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Kultur Frank Matthus wird von Georg Quander abgelöst
Nachrichten Kultur Frank Matthus wird von Georg Quander abgelöst
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00:22 29.06.2018
Der amerikanische Opernsänger Jared Ice als Faal. Quelle: Oliver Junge
Rheinsberg

„Ich muss nur ,Potsdam’ auf einem Autobahnschild lese und schon kocht in mir die Wut hoch“, sagt Frank Matthus. Dafür gibt es mindestens zwei Ursachen. Das brandenburgische Bildungsministerium verweigert seiner Frau, einer studierten Grundschullehrerin und Konzertklarinettistin aus der Schweiz, im Gegensatz zum Neuruppiner Schulamt die Anerkennung als Musiklehrerin. Vor allem aber: Die 28-jährige Ära Matthus der Kammeroper Schloss Rheinsberg geht in diesem Sommer unwiderruflich zu Ende.

Montagnachmittag. Wir sitzen vor dem Ratskeller in Rheinsberg. Frank Matthaus hat sich wie immer eine schicke Sonnenbrille über die Stirn in die glänzende Langhaarfrisur geschoben. Wenige Stunden zuvor sind die letzten der 60 jungen Sänger aus mehr als zehn Ländern in dem kleinen Touristenstädtchen bei Neuruppin eingetroffen. In diesem Sommer stehen „Cosi fan tutte“, „Der Freischütz“ und zum vierten Mal auch eine zeitgenössische Opernuraufführung auf dem Programm. Während wir reden, erzittert im Drei-Minuten-Takt das idyllische Städtchen, weil es von tonnenschweren Holztransportern durchquert wird.

Vor vier Jahren hat Frank Matthus die künstlerische Leitung der Kammeroper Schloss Rheinsberg von seinem Vater, dem Komponisten Siegfried Matthus, übernommen. Schon damals hieß es von Seiten des Kulturministeriums, sein Dreijahresvertrag solle nicht verlängert werden. Wurde er dann aber doch um ein Jahr, unter der Voraussetzung, dass Matthus „freiwillig“ seinen Rückzug erklärt. Der eigentliche Grund für das vierte Jahr war aber eine Hängepartie, die bis gestern, bis zum 26. Juni, anhielt. Dem federführenden Kulturministerium gelang es über Jahre und Monate nicht, ein belastbares Konzept und einen Matthus-Nachfolger zu präsentieren. Mit diversen Plänen konnten Abteilungsleiter Reiner Walleser und Thomas Falk, der von ihm eingesetzte Geschäftsführer vor Ort, die Stadt Rheinsberg, den Landkreis Ostprignitz-Ruppin und den Freundeskreis der Kammeroper nicht überzeugen. Dabei braucht ein seriös geplanter Festivalsommer, zumal wenn er neu ausgerichtet werden soll, Vorlaufzeiten von deutlich mehr als zwölf Monaten.

Auf den letzten Drücker wurde für den gestrigen Dienstag, 10 bis 13 Uhr, eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen. So steht nun bei der Eröffnung der 2018er Saison am Freitag wenigstens fest, dass es 2019 überhaupt weitergehen soll. Frank Matthus erlebte das Geschachere hinter den Kulissen, das wie bei seiner Berufung ohne öffentliche Ausschreibung geschah, nur als schlimme Zumutung. In seine intensiven Endproben für „A Bad Man’s Life“ platzte gestern die Mitteilung, dass ihm der 14 Jahre ältere Georg Quander im Amt nachfolgen soll.

„Das ist so, wie wenn die Nationalmannschaft für das nächste Spiel bei der WM trainiert und parallel wird die Nachfolge von Jogi Löw bekanntgegeben“, sagt Matthus. Dabei möchte er alles andere als verbittert wirken. „Vielleicht werde ich ja dem Kulturministerium in Potsdam irgendwann dankbar sein, dass es mich über den Tellerrand geschubst hat“, sagt er. „Aber zur Zeit weiß ich nicht einmal, ob ich in Brandenburg bleiben kann.“ Matthus wohnt seit 1996 in Netzeband, wo er den Theatersommer mit aus der Taufe gehoben hat. Mit Land und Leuten ist er von Kindesbeinen an vertraut. Für die Kammeroper Schloss Rheinsberg setzte er 2014 einige Neuerungen durch und die Besucherzahlen erlebten in seiner kurzen Ära sogar einen leichten Anstieg. „Im nächsten Jahr werde ich im russischen Karelien und in Kaiserslautern inszenieren, das steht schon fest“, erzählt er. Doch in Gedanken ist er ganz bei den aktuellen Proben im Schlosstheater. Am Freitag steht die Uraufführung von „A Bad Man’s Life“ an. Matthus führt nicht nur Regie, sondern hat auch das Libretto geschrieben, das von dem Kölner Komponisten Marc-Aurel Floros vertont wurde und als „Opernburleske“ ausgeflaggt wird.

„Aus meinem Text lässt sich sicher viel Frust und Wut herauslesen. Er handelt auch von den Abschieden eines älter werdenden Mannes.“ Matthus, vierfacher Vater, meint offenbar eine Midlifecrisis. Der 54-Jährige erlebte den 40. Geburtstag als „das Alter der Jugend“ und den 50. als „die Jugend des Alters“. Die Hauptfigur in seinem Libretto heißt Faal, eine Verschmelzung aus „Faust“ und „Baal“. Ausdrücklich bedankt sich der Autor bei Goethe, Brecht und Charles Bukowski, von denen er Motive aufgegriffen hat.

Faal ist ein Auserwählter, der noch einmal in die Welt zurückgeschickt wird und eine Oper schreibt. Er treibt es gleich mit drei Frauen und endet als frustrierter Gewalttäter. Die ziemlich krude Handlung, in der auch Gott, Engels-Chöre und ein Arzneimittelkonzernchef auftreten, beginnt mit einem Streitgespräch in Versform. „Die Oper woll’n wir neu erfinden,/ Und junge Menschen an sie binden!“, so die Hoffnung des künstlerischen Direktors. „Don’t ,Think big’ – denk lieber Little“ -/ Dann fließen dir die Fördermittel“, entgegnet der Geschäftsführer. Und der Komponist unkt: „Der Mensch, begreife ich ihn ganz,/ Besteht – zumeist – aus Dissonanz ...“

Die erste Opernszene in einem Altersheim konterkariert das, wofür Rheinsberg eigentlich steht: Junge Stimmen. Aufgesetztes Vibrato soll das fehlende Alter der neun Sänger wettmachen. Der Text ist kaum zu verstehen, kann aber in Leuchtschrift mitgelesen werden.

Wie es unter Georg Quander weitergehen wird, weiß noch niemand. Der erfahrene Kulturmanager wurde in Düsseldorf geboren und leitete von 1991 bis 2002 als Intendant die Deutsche Staatsoper Berlin. Von 2005 bis 2013 war er Kulturdezernent der Stadt Köln. Ob er das Publikum mit romantischen Opern des 19. Jahrhunderts nach Rheinsberg locken will (das war die Idee von Frank Matthus) oder die Identität des Ortes aus dem 18. Jahrhundert deutlicher herausstellen, wird die Öffentlichkeit wohl erst im Herbst erfahren. Noch sind nicht einmal die Vertragsverhandlungen mit ihm abgeschlossen.

Von Karim Saab

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