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Kultur Florian Wackers Abenteuerroman „Stromland“
Nachrichten Kultur Florian Wackers Abenteuerroman „Stromland“
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18:02 27.06.2018
Florian Wacker Quelle: Mairisch Verlag
Potsdam

Wenn im Urwald jemand verschwindet, heißt das nicht, dass er tot ist. Der Amazonas schreibt seine eigenen Geschichten. Das mussten die spanischen Eroberer lernen und die Jesuiten. Später die Goldsucher, Kautschukbarone, Holzfäller und Huren. Viele verschluckte der Dschungel. Auch Thomas brach 1982 nach Iquitos auf. Als Mitglied von Werner Herzogs „Fitzcarraldo“-Filmteam. Nach den Dreharbeiten blieb er in Peru. Weil er, der sich immer schon nach Einsamkeit sehnte, den Ort gefunden zu haben glaubte, der ihm entsprach. Er wollte den Ucayali hinauffahren. Das ist das letzte, was Irina von ihrem Bruder gehört hat. Zwei Jahre ist das her. Seitdem ist kein Brief mehr angekommen. Also macht sie sich mit ihrem Freund Hilmar auf den Weg, um den Bruder zu suchen.

Atmosphärisch und aufgeladen

Das Szenario, das Florian Wacker in seinem Roman „Stromland“ entwirft, erinnert an einen Film. In verschiedenen Zeitebenen erzählt der 1980 in Stuttgart geborene Autor und Web-Entwickler, der als Heilpädagoge arbeitete, bevor er am Literaturinstitut in Leipzig studierte, von Irinas Suche am Amazonas und hält bis zum Schluss die Spannung hoch. Sein Buch ist ein moderner Abenteuerroman in der Tradition von Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ (1899). Atmosphärisch und aufgeladen. Man möchte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Während die Expedition den Ucayali hinauffährt und immer weiter in den Urwald eindringt, meint der Leser die unerträgliche Luftfeuchtigkeit und das Surren der Moskitoschwärme förmlich zu fühlen.

Der Traum vom Paradies

Pater Zola, der einst Werner Herzog beim Dreh beraten hat, bleibt in Huatape zurück, so dass Irina und Hilmar auf sich selbst gestellt sind. Im Dschungel geraten sie in die Fänge von Drogenkurieren, die Irina vergewaltigen wollen. Nur durch Zufall werden sie von deutschen Siedlern befreit. Vor vielen Generationen sind die aus Hessen ausgewandert, um in Peru ein neues Leben zu beginnen. Der Traum vom Paradies aber ist der harten Realität lange schon gewichen. Von Kakao und Bananen lässt sich heute nicht mehr leben. Deswegen bauen sie Kokain an. Wissen die Siedler etwas über Thomas? Sind sie ihm begegnet? Haben sie ihn getötet, weil er ihnen auf die Schliche kam? Zu Irina sind sie immer freundlich. Aber ist ihnen zu trauen? Vielleicht wollen die Aussiedler sie nur dazu bewegen, im Urwald zu bleiben und auf ihren Plantagen zu arbeiten, um das Blut der Familie aufzufrischen?

Alle Figuren sind auf der Suche

Nach Büchern wie „Albuquerque“ (2014) und „Dahlenberger“ (2015), in denen Florian Wacker Geschichten über das Erwachsenwerden erzählte, hat der in Frankfurt am Main lebende Autor sich im neuen Roman einen ganz anderen Stoff gewählt. Manches Geheimnis gibt er bis zum Schluss nicht preis. Gekonnt spannt er die Fäden, schaltet in kurzen Kapiteln Exkurse über die Geschichte der Missionare, Konquistadoren und Siedler ein und erzählt nebenbei Anekdoten über den Streit zwischen Klaus Kinski und Werner Herzog. Alle Figuren sind auf der Suche. Sie entfliehen der Zivilisation und glauben in der urtümlichen Natur ihre Bestimmung zu finden. Hilmar bringt es auf den Punkt: „Es ist alles so weit weg von unserem Leben. Und deshalb viel näher dran.“ Auf einer Metaebene erzählt der Roman von der Suche nach Sinn – von Glücksrittern und gescheiterten Träumen – am Amazonas und anderswo.

Florian Wacker: Stromland. Berlin Verlag. 352 Seiten, 20 Euro.

Von Welf Grombacher

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