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Fotos aus dem Osten der Ukraine

Ausstellung von Yevgenia Belorusets Fotos aus dem Osten der Ukraine

Diese Bilder zeigen den Alltag im Krieg in der Ostukraine. Die ukrainische Fotografin Yevgenia Belorusets war monatelang im Kriegsgebiet und hat das Leben der einfachen Menschen dort abgelichtet. Bilder aus einer Region, von der wir nicht viel wissen.

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Quelle: Fotos: Yevgenia Belorusets

Berlin. Diese Gesichter! Drücken sie den Mut der Verzweifelten aus? Oder schimmert doch ein wenig Hoffnung durch? „Die Menschen sehen glücklich aus“, sagt Yevgenia Belorusets: „Es sind Momente des Stolzes und der Freude, in denen ich diese Aufnahmen gemacht habe, Momente, in denen man glaub, dass das Schreckliche vorbei ist“, so die 35-jährige Ukrainerin.

Die Fotografin Yevgenia Belorusets war dort, wo derzeit kaum jemand fotografiert. Weit im Osten der Ukraine, wo die Front zwischen den von Russland unterstützten Separatisten und den ukrainischen Streitkräften verläuft. Mehrfach war sie seit Ausbruch des Krieges im Februar 2014 im Donbass: in Drushkowka, Slawiansk, Lissitschansk... Orte, von denen im Westen zuvor kaum jemand etwas gehört hatte. Namen, die heutzutage nichts Gutes bedeuten. Denn an diesen Orten wird geschossen, gemordet, gebrandschatzt. Mehr als 6000 Menschen hat dieser Krieg mittlerweile das Leben gekostet. Ein Krieg, der offiziell gar nicht stattfindet, denn seit dem Waffenstillstandsabkommen von Minsk im vergangenen Februar sollten die Waffen schweigen. Tun sie aber nicht.

Aber wer will das hierzulande schon so genau wissen? Längst haben andere menschliche Katastrophen Nachrichtenkonjunktur: die Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken, der Terror des IS. Yevgenia Belorusets versucht unsere Aufmerksam zurückzulenken, auf eine Region, in der sich ein neuer Ost-West-Konflikt aufgeschaukelt hat, wo der neue kalte Krieg heiß geworden ist. Sie zeigt Menschen, die mit dem alltäglichen Terror des Krieges leben müssen.

Zu sehen sind ihre Bilder derzeit genau da, wo einmal die Grenze zwischen Ost und West verlief: in der Kapelle der Versöhnung, die in Berlin auf dem einstigen Mauerstreifen an der Bernauer Straße, auf den Trümmern der 1985 gesprengten Versöhnungskirche steht.

Kunst und Menschenrechte

Yevgenia Belorusets ist Fotografin, Konzeptkünstlerin und Autorin. Sie lebt in Berlin und Kiew. Sie arbeiten vor allem mit Videos, Fotos und Installationen.

Auf der diesjährigen Biennale in Venedig waren ihre Arbeiten zeitweise im Ukrainischen Pavillon zu sehen.

Seit Beginn des Krieges Anfang 2014 im Osten der Ukraine beschäftigt sich Yevgenia Belorusets mit künstlerischen Dokumentationen des Alltags in ihrer Heimat.

Die 35-jährige Ukrainerin ist Mitglied in mehrere Menschenrechtsinitiativen im Osten der Ukraine.

Yevgenia Belorusets zeigt keine Waffen und kein Militär. Sie fotografiert Menschen bei der Arbeit. Und diese Bilder haben etwas Verstörendes. Häufig etwas dunkel gehalten, nicht selten von Rauchschwaden durchzogen, wirken sie, wie aus einer anderen Welt. Es ist die Welt eines postsozialistischen Landes, das nach 1989 wenig Chancen hatte, wirtschaftlich auf die Beine zu kommen. Veraltete Maschinen und Werkzeuge sind zu sehen, heruntergekommene Gebäude. Und Menschen im Kohlebergbau. Angestrengt, schmutzig, müde, aber immer strahlen sie eine Würde aus, als wollten sie sagen: „Dieser Krieg ist euer Krieg. Ich will damit nichts zu tun haben!“

Die Bilder erinnern teilweise an die Ikonen der sozialistischen Arbeiterfotografie. Nur der Kontext ist anders. Statt Klassenkampf drücken sie Trotz aus. Den Trotz der Opfer dieses Krieges, die ihn bekämpfen, indem sie einfach versuchen, ihr normales, bescheidenes Leben weiterzuführen. „Diese Menschen hatten oft mit beiden Seiten der Front zu tun“, sagt Yevgenia Belorusets. Beide Seiten wollten sie anwerben, damit sie eine Waffe in die Hand nehmen. Aber sie wollten nicht. Unbeirrbar arbeiteten sie weiter, reparierten ihre von Schüssen und Bomben beschädigten Betriebe und lebten ihr Leben. Sie demonstrieren, dass auch im Osten der Ukraine Frieden möglich ist.

Eine große Leistung, in einer Region, in der es keine Wahrheit gibt, in der Ideologien den Alltag durchziehen und die Medien nur Propaganda verbreiten, findet die Fotografin. Eine Leistung, der großer Respekt gebührt.

Yevgenia Belorusets: Versöhnung, die wir verpasst haben. Fotoausstellung über das friedliche Leben in den Kriegsgebieten der Ostukraine. Kapelle der Versöhnung, Bernauer Str. 4, 10115Berlin. Di – So, 10.00 -17.00 – Uhr . Bis 11. November. Eröffnung Freitag 18.00 Uhr.

Von Mathias Richter

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