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Die Frau, die sein Leben veränderte

Cinéma privé Die Frau, die sein Leben veränderte

Im Potsdamer Filmmuseum beginnt an diesem Freitag die Reihe „Cinéma privé“, in der Prominente aus Kultur, Politik und Wirtschaft eingeladen werden, um ihren Lieblingsfilm zu präsentieren. Den Anfang macht Dominic Raacke, der „Die Büchse der Pandora“ zeigt, einen Babelsberger Stummfilm von 1929 unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst.

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Dominic Raacke

Quelle: Promo

Potsdam. Herr Raacke rührt in seinem Kaffee und muss überlegen, ob er in Louise Brooks verknallt ist. „Hm“, macht er – es ist nicht klar, ob er das auf den Kaffee oder auf Louise Brooks bezieht. Dominic Raacke, der 14 Jahre lang den „Tatort“-Kommissar Till Ritter in Berlin gespielt hat, hebt die Stimme, wenn er von der Amerikanerin schwärmt. Frau Brooks trägt Pagenschnitt, die Augen schwarz wie Kohle, ihre Anmut ist ganz frei von Hampelei. Wie eine satte Wildkatze schleicht sie durch ihren Film, von dem Herr Raacke jetzt zu sprechen kommt – von ihrer Stimme weiß man wenig, es ist ein Stummfilm. „ Die Büchse der Pandora“, 1929 unter der Regie von Georg Wilhem Pabst gedreht, entstand in Potsdam-Babelsberg.

In diese Stadt holt ihn Dominic Raacke jetzt zurück. Raacke ist an diesem Freitag ins Filmmuseum als Premierengast der Reihe „Cinéma privé“ eingeladen, die von „Radio Eins“ (RBB) mit der MAZ als Medienpartner veranstaltet wird. Prominente aus Kultur, Politik und Sport zeigen Filme, über die sie reden wollen. Oder reden müssen, weil sie gar nicht anders können, da mancher Film den Lebenslauf seiner Betrachter neu durchmischt.

Louise Brooks in „Die Büchse der Pandora“

Louise Brooks in „Die Büchse der Pandora“

Quelle: © LEEMAGE / FOTOFINDER.COM

So geht es Raacke, 56 Jahre alt, dem die Kellnerin gleich in die Arme fallen will, aus einem Gefühl der Vertrautheit, gewachsen in den 14 „Tatort“-Jahren vor dem Fernseher. Dominic Raacke muss ihr gestehen, dass er sie nicht kennt, und eigentlich mit einem Mann verabredet ist.

Cinéma privé: Stars zeigen ihre Lieblingsfilme

In der Reihe „Cinéma privé“ werden Prominente aus Kultur, Politik und Sport eingeladen, um im Potsdamer Filmmuseum einmal im Monat ihre Lieblingsfilme zu zeigen.


„Radio Eins“ vom RBB veranstaltet die Serie mit der MAZ als Medienpartner. Der Kinoexperte Knut Elstermann spricht vor Filmbeginn jeweils mit dem eingeladenen Gast über das Stück des Abends.

Erster Gast ist Dominic Raacke, der von 1999 bis 2013 einen Berliner „Tatort“-Kommissar spielte.

Karten für diesen Freitag, Beginn 19 Uhr im Filmmuseum, unter 0331/2718112.

Er erzählt, was ihm „Die Büchse der Pandora“ bedeutet: „Louise Brooks kam aus Hollywood nach Potsdam, zu einer Zeit, als hier noch der Puls des Weltkinos geschlagen hat, bevor die Nazis all die großen Künstler vertrieben oder ermordet haben. Louise Brooks hat sich in den Babelsberger Studios emanzipiert, wurde zu einer Frau mit Eigensinn.“ Im Grunde kam sie erst einmal des Geldes wegen. In Potsdam kriegte sie 1000 Dollar in der Woche, Hollywood stellte 700 in Aussicht. Aus der monetären Entscheidung wurde eine mentale, denn Europas Liberalität ließ sie frei aufspielen. „Sie hatte Hingabe und Charme, sie hat alle verrückt gemacht“, sagte Raacke, der sich freimütig in die Schar ihrer Fans einreiht.

Brooks stach selbst Marlene Dietrich aus. Regisseur Pabst sagte: „Die Dietrich ist mir für den Film zu offensichtlich. Ein sexy Blick von ihr, und der Film verkommt zur Burleske.“

Raacke schreibt derzeit an einer fiktionalen Serie, von der er noch nicht weiß, wo sie dereinst zu sehen ist. Er steckt noch in der Arbeitsphase, „Brooks habe ich mir als optisches Vorbild genommen: Es geht um eine Frau, die als Näherin beginnt und es zum Film nach Babelsberg schafft.“

Der Stoff orientiert sich an den US-Serien, die Raacke nachts auf seinem Handy streamt. „Das Fernsehen wird bald tot sein“, sagt er, „starre Programme sind nicht mehr vermittelbar. Auch die deutschen Stoffe müssen sich an den Ideen der amerikanischen orientieren – dort arbeiten bis zu acht Autoren an einem Drehbuch.“

Was immer die Zukunft bringt, Raackes Gegenwart heißt Louise Brooks. Ein Stern von gestern. 1985 ist sie gestorben. Bei „Cinéma privé“ lebt sie wieder auf.

Von Lars Grote

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