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Kultur Von Küssen und Rissen – die Komödie „Wie gut ist deine Beziehung?“
Nachrichten Kultur Von Küssen und Rissen – die Komödie „Wie gut ist deine Beziehung?“
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18:00 25.02.2019
Unstimmigkeiten beim Gemüse: Carolas (Julia Koschitz) Beziehung zu Steve bekommt plötzlich Risse Quelle: Foto: X Verleih
Hannover

Die Unterhaltung zwischen den beiden klingt wie ein oft geprobtes Ritual: „Keine Angst vor Veränderungen!“, sagt Carola (Julia Koschitz) und schaut ihrem Steve beschwörend in die Augen. Und Steve (Friedrich Mücke) antwortet ganz entspannt hinter seinem Zauselbart: „Ich will, dass alles so bleibt, wie es ist.“ Dann gibt es ein Küsschen.

Eine Beziehungskomödie jenseits der seichten Topf-Deckel-Streifen

Das kann nicht die erste Unterhaltung dieser Art gewesen sein – und beide wissen genau, woran sie mit dem anderen sind. Jedenfalls glauben sie das zu diesem Moment noch.

Gemessen an der relativen Unvereinbarkeit ihrer Grundüberzeugungen läuft es ja auch wirklich gut bei dem Paar, beide um die 40, er IT-Experte, sie Veranstaltungsplanerin. Aber das bleibt nicht mehr lange so in Ralf Westhoffs Beziehungskomödie „Wie gut ist deine Beziehung?“. Der Regisseur arrangiert einen gezielt katastrophal verlaufenden Versuch der Paarberatung.

Halt, einen Moment bitte: Wer jetzt beim Stichwort „Beziehungskomödie“ entsetzt mit den Augen rollt, sollte vielleicht doch erst noch einmal ganz kurz durchatmen und sich auf diesen Film einlassen: Es handelt sich bei „Wie gut ist deine Beziehung?“ nicht um eine jener seichten Auf-jeden-Topf-passt-ein-Deckel-Spielchen, wie sie das deutsche Kino bis zum Exzess in den neunziger Jahren durchexerziert hat. Hier passen Topf und Deckel ja längst schon zueinander, und mit einiger Verspätung erst beginnt das große Klappern.

Es ist möglich, sich leicht zu nehmen ohne Gewicht zu verlieren

Regisseur Ralf Westhoff, der auch das Drehbuch schrieb, nimmt amüsiert gesellschaftliche Mechanismen unter die Lupe, die aufs Paarverhalten abfärben. Denn der Komödienspezialist weiß genau: Keine Beziehung existiert im luftleeren Raum, auch nicht die von Carola und Steve.

Ein prima Beispiel dafür war schon seine Komödie „Wir sind die Neuen“ (2014): Da zog eine fidele Seniorentruppe unter einer Studierenden-Wohngemeinschaft ein und war deutlich lockerer drauf als die jungen Leute ein Stockwerk darüber, die gebannt auf ihre herannahenden Abschlussprüfungen an der Uni starrten und dem Leben nur das Schlechteste zutrauten. Der zugespitzte Generationenkonflikt mit vertauschten Rollen machte in dieser Erwachsenenkomödie plötzlich richtig Spaß. Der Regisseur beherzigt den schönen Satz, wonach es durchaus möglich ist, sich leicht zu nehmen, ohne an Gewicht zu verlieren.

Ein Arbeitskollege wird zum Auslöser der Beziehungskrise

Nun streut der Regisseur leise Zweifel zwischen Steve und Carola, ob sie wirklich so zufrieden miteinander sein können, wie sie es zu sein glauben. Sollten sie nicht viel lieber schleunigst daran gehen, an ihrer Beziehung zu „arbeiten“, wie es in Ratgebern immer so angestrengt empfohlen wird?

Auslöser für die Krise ist Steves Freund und Arbeitskollege Bob (Bastian Reiber), ein echter Computernerd: Bis eben schienen Bob und seine Freundin noch ein unangefochtenes Paar zu sein. Und dann ist Bobs Liebste plötzlich zum Tantra-Meister Harald (Michael Wittenborn) übergelaufen, der sich offenbar bestens darauf versteht, weibliche Schwingungen zu erspüren und bei der Gelegenheit gleich mal nach der Telefonnummer zu fragen.

Ohne fernöstliche Esoterik oder mindestens zwei Yoga-Kurse pro Woche läuft ja heute sowieso nichts mehr bei hippen Großstadtbewohnern. Auch das hat Westhoff gut beobachtet.

Zwei Menschen und die Gefahren der Selbstoptimierung

Und so macht sich auch Steve an die Optimierung seines Selbst und seiner Beziehung – zum Entsetzen von Carola, die gar nicht recht versteht, was plötzlich in ihren Freund gefahren ist. Gemüse-Smoothie zum Frühstück, Rollschuhfahren am Abend, erstaunliche sexuelle Aktivität in der Nacht: Da fühlt sich auch Carola angespornt zu liefern, wie es in diesem Land sonst immer die FDP von anderen verlangt. Sie geht erst einmal zum Friseur zwecks optischer Verjüngungskur und öffnet sich auch sonst neuen Erfahrungen.

Aber gerade durch die ungeahnten Anstrengungen der Optimierung werden die Risse zwischen den beiden tiefer. Steve, noch dazu geplagt von den schnöselig-besserwisserischen Unternehmensberatern in seiner Computerfirma, stößt bald an Grenzen: „Ich muss Carola mit Dingen erobern, die ich nicht kann, und Fähigkeiten, die ich nicht habe.“ Der vorsichtige Einwand Bobs scheint ihn nicht wirklich zu überzeugen: „Du hast sie doch schon erobert.“

Eine bequeme Couch kann Zentrum einer stabilen Beziehung sein

Die von Drehbuchautor Westhoff geschriebenen Dialoge sind klug, hier und da vielleicht sogar ein bisschen zu klug. Zwischenzeitlich können sich die beiden Protagonisten vor originellen Tipps ihrer Umwelt kaum retten. Alle wissen es besser als die beiden Leidtragenden.

Aber das macht nichts: Wer will im Kino schon pointenarme Realität vorgesetzt bekommen? Zumal wir in dieser Komödie auch noch eine Art Dirty Dancing im Yoga-Zeitalter kennenlernen und darüber hinaus entdecken, dass auch eine bequeme Couch das unverrückbare Zentrum einer stabilen Beziehung sein kann.

Von Stefan Stosch / RND

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