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Kultur Woodley in Seenot: „Die Farbe des Horizonts“
Nachrichten Kultur Woodley in Seenot: „Die Farbe des Horizonts“
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06:01 11.07.2018
Yacht-Unglück: Der Sturm hat das Boot verbogen, Tami (Shailene Woodley) muss es wieder flottkriegen. Quelle: Foto: Tobis
Hannover

Als der Zollbeamte am Hafen sie nach dem endgültigen Ziel ihrer Reise fragt, zieht Tami (Shailene Woodley) langsam die Schultern nach oben und die Mundwinkel weit nach unten. Die 23jährige Amerikanerin hat gleich nach dem Schulabschluss den Rucksack gepackt, um ihre Heimatstadt San Diego weit hinter sich zu lassen. Seit ein paar Jahren tingelt sie nun, im Jahre 1983, schon durch die Welt und finanziert sich mit Gelegenheitsjobs das Ticket zum nächsten Reiseziel.

Schon bald deutet sich an: Das wird nicht gut ausgehen

Jetzt ist sie auf Tahiti angelangt und bekommt Arbeit in einem Yachthafen. Als der britische Segler Richard (Sam Claflin) am Steg festmacht, finden die beiden schnell Gefallen aneinander. Richard lässt sich genauso wie Tami ohne Zielvorgaben durchs Leben treiben.

Bald schon wird Richard sie fragen, ob sie mit ihm um die Welt segeln will, und wenig später werden die beiden den Auftrag übernehmen, eine luxuriöse Yacht von Tahiti nach San Diego zu überführen.

Dass dieses Unternehmen nicht gut ausgeht, weiß man schon seit den ersten Filmminuten von Baltasar Kormákurs „Die Farbe des Horizonts“, in denen Tami aus der Bewusstlosigkeit erwacht, sich durch das knietiefe Wasser in der Kajüte den Weg an Deck bahnt und verzweifelt nach Richard ruft. Ihr Freund ist mit dem Sturm von Bord gespült worden. Die Yacht wurde stark beschädigt.

Regisseur Kormákur und der Überlebenswille

Ausgehend von dieser aussichtslosen Situation gleitet der Film von nun an zwischen desaströser Gegenwart und romantischer Vergangenheit hin und her. Mit den Rückblenden und der Erinnerung scheint auch die Schiffbrüchige zunehmend wieder an Kraft zu gewinnen. Sie flickt das Leck aus, setzt das Vorsegel und entdeckt in der Ferne auf einem Beiboot Richard. Der ist schwer verletzt und es ist klar, dass die mäßig erfahrene Seglerin die Geschicke in die Hand nehmen muss.

Als gebürtiger Isländer hat Regisseur Kormákur seit jeher eine besondere Verbindung zum Meer und zum Überlebenswillen in aussichtslosen Situationen. Vor fünf Jahre erregte er mit „The Deep“ internationale Aufmerksamkeit, in dem er einen Fischer porträtiert, der mehrere Kilometer durch das eiskalte Wasser an Land schwamm und zum isländischen Nationalhelden wurde.

Auch „Die Farbe des Horizonts“ beruht auf wahren Ereignissen und befindet sich als Seglerdrama im Kino in bester Gesellschaft. Gerade erst hat sich Colin Firth in „Vor uns das Meer“ als verzweifelter Alleinsegler in den Weltmeeren verirrt. Robert Redford zeigte in J.C. Chadors „All Is Lost“ (2013) was man alles auf dem engen Raum einer havarierten Yacht erzählen kann.

Liebe lässt Menschen über sich selbst hinauswachsen

Dieser radikal-klaustrophobischen Erzählsituation entzieht sich Kormákur mit seiner Rückblendendramaturgie und öffnet die Aussichtslosigkeit der Tragödie durch romantische Erinnerungsarbeit. Denn anders als bei ihren männlichen Schiffbruch-Kollegen ist es nicht allein der innere Überlebenstrieb, der Tami die ausweglose Situation meistern lässt, sondern die Liebe und Verbundenheit zu ihrem Freund.

Das macht die Angelegenheit auf der Leinwand deutlich gefälliger, ist aber auch ein durchaus realistischeres Szenario. Denn die Kraft über sich selbst hinauszuwachsen entsteht selten allein aus eigenen Ressourcen, sondern sehr viel öfter aus der Verantwortung, die man für andere übernimmt.

Dieser Punkt wird in „Die Farbe des Horizonts“ durch eine überraschende Schlusswendung eindrücklich unterstrichen. Shailene Woodley, die sich in „Divergent“ tapfer durch ein dystopisches Zukunftsszenrio kämpfte, ist auch als Alleinseglerin wider Willen vollkommen überzeugend.

Dasselbe gilt für die dramatischen Sturmsequenzen, die das Gefühl vollkommenen Ausgeliefertseins mit atemberaubender Effizienz direkt in den Kinosessel hinein transportieren.

Von Martin Schwickert / RND

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