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Kultur Am Thema vorbei? So war die Freischütz-Premiere in der Kammeroper
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13:11 04.08.2018
„Der Freischütz“ feierte in der Kammeroper Rheinsberg im Heckentheater Rheinsberg Premiere. Hier zu sehen: Kuno (Filip Server) und Samuel (Yaroslav Yevgrafyev, li) Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Vielleicht war das die wärmste Premiere seit Anpflanzung des Heckentheaters. Man wischt sich die Stirn, während die Ouvertüre die schönsten Melodien aus dem „Freischütz“ antippt: von Jungfernkranz bis Jägerchor. Derweil sitzt Max mit irrem Blick am Bühnenrand. Mal rauft er sich die Haare, dann wieder kritzelt er eilig etwas aufs Papier.

Am Freitag wurde in Rheinsberg in der Kammeroper die Premiere von „Der Freischütz“ aufgeführt.

An der Kammeroper Schloss Rheinsberg ist Max kein Jägerbursche, sondern ein verwirrter Schreiberling. Regisseur Bruno Berger-Gorski verschafft der Oper eine Rahmenhandlung; die ganze Geschichte erweist sich als Alptraum des Geisteskranken. Wir sehen den Reigen seiner Halluzinationen: Höllenhunde, eine Kapelle mit knöchernen Instrumenten, ein Helmut-Kohl-Porträt, sogar Angela Merkel mit Raute-Fingern.

Entertainment pur – doch leider am Thema vorbei

Der tollkühne Ansatz verfehlt jedoch das Hauptthema der Oper. Der Widerstreit zwischen Aberglauben und Aufklärung löst sich in Luft auf, wenn man die Story in den Kopf eines Irren verlegt.

Die jungen Sänger überzeugen stimmlich, werden als Darsteller jedoch wenig gefordert. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt Johannes Schwarz, der dem draufgängerischen Jägerburschen Kaspar seinen sonoren Bariton verleiht. Lob gebührt der meist präzise spielenden Jungen Kammerphilharmonie Berlin unter Simon Krečič, deren Sound jedoch unter der elektronischen Verstärkung leidet. Das Happy End lässt die Regie ausfallen. Das hitzematte Premierenpublikum gibt viel Applaus.

Von Antje Rößler

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