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Frappierendes Bilder-Theater von Mummenschanz

Gastspiel in der Komischen Oper Frappierendes Bilder-Theater von Mummenschanz

Die Gruppe Mummenschanz hat Theatergeschichte mitgeschrieben und kommt nach Berlin. Oft machen sich die vier Tänzer unsichtbar. Ihr Nummernprogramm ist so vielfältig wie ein italienisches Antipasta-Buffet. Es empfiehlt sich, das Angebot auszukosten, denn ein Hauptgang wird nicht serviert.

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Wie von unsichtbarer Hand gesteuert lassen die vier Tänzer ihre Figuren über die Bühne gleiten.

Quelle: Foto: Promo

Berlin. Zwei Riesenhände auf jeweils zwei kleinen Menschenbeinen werden in der Komischen Oper in der nächsten Woche sieben Mal den roten Vorhang öffnen. Dann heißt es  Bühne frei für ein poetisch-surreales Theater der besonderen Art. Mummenschanz kommt über 80 Minuten ohne Worte, Musik und Töne aus und lässt geometrische Gebilde, merkwürdige Wesen und abstrakte Formen Geschichten erzählen.

Die Schweizer Gruppe entwickelte Anfang der 1970er Jahre eine Bühnensprache, die in afrikanischen Dörfern und in asiatischen Metropolen genauso verstanden wird wie am Broadway in New York oder nun in der Berliner Behrendstraße. Die insgesamt vier Darsteller um die heute 64-jährige Mitbegründerin Floriana Frassetto, eine polyglotte Italienerin, gelten als lebende Klassiker des visuellen Theaters. Sie selbst sehen sich in der Tradition des Bauhaus-Balletts von Oscar Schlemmer.

In Berlin zeigt Mummenschanz 26 Sketche, die im Laufe der letzten vier Jahrzehnte in minuziöser Feinarbeit entwickelt wurden. Ihr Werkverzeichnis umfasst 102 Nummern. Oft sind es nur amorphe oder geometrische Objekte, die in ihrer leuchtenden Farbigkeit aus dem Bühnendunkel herausstechen und als markante, rätselhafte Charaktere miteinander agieren. Ihre Geschichten sind pointiert, mehrdeutig und manchmal auch herrlich banal. Die Zuschauer kommen aus dem kindlichen Staunen nicht heraus.

Durch Auftritte in Muppetshow weltberühmt

Die Gründungsmitglieder begegneten sich erstmals in den 1968er Jahren in Paris. Der Name „Mummenschanz“ ist im Deutschen leicht missverständlich. Gemeint ist kein fragwürdiges Treiben. „Mummen“ käme von Verhüllen und „schanz“ vom französischen „Chance“, heißt es. Die Künstler entwickelten eine Kunstform aus Masken- Figuren- und Tanztheater. Da sie ihre eigenen Gesichter nicht zeigen, vermeiden sie den Begriff Pantomime.

TV-Auftritte in der Muppetshow machten Mummenschanz populär. Die Gruppe wurde in allen Metropolen gefeiert, tritt aber auch in Dörfern auf. Auch die Bluemangroup wurde von Mummenschanz inspiriert.

Gastspiel in Berlin: 21. bis 25. Juli, je 19.30 Uhr. 25. Juli, 15.30 Uhr, 26. Juli, 14 Uhr. Komische Oper. Behrensstraße 55-57. Berlin-Mitte. Karten unter 0331/2840284 (MAZ-Ticketeria).

Da ist zum Beispiel eine Art Riesen-Kiwi, die sich plötzlich in eine obere und eine untere Hälfte teilt und aus deren Mitte sich plötzlich eine knallrote Zunge herausschiebt, die immer munterer wird. Die Erotik der Formen reicht aus, um Spannung herzustellen. Eine äußerst präzise Lichtregie lenkt die Blicke. Die Tänzer bleiben unsichtbar, weil sie schwarz gekleidet und im tief ausgelegten Schwarz der Guckkastenbühne beim besten Willen nicht auszumachen sind. Sie agieren wie Puppenspieler, deren schweißtreibende Arbeit der gebannte Zuschauer auch schnell vergisst. Nur dass da keine puppenartigen Wesen zu sehen sind, sondern oft nur Dreiecke und Kreise, Striche und Punkte, Quader und Pyramiden oder ein dicker gelber Schlauch, der mit einem großen roter Ball ein neckisches Spielchen vollführt.

Einmal flirtet ein Stecker mit einer Steckdose, bis sie endlich zu einem tiefen Kuss verschmelzen. Die Nummern sind so vielfältig wie ein italienisches Antipasta-Buffet. Es empfiehlt sich, das Angebot auszukosten, denn ein Hauptgang wird nicht serviert. Nur süße, kleine Zugaben noch als Nachtisch.

Wenn sich plötzlich Gesichter oder menschliche Gestalten auf der Bühne abzeichnen, wird eine tiefe Sehnsucht des Zuschauers befriedigt. Es gibt einige Sketche, in denen sich lachende oder weinende Münder formen, Augen und Nasen ausdrucksvolle Metamorphosen durchmachen. Einmal treten zwei Gestalten auf, deren Gesichter (Punkt, Punkt, Komma, Strich) durch mehrere Klopapierrollen dargestellt werden. Und wenn sich das eine Auge abgewickelt, fließt eine Träne, die länger und länger wird.

Ruhm erlangte auch die Masken-Nummer. Zwei Darsteller tragen jeweils zehn Kilo einer speziellen, hellgrauen Knetmasse vor dem Kopf und wetteifern darin, sich selbst besonders kuriose Gesichter zu formen.

Beifall und Lacher aus dem Parkett bilden bei Mummenschanz die einzige Tonspur, denn alles geschieht in intensivem Schweigen. Im Nachklang assoziieren die Zuschauer das Bilder-Theater aber gern mit schöner Musik.

Von Karim Saab

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