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Kultur Ewige Lichtgestalt Mandela
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08:18 09.07.2018
Mandelas Rückkehr nach Robben Island, 1994. Quelle: Jürgen Schadeberg
Potsdam

Wenn anderen zum Heulen zumute gewesen wäre, begegnete Nelson Mandela dem Ernst der Lage mit einem Lächeln. So war es bei der Rückkehr in seine langjährige Gefängniszelle und auch, als er kurz vor seiner Wahl zum südafrikanischen Präsidenten schwer verletzte Opfer eines Anschlags rechtsradikaler Täter besuchte. Ein Bild zeigt den Friedensaktivisten vor der Klinik, eine Menschentraube umgibt ihn, er blickt lächelnd heraus.

Moses Kotane und Nelson Mandela während des Verratsprozesses, 1958. Quelle: Jürgen Schadeberg

Mit Gleichmut gegen Hass und Gewalt – so lässt sich das öffentliche Bild Mandelas zusammenfassen. Der 2013 verstorbene Friedensnobelpreis-Träger war schon vor seinem Tod zum Symbol geworden. Ein personifizierter Hoffnungsschimmer, der beweist, dass Versöhnung auch zwischen den ärgsten Feinden möglich ist. Anlässlich des 100. Geburtstags von Mandela zeigt eine Ausstellung im Willy-Brandt-Haus Fotos von Louise Gubb und Jürgen Schadeberg, die das öffentliche Bild der charismatischen Friedensikone mitgeprägt haben.

Ein Mann von Ehrfurcht und Bescheidenheit

Ein persönlicher Text leitet die Aufnahmen von Gubb ein. Darin erzählt die südafrikanische Fotojournalistin von einem unverhofften Mittagessen mit Mandela, von ihrer Ehrfurcht und seiner Bescheidenheit. Diese Bewunderung prägt die Aufnahmen, die meist die Begegnung mit Kindern und Jugendlichen dokumentieren. Die Titel erinnern an die Slogans eines Wahlprogramms – „Gleiche Bildung für alle“, „Großartiges Afrika“, „Wünsche für ihre Zukunft“. Das letztgenannte Foto zeigt Mandela Stirn an Stirn mit einem Mädchen. Beide schließen ihre Augen, er wirkt wie ein Guru, der seine Heilkraft überträgt.

Großvater Nelson im Mai 1990 mit seinem Enkel Baby Bambata. Quelle: Louise Gubb

Anstatt den Betrachter die Bilder selbst reflektieren zu lassen, drängen sich die nach Parteiprogramm klingenden Erklärtexte auf. Da steht zum Beispiel neben einem Bild von 1993, dass Mandela oft arme staatliche Schulen besuchte, um die Bedeutung von Bildung zu betonen. Welcher Kandidat hätte das im Wahlkampf nicht gemacht? Die Fotos und ihre Präsentation werden der faszinierenden Persönlichkeit Mandelas nicht gerecht. Das gilt auch für das Bild mit dem Titel „Heldenbesuch“, das nach Mandelas Amtsantritt in einer Grundschule entstand. Mandela steht in einem Pulk aus Kindern, die nach seinen Händen greifen, er freut sich, eine Blume wird gereicht, unter den getönten Brillengläsern sind noch nicht mal die Augen des Charismatikers zu erkennen. Eine der wenigen Ausnahmen, die einen Blick hinter die Kulissen erlauben, ist eine Nahaufnahme, die Mandela mit einem Enkelkind zeigen. Das Baby zieht seinem Opa in Anzug und Krawatte bei einem offiziellen Termin an der Nase und stochert darin rum. Mandela hälts aus, tut nichts, um im Blitzlicht der Pressefotografen adrett zu wirken. Eine interessante private Facette des Mandela-typische Gleichmuts. Allerdings: Es ist die einzige.

Aktivist in seinem Anwaltsbüro

Die Arbeiten des in Berlin geborenen Fotografen Jürgen Schadeberg zeigen zumindest in Ansätzen eine andere Seite der Ikone. In den 50er- und 60er-Jahren, als die spätere Friedensikone zum Teil auch den bewaffneten Widerstand propagierte, besuchte der Fotograf den Aktivisten unter anderem in seinem Anwaltsbüro. Mandela wirkt auch auf diesen frühen Aufnahmen bereits charismatisch, mit Kippe im Mund und Zeitung in der Hand macht er sich auf, die Welt zu verändern. Der junge Mandela zieht bereits alle Blicke auf sich. Die Schwarz-Weiß-Fotografien setzen ihn gegenüber seinen Mitstreitern ins Licht, sie betonen die Wirkung auf die wachsende Gemeinschaft seiner Anhänger.

Zum 100. Geburtstag

Die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela am 18. Juli bietet insgesamt 45 Fotografien von Louise Gubb und Jürgen Schadeberg. Neben einigen frühen Bildern gibt es vor allem Fotos aus den 1990ern zu sehen.

Die Bilderschau ist vom 8. Juni bis 9. September im Willy-Brandt-Haus in der Stresemannstraße 28 zu besuchen. 12-18 Uhr. Eintritt frei. Ausweis erforderlich.

Auch die späteren Arbeiten von Schadeberg sind – abgesehen von ein paar staatstragenden Heldenporträts – eindrücklicher als die von Gubb. Sie gehen ganz nah ran, fokussieren die Furchen und Falten des Jahrhundertpolitikers. Insgesamt bietet die an Überraschungsmomenten arme Ausstellung immerhin eine Erkenntnis: In unserer heldenlosen Zeit, in der Versöhnung zum gehämten Begriff mutiert ist, herrscht eine große Sehnsucht nach alten und neuen Ikonen der Friedensbewegung.

Von Mauric Wojach

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