahr groß ist. Gern wird dabei das „Jack in the Box“-Prinzip angewandt, was dazu führt, dass kugelförmige Roboterchen schon mal die Flak in einem Kampfläufer aktivieren können. Das ist unglaubwürdig. Und unglaubwürdig ist langweilig.

Unfreiwillig komisch ist es dann, wenn der Imperator Kylo Ren als lausige Darth-Vader-Kopie verspottet wird und sich daraufhin wutentbrannt seines Helms erledigt. Oder wenn Prinzessin Leia aus dem Weltraum ins Raumschiff einschwebt wie Christopher Reeve in „Superman“. Oder wenn Kylo-Ren-Konkurrent Hux (Domnhall Gleeson) sein böses „Har Har!“-Lachen erklingen lässt, das einen an andere Disney-Schurken erinnert – die Panzerknacker aus Entenhausen.

Regisseur Johnson holt eine Figur aus dem Grab zurück

Das alles könnte man Johnson noch nachsehen, auch die breitärschigen Erklärbär-Dialoge, mit denen das Offensichtliche noch einmal den Nachdruck des Gesagten bekommt, damit es auch dem Begriffsstutzigsten klar wird. Schließlich war „Star Wars“ noch nie die Filmreihe fürs intellektuelle Tiefschürfen. Eher ging es schön schlicht zu und nicht immer logisch – wie Märchen halt so sind.

Dass er aber in seinem eh schon völlig übervölkerten Zweieinhalbstundenfilm eine der mythischen Figuren der Filmreihe aus dem Grab holt, um ihn zum kichernden Greis à la Muppetshow zu demontieren, lässt den Zuschauer grün und rot zugleich sehen. Offenbar gibt es auch eine dumme Seite der Macht. Und die war zuweilen mit den Entscheidungsträgern dieses Films.

George Lucas hätte das so nicht gewollt.

Von Matthias Halbig / RND

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