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Kultur Filmplakate der DDR
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00:44 10.03.2018
Ines Belger vom Filmmuseum Potsdam und der Grafiker Detlef Helmbold haben die Ausstellung der Filmplakate erarbeitet. Quelle: Christel Köster
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Potsdam

Detlef Helmbold schwärmt von einer Zeit, als die Filmplakate manchmal besser waren als die Filme selbst. Helmbold ist Grafiker, von Natur aus richtet sich die Liebe dieses Mannes auf das Standbild, in dem die Linien wie Synapsen zueinander finden, damit das Bild zu Atem kommt und etwas zu erzählen hat. Im 21. Jahrhundert wird Helmbolds Liebe verlässlich enttäuscht. Denn Filmplakate unterscheiden sich nicht mehr grundlegend von Anzeigen für einen Supermarkt, der grell unter die Leute bringt, wie billig diese Woche Butter, Obst und Magenbitter sind.

Weil solche visuelle Schreierei den Augenmenschen Helmbold abstößt, hat er sich in seiner Arbeit für das Potsdamer Filmmuseum auf eine andere Zeit verlegt. Er dokumentiert sämtliche Plakate jener DDR-Grafiker, die Kino-Filme illustrierten. Die Zahl hat der Poster hat er im Kopf: 6385. Er nennt sie stolz, wie ein Sprinter seine Bestzeit stets zur Hand hat. Als Fußnote indessen muss er nachschieben, dass knappe 60 Plakate derzeit nicht zu finden sind. Das liegt nicht an Helmbold, sondern an den Zeiten, die unaufgeräumt sind. Viele Plakate hat er aus alten DDR-Kinos, doch mit ihrem Untergang verschwanden auch die Poster.

„Ich möchte perspektivisch, dass alle Filmplakate von DDR-Grafikern im Potsdamer Filmmuseum archiviert sind“, sagt Helmbold. Ehrgeiz liegt in seinem Ton, denn hier formuliert er eine Lebensaufgabe. Derzeit sind hier 15 000 Plakate gelagert, doch es wurden auch jene aus dem Ausland mitgezählt.

Es entsteht das Panoptikum einer Zeit, als das Kino noch erzählte

Die Plakate der DDR-Kinos, von denen zur Zeit der Einheit 1990 etwa 150 in Betrieb waren, sind nun im Oberrang der Potsdamer Filmmuseums zu sehen. Weil alle versammelt werden sollten, sind sie kleiner als ein Bierdeckel, sie liegen knapp bei 6x4 Zentimetern, was ihnen die Größe von Spielkarten gibt. In der Summe zeigt sich das Panoptikum aus einer Zeit, in der das Kino noch erzählen wollte, nicht nur unterhalten. Wenn auch in der DDR politische Erziehung in die Filme rutsche, was den Stücken nicht bekam. Die Plakate sind von den ideologischen Tendenzen weitgehend unberührt, sie definieren eine eigene Gattung.

„Die Fotovorlagen waren in der DDR häufig derart schlecht, dass die Künstler bei der Grafik blieben“, sagt Helmbold, der zum Thema der Ausstellung im April ein Buch veröffentlicht. Die Grafik habe den Plakaten gutgetan, weil sie eine neue Sprache finden mussten. Das förderte die Vielfalt der Ausdrucks.

Zunächst hat sich der Fokus der DDR-Filmplakate auf die Köpfe der Schauspieler und Szenen des Filmes konzentriert. Diese Form des Naturalismus lief parallel zur Entwicklung der westdeutschen Filmplakate. Doch die Ost-Kunst nahm bald eigenen Wege, sie hat sich in Richtung der symbolischen Gestaltung entwickelt. Die Plakate des Westens legten alles offen, hatten Vorgaben, wie groß der Name der Schauspieler zu nennen sei, dass sie über dem Titel stehen müssen und dass fürs Bild, zum Beispiel, 37 Prozent der Plakatfläche zu nutzen sei.

Die Plakate der DDR setzten eine Vorkenntnis voraus

Die Ost-Plakate legten ihren Ehrgeiz nicht so sehr in die Information, sie wollten lieber Gefühle wecken, die wiederum auf jene Lust beim Betrachter zielten, eben dieses Gefühl im Kino zu durchleben. Auch mit diesem Ansatz ließen sich Karten verkaufen. Die symbolischen Andeutungen setzten beim Publikum eine Vorkenntnis voraus, eine Informiertheit über den Stoff. Und ein ästhetisches Verständnis, das auch mit Abstraktionen etwas anzufangen wusste.

Filmplakate wie „Verführung auf sizilianisch“ (1967) oder „Sonne und Schatten“ (1964) etwa arbeiteten mit einer Grafik, die an Scherenschnitte erinnert. Sie setzten auf die Silhouette und haben sich auf Kontraste konzentriert, die sich in Schwarz und Weiß erschöpften. Dennoch fanden sie zu poetischem Glanz, der wie die Visitenkarte eines tief empfundenen Kammerspiel wirkte. Besser konnte man Appetit nicht wecken, wenn man das Kino als facettenreiche Illusionsmaschine begreift.

Diese künstlerische Freiheit reizte auch die Großen der Branche, führende DDR-Grafiker wie Werner Klemke bemühten sich um Aufträge für die Plakate. Auch wenn sie manchmal nur das schöne Feigenblatt für ideologisch gefärbte Filme waren.

INFO Mehr Kunst als Werbung – das DDR-Filmplakat. Eine Foyerausstellung (Eintritt frei) mit begleitender Filmreihe. Filmmuseum Potsdam, Marstall, Breite Straße 1 A, Potsdam. Eröffnung an diesem Freitag, 19.30 Uhr, geöffnet bis 1. Juli. Ab 10 Uhr, montags geschlossen.

Von Lars Grote

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