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Frau Pollin, die Popbeauftragte

Musikförderung Frau Pollin, die Popbeauftragte

Franziska Pollin möchte die Popmusik im Land Brandenburg stärken, denn die Probleme sind bekannt: Bands brauchen einen Proberaum, Technik und Auftritte. Gerade auf dem Land ist das mitunter schwierig. Pollin ist Brandenburgs erste Popbeauftragte, Anfang Juni trat die 30-Jährige ihr Amt an. Ihr Musikgeschmack freilich ist untypisch für ihr Alter.

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Franziska Pollin, eine Frau mit Haltung und Rhythmus.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Franziska Pollin sitzt bei einem starken Kaffee, die Tasse ist kaum größer als ein Fingerhut. Sie nippt und schaut gleich noch ein wenig wacher, obwohl es einer dieser Tage ist, an denen jeder Schritt zur Last fällt. Die Hitze drückt, aber Franziska Pollin wirkt gestärkt von ihrem neuen Amt. Sie ist Brandenburgs erste Popbeauftragte, Anfang Juni trat sie die Stelle an. Welchen Ton im Pop liebt sie am meisten? „Ich habe The Cure gesehen und war hingerissen“, sagt sie, ein Lächeln legt sich um den Mund, als sehe die alten Bilder wieder vor sich. The Cure ist keine gewöhnliche Antwort für eine Frau, die 30 ist, und Platten dieser Band am Erstverkaufstag kaum erlebt hat.

Sie weiß, es geht im neuen Amt nicht um die alten Poster aus dem Jugendzimmer oder den Plattenschrank der Eltern, in dem Frank Zappa stand, Duran Duran, The Doors, Pankow und Silly. Pollin hat sich freigeschwommen, sie richtet den Blick auf alle Gattungen, alle Landesteile und jede Art von Rhythmik. Neulich war sie beim Karneval der Kulturen, sie freut sich, wenn sie einen Punk auf der Straße sieht. Diese Offenheit erfordert Zeit. Ihre Stelle ist für 25 Stunden in der Woche ausgelegt. „Doch tatsächlich arbeite ich länger.“

In Frankfurt haben ihr die Punks gefehlt

Pollin ist in Stralsund aufgewachsen, studierte Medienwissenschaften und Kulturmanagement in Kopenhagen, Potsdam und Berlin. Ihre Bachelor-Arbeit hat sie über „Sub- und Technokultur“ geschrieben, nach dem Studium ging sie nach Frankfurt/Main, wo sie am Städel-Museum gearbeitet hat – verantwortlich für „Bildung und Vermittlung“. Drei Jahre war sie in der Stadt, „doch mir fehlten die Punks.“ Sie spürte: „In der bildenden Kunst gibt es eine riesige Faszination fürs Original. Die fehlt mir. Ich wollte zurück zur Musik.“ Darum war sie froh, als sie von der neuen Stelle in Potsdam hörte.

Das Land merkte, es braucht einen Menschen, der bei populärer Musik den Hut aufhat. Es gibt Programme, um Geige und Trompete an Schulen zu fördern, doch die E-Gitarre blieb bisher Privatsache.

„Ich kaufe mir keine Schuhe, sondern Platten“

Franziska Pollin hatte in ihrer Potsdamer Zeit bei „Localize“ gearbeitet, einem Kulturfestival, das leerstehende Orte sucht und bespielt. Man kannte sie in der Stadt. Darum wurde sie von alten Kollegen als Popbeauftragte vorgeschlagen. Offiziell heißt der neue Job „Ressortleiter: Offensive Popularmusik Brandenburg“ bei der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur, die vom Ministerium für Wirtschaft, Forschung und Kultur finanziert wird. Was Pollin für diese Stelle qualifiziert? „Ich kaufe mir keine Schuhe, sondern Platten!“ Sie lacht.

Ein trauriger Mann mit fester Stimme singt aus den Boxen des Potsdamer Cafés, Franziska Pollin geht zur Anlage und dreht sie runter. Sie möchte gehört werden. Sie haut sich Abende um die Ohren, auf Konzerten, im Dienste der Arbeit. Wenigstens zur Mittagszeit möchte sie Ruhe, sich nicht ständig stemmen gegen diese Wand aus Pop, der alles übertönt.

Auch der Rockverband hilft

Franziska Pollin , 30 Jahre alt, wurde in Stralsund geboren, ihr Amt als Popbeauftragte für das Land Brandenburg trat sie am 1. Juni dieses Jahres an. Zu erreichen ist sie unter franziska.pollin@gmail.com.

Auch der Landesrockverband hilft: Seit Mai dieses Jahres bietet er eine neue „Konsultationsstelle“ in Brandenburg/Havel an, Technik kann geliehen werden, Seminar- und Workshop-Räume werden bereitgestellt. Betreuung durch Danny Janetzky, zu erreichen unter: danny@rockverband.de

Wie steht es also um den Pop in Brandenburg? Sie atmet ein – kurze Pause. „In Potsdam gibt es sehr interessante Musik, aber im Land schwächelt es.“ Was lässt sich dagegen tun? „Ich mache eine Bestandsaufnahme, besuche Bands, sehe mich in sozialen Netzwerken um und gucke, wo es Bedarf gibt. Ich will auch wissen, was in Eisenhüttenstadt passiert. Überall brauchen Musiker Proberäume, Technik und einen, der Auftritte organisiert. Oder hilft, am Stil zu feilen.“

Einen Etat für diese Aufgabe gibt es noch nicht. „Ich muss den Bedarf zunächst ermitteln.“ Nach der Sichtung wird sie dem Ministerium vorschlagen, wo sich interessante Projekte fördern lassen.“ Sie wolle Leute an einen Tisch bringen, moderieren, Kontakte vermitteln.

Franziska Pollin hatte als DJane aufgelegt, viel Techno und Drum and Bass. Als sie elf war, hat sie Schlagzeug gelernt. Nun sorgt sie dafür, andere Musiker ins rechte Licht zu rücken. Es ist ein Job ohne Applaus – „doch genau das, was ich machen möchte!“

Von Lars Grote

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