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Kultur Für all die Träumer im chaotischen Berlin
Nachrichten Kultur Für all die Träumer im chaotischen Berlin
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07:24 07.11.2018
Quer über den Kontinent gereist – dann war das Wiedersehen perfekt: Es ist eine Freude, der zum Fünfer angewachsenen Band Mt. Joy zuzuhören. Quelle: Promo
Potsdam

Bisweilen ist es gar nicht so schlimm, wenn man sich aus den Augen verliert. Matt Quinn und Sam Cooper, die sich aus Philadelphia kannten, ist es so ergangen. Einst Buddys an der High School trafen sie sich schließlich in Los Angeles wieder. Das alte Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen den Gitarristen und Sängern stellte sich bald wieder ein. Mit Michael Byrnes gründeten sie Mt. Joy.

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Ganz leichtfüßig tänzeln The Wave Pictures vorbei. Locker wie weiland Paul Simon auf „Graceland“ oder – für die Jüngeren – wie Vampire Weekend. Das Trio aus Englang reicht uns die Hand – wir hüpfen mit. Später geht es kompetent noch weitere Dekaden zurück. Die Beat-Ära mit ausgeflipptem psychedelischem Touch liegt den drei Musikern auf ihrer bereits zweiten Langrille in diesem Jahr ebenso. Munter geht die Partie ab. Mit Mundharmonika und Mandoline. Oder mal hinüber zum Blues und Riffs, wie sie Keith Richards raushaut. Die längst in London ansässige Band tritt am Montag, dem 12. November, um 19.30 Uhr mit Freschard aus dem Burgund im Humboldthain Club in Berlin-Gesundbrunnen auf.

The Wave Pictures: Look Inside Your Heart. Moshi Moshi/Rough Trade.

Unfassbar, welchen superb gestuften Satzgesang Darlingside da hinlegen. Fast a capella bis auf eine paar flirrende Keyboards. Das klingt geschult an Crosby, Stills, Nash & Young oder – für die Jüngeren – ein Stückchen nach den Anfängen der nicht minder verehrten Fleet Foxes aus Kalifornien. Eine Melodieführung zum Hinknien. Direkt aus dem Himmel. Dann mischt plötzlich eine zärtlich geblasene Tromete mit. Oder eine Flöte. Die Gitarren jingeln und jangeln. Immer großes Kino, wenn an imposante Pop-Geschichte erinnert wird. Wenn die Musiker aus Massachusetts in der Gegenwart dennoch ihren Weg beschreiten. Selbst, wenn Simon & Garfunkel in ihren Folk-Pop mehr als nur einmal aufglänzen. Darlingside am Donnerstag, dem 8. November, um 20 Uhr im Privatclub in Berlin-Kreuzberg.

Darlingside: Extralife. More Doug Records/Thirty Tigers/Alive.

Dann passierte es: Ihr Song „Astrovan“ begeisterte mehr Millionen auf dem Streaming-Portal Spotify. Mehr als fünf Millionen Mal wurde er heruntergeladen. Ihr freundlicher, relaxter, stets facettenreicher Folk-Rock wurde gemocht. Aus dem Trio wurde rasch ein Fünfer. Der ging auf Tour und legte bald sein Debüt vor. Kein Schnellschuss, vielmehr zwangloser Ausweis einer schon jetzt ausgeklügelten Genre-Kundigkeit.

Liebt Berlin, akustischen Wohlklang und mehrstimmigen Gesang: Alice Rose aus Kopenhagen. Quelle: Promo

Holz und Stahlsaiten statt Schaltkreise und Plastikspielzeug: Alice Rose schlägt mit einer Reihe von Freunden, so scheint es, auf ihrem jüngsten Album den analogen Weg ein. Verschiedenster Elektronik und Looptechnik bei Auftritten auf der Straße zuvor nicht abgeneigt, setzt die Dänin, die neben Geige und Ukulele auch die aus altem Folk und Country bekannte Kastenzither spielt, nun ganz deutlich aufs Handgemachte. „What To Do In The Rain“ kommt ganz pur daher. Zwölf ruhig intonierte, warme, geschickt ausgestaltete und daher unmittelbar ins Herz treffende Songs. Und sie gibt zu, dass sie der Vergangenheit anhängt. Manchmal. Und Berlin und seine Träumer liebt. Wenn Alice also fragt, was man tun soll, wenn’s regnet, ist ganz leicht zu beantworten: Ihr lauschen.

Die Konzerte: Mt. Joy treten am Montag, dem 12. November, um 20 Uhr im Badehaus in Berlin-Friedrichshain auf. Alice Rose spielt bereits am Donnerstag, dem 8. November, mit Band zur Premiere ihrer neuen Platte um 20 Uhr im Prachtwerk in Berlin-Neukölln.

Von Ralf Thürsam

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