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Kultur Florian Illies spricht über seine Liebe zur Kunst
Nachrichten Kultur Florian Illies spricht über seine Liebe zur Kunst
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17:52 27.11.2018
Florian Illies (r.) mit Christoph Amend in Potsdam. Quelle: Detlev Scheerbarth
Potsdam

Florian Illies, und das soll ein Kompliment sein, kann über Kunst reden, als kommentiere er ein Fußballspiel. Es steckt Elan in seinen Sätzen, er zieht nicht ständig akademisch abgegriffenen Hokuspokus aus dem Ärmel. Wenn er vor einem Bild steht und es lobt, hat man das Gefühl: Sein Puls schlägt höher. Er sieht Farben und Motive, nicht die erprobten Fußnoten aus alten Büchern.

Als er zur Eröffnung des Potsdamer Museums Barberini Anfang des vergangenen Jahres fast zu spät kam, hielt er mit dem Auto auf dem Alten Markt, streng den Fußgängern vorbehalten, er sagte dem heraneilenden Aufpasser: „Hessische Landesregierung!“ Der Polizist hast das geschluckt, er durfte bleiben. Illies kommt aus der Hessischen Provinz bei Fulda, er hat die sprachliche Färbung ausgespielt – und weiß sich allgemein, inmitten der sensiblen Liebe zur Kunst, auf dem harten Pflaster der Realität, selbst in der Straßenverkehrsordnung, zu behaupten.

Kein Harakiri, aber gepflegtes Passspiel

Am Montag hat Illies, der sich vor fast 20 Jahren einen Namen als Autor des Buches „Generation Golf“ machte, in eben diesem Barberini mit Christoph Amend diskutiert. Amend ist Chefredakteur des „Zeit“-Magazins, Illies hat vor ein paar Tagen die Stelle des verlegerischen Leiters im Rowohlt-Verlag angetreten, zudem gehört er dem Herausgeber-Gremium der „Zeit“ an. Beide, Illies und Amend, kommen aus demselben Haus, es war ein Freundschaftsspiel am Montag. Keine Fouls, kein taktisches Harakiri. Aber gepflegtes Passspiel.

Was macht Kunst mit uns? Wann und warum berührt sie? Welche Werke begleiten uns ein Leben lang? Fragen dieser Liga wurden verhandelt, sie klingen nach Behaglichkeit und laufen auf den ersten Blick Gefahr, in Bildungsbürgeranekdoten zu ertrinken. Man liegt mit diesem Eindruck nicht ganz falsch. Trotzdem ziehen die frischen, immer auf einer belesenen, aber nicht belehrenden Grundlage ruhenden Argumente von Illies in den Bann.

Die Welt aus Lila-Tönen zusammenbauen

Bei ihm begann es mit dem Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross (1856-1910) , sagte Illies, was sich gut trifft, weil Cross derzeit im Barberini ausgestellt wird, seiner einzigen deutschen Einzelschau 2018. „Wir fuhren mit der Klasse nach Frankfurt ins Städel, dort hing dieses Bild von Cross, ,Nachmittag im Garten’ aus dem Jahr 1904.“ Illies war zehn, „ich wollte von dem Bild nicht mehr weg.“ Die gesamte Wirklichkeit aus Lila-Tönen zusammengebaut – „natürlich sieht es draußen nicht so aus, aber eigentlich eben doch“, resümiert Illies, heute 47 Jahre alt.

Es habe ihn nicht daran gehindert, in den „nächsten vier Jahren weiter Fußball zu spielen“, erzählte Illies am Montag im Barberini, doch die Liebe zur Kunst war geweckt. Sie führte ihn zu Caravaggio und seinem Zweifel an Gott, dann zu Günter Fruhtrunk, dem minimalistischen Designer der blauen Aldi-Tüte, und dessen abstraktem, umstrittenem Werk. „Ich halte es für einen Bestandteil großer Kunst, wenn sie nach ihrer Entstehung erstmal angefeindet wird“, glaubt Florian Illies, der bislang verlässlich vom Erfolg geprägt war. Doch er hat den Blick für Außenseiter nicht verloren.

Von Lars Grote

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