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Fotografie trifft Malerei

Künstlerduo Hiller und Specht Fotografie trifft Malerei

Das Künstlerduo Gabriele Hiller und Stefan Specht schafft ungewöhnliche Werke zum Mieten. Ihre Motive sind meist Potsdamer Ansichten. Kennengelernt haben sich die beiden bei einer Vernissage.

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Der Mix aus Fotografie und Ölfarbe auf Leinwand zieht die Betrachter schnell in den Bann.

Quelle: Fotos: Stefan Specht

Potsdam. Schwer zu sagen, was dort im Wartezimmer der Potsdamer Arztpraxis hängt. Ist es ein Foto? Ist es ein Gemälde? Was Augenärztin Juliana Hänsgen in ihren Wartebereich gehängt hat, ist beides. Genau genommen handelt es sich um ein Foto des Fotografen Stefan Specht, auf Leinwand gezogen und bearbeitet von der Malerin Gabriele Hiller. Für viele Patienten ist die Begegnung mit dem „Brandenburger Tor“ ein erster Sehtest. „Wenn sie nach einigen Minuten erkennen, was sie vor sich haben, sind sie schon Mal nicht ganz blind“, so die Augenärztin mit einem Schmunzeln.

Die Malerin aus Wildenbruch und der Potsdamer Fotograf haben sich auf einer Vernissage kennengelernt. Auch wenn beide sehr unterschiedliche Arbeitsweisen und -gebiete haben, funkte es beruflich sofort. Stefan Specht ist gern in Potsdam unterwegs, beobachtet, wie sich das Licht ändert und mit ihm die Atmosphäre von Gebäuden, Straßen und Plätzen. Gabriele Hiller hat ein Gespür für die Kombination von Formen und Farben. Und: Sie erkennt schnell, welches Werk in welchen Raum passt.

Seit etwa einem Jahr arbeiten die Malerin und der Fotograf zusammen, haben in dieser Zeit rund ein Dutzend Werke geschaffen. „Während ich als Künstlerin sonst mein eigenes Süppchen koche, ist in einer Kooperation eine gute Kommunikation wichtig“, sagt Gabriele Hiller. Regelmäßig trifft sie sich mit Stefan Specht, entwickelt Ideen, bespricht Fotos, zeigt eigene neue Arbeiten.

Wenn der Fotograf in ihr Atelier kommt, ist seine Arbeit bereits zum großen Teil erledigt. Dann hat er eine Auswahl an neuen Fotos dabei, für die er pro Motiv oft mehrere Tage benötigt. „Meine Arbeitsweise hat sich geändert“, sagt Stefan Specht. Der Business- und Hochzeitsfotograf sah sich früher eher als Sammler, hatte bereits viele hundert Menschen vor der Kamera. „Jetzt bin ich Jäger“, so Stefan Specht. Ich bin auf der Pirsch und suche die perfekte Location. Dann lege ich mich auf die Lauer. Ist der richtige Moment gekommen, drücke ich ab.“

Der Charakter des Bildes ist wichtig

An Gabriele Hiller ist es dann, aus einer Serie von Motiven ihren Favoriten zu wählen und zu bearbeiten. Welchen Charakter hat das Bild? Wo kann man Kontraste verstärken? Mit welcher Technik kann die Aussage des Bildes verstärkt werden? „Meist schleiche ich einige Tage um das Bild herum. Erst wenn ich das Aha-Moment habe, greife ich zu Farbe und Pinsel, nutze einen Spachtel oder nehme meine Finger“, so Gabriele Hiller.

Die Motive bilden meist Potsdamer Ansichten. Interessenten sind Bürogemeinschaften, Arztpraxen, Kanzleien. „Überall dort, wo Gäste sich willkommen fühlen sollen“, sagt Gabriele Hiller. Sie war es, die sich für die Vermarktung einen ungewöhnlichen Weg erdacht hat. Die Werke von Hiller und Specht können nämlich gekauft und sogar gemietet werden. „Für Mieter hat das gleich mehrere Vorteile“, erklärt Gabriele Hiller. So sei der monatliche Betrag überschaubar und kann außerdem als Betriebsausgabe verbucht werden. Der Clou aber: Mindestens alle sechs Monate schaut die Malerin vorbei und tauscht die Bilder aus. „Einige Kunden wechseln die Werke nach Jahreszeit, andere einfach nach Stimmung“, erzählt die Wildenbrucherin.

Ein Zufall hatte sie vor einigen Jahren auf den Gedanken gebracht, Fotografie und Malerei zu kombinieren. Ein Hobbyfotograf hatte eins seiner Bilder auf Leinwand ziehen lassen und fragte die Künstlerin nach ihrer Meinung. „Und plötzlich tauchte die Frage in mir auf, wie sich wohl Ölfarbe auf dem Bild machen würde“, so Hiller. Sie bekam das Bild und probierte sich aus. Das Ergebnis begeisterte. Mit der zum Teil massiv aufgetragenen Farbe bekam das Werk eine ungeheure Dreidimensionalität. Je nach Motiv verwendet Gabriele Hiller unterschiedliche Techniken. Für Wolken nimmt sie oft die Finger, um Farbe aufzutragen. Strukturen wie Gebäudefassaden modelliert sie mit unterschiedlich großen Spachteln.

Seit dem ersten Erfolg war Gabriele Hiller auf der Suche nach einem Fotografen, mit dem sie zusammenarbeiten kann. „Mit Stefan habe ich den perfekten Partner gefunden“, sagt sie. „Ich bin immer voller Vorfreude, wenn er mit neuen Bildern zu mir kommt.“ Spannend sind für die beiden Künstler Auftragsarbeiten. „Gerne werden besonders repräsentative Häuser in Szene gesetzt. Die Auftraggeber haben dann oft ganz konkrete Vorstellungen, die wir möglichst genau umsetzen“, sagt Stefan Specht. „Bislang haben wir immer Begeisterung geschaffen.“

Besichtigung der Werke in Gabriele Hillers Atelier in der Potsdamer Allee 3 in 14552 Michendorf, OT Wildenbruch oder im Internet unter www.artfiness.de

Kunst zu mieten

Gabriele Hiller besucht die Kunden, die ein Bild mieten wollen, schaut sich die Räumlichkeiten an und macht einen Plan, was passen kann.

Dann bringt die Künstlerin eine Auswahl von Bildern und der Kunde wählt aus, was ihm gefällt.

Standard ist ein halbjährlicher Wechsel. Wer öfter neue Werke haben möchte, kann das. Wer sich in ein Bild verliebt hat, kann es auch länger behalten oder kaufen.

Der Mietpreis richtet sich nach der Größe des Bildes. So kostet ein Bild der Größe 120cm x 80cm 48 Euro netto pro Monat.

Von Bolko Bouché

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