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Freizügigkeit auf der Insel der Gelüste

Erotik-Comic Freizügigkeit auf der Insel der Gelüste

Ein Comic der märkischen Autorin Christiane Sternberg zeigt die nackte Wahrheit der griechischen Aphrodite-Sage. In Zypern, so scheint es, kursieren hinter vorgehaltener Hand noch immer Geschichten über die zügellosen Bräuche zu Ehren der Aphrodite.

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Potsdam. Die alten Griechen waren keine Kostverächter. Wie es den guten Göttern gefiel, nahmen sie sich die Gespielen und Gespielinnen. Dass die weiblichen Wesen genauso beherzt zugriffen, mag bei der Lektüre antiker Sagen manchen Pascha von heute irritieren. Aber so war es nun einmal, will man der Sage Glauben schenken. In vielen deutschen Haushalten finden die Erzählungen um Zeus. Hera und all den anderen griechischen Lichtgestalten im Regal. Gustav Schwab hat im Jahre 1840 sein Werk „Die schönsten Sagen des klassischen Altertums“ vorgelegt. Nun kommt von Zypern ein Comic, das den Sex der Götter und Menschen in der Antike ausgesprochen offenherzig präsentiert. Der Text stammt von einer Berlinerin, die lange als Lehrerin und Journalistin in Brandenburg an der Havel wirkte. Seit zehn Jahren lebt Christiane Sternberg auf der immer noch geteilten Mittelmeerinsel und verehrt ihre Wahlheimat mit „Aphrodite – die nackte Wahrheit“ auf besondere, ziemlich erotische Weis

Wie wahr die Wahrheit ist, mag man angesichts der sagenhaften Quelle für sich entscheiden. Nackt ist die gezeichnete Geschichte in jedem Falle, und das nicht zu knapp. Da wird gebumst, was das Zeug hält, manchmal aus Liebe, meist aus blanker Geilheit und weil es an Tagen wie diesen guter Brauch war. Denn im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Aphrodisien, drei tolle Tage, die die Menschen auf Zypern, damals Kypros, der Liebesgöttin Aphrodite zu Ehren feiern.

Aphrodites wahre Natur

In Zypern, sagt Christiane Sternberg, kursieren „hinter vorgehaltener Hand noch immer Geschichten über die zügellosen Bräuche zu Ehren der Aphrodite im Altertum. Sichtbar ist sie heute ja nur noch als keusche Liebes- und Schönheitsgöttin auf Kühlschrankmagneten oder in Firmenlogos.“ Sie wollte Aphrodites wahre Natur wieder ausgraben und fand in einer Abhandlung von Wilhelm Heinrich Engel, erschienen 1841 in Berlin, Beschreibungen über das Fest der Aphrodisien im alten Kypros, die er aus klassischen Quellen zusammengetragen hat.

Dieses üppige Kultfest, sagt die Autorin, „hat es einfach verdient, dem Vergessen entrissen zu werden. Und darum ist dieses lustvolle Bilderbuch für Erwachsene entstanden“. Christiane Sternberg und Grafiker David Selwood haben ihre erotischen Geschichte im Jahre 217 angesiedelt. Die Menschen strömen herbei, um das Fest zu feiern. Bei aller Freizügigkeit und dem Begehren, dralle Brüste und stramme Männerpracht sehen zu wollen, darf man aber nicht vergessen, dass solche Feten zuerst im Dienste der Fruchtbarkeit und der Initiation junger Menschen standen. Mögen die alten Griechen weniger verklemmt ihre Bedürfnisse zur Schau getragen haben: Der Spaß an der Freude hatte auch bei ihnen den Zweck, für Nachwuchs zu sorgen. In Zeiten großer Kindersterblichkeit war es weit wichtiger als heute, dass die Frauen genügend Kinder gebaren. Die christliche Kirche ruft ihre Glieder ja auch zum aktiven Miteinander auf: „Seid fruchtbar und mehret euch“. Doch über Techniken, Praktiken und Hilfsmittel, die den Liebesakt schön, effizienter oder überhaupt erst möglich machen, hört man bei den Christen wenig bis nichts.

Der Phallos wird von einem Proester geweiht

Der Phallos wird von einem Proester geweiht.

Quelle: Verlag

In „Aphrodite“ leben die Protagonisten ihre Bedürfnisse nach Herzenlust aus. Dabei spielt auch das Freudenhaus eine andere Rolle. Es ist kein Sündenpfuhl, kein dreckiges Loch, es ist eine notwendige Dienstleistungsstätte. Wer monatelang auf See war oder zu Hause nicht bekommt, worauf er Lust hat, der stillt diesen Hunger eben im Bordell. Und doch gab es schon damals eine Schattenseite im Geschäft mit der Liebe. Die Autoren schneiden auch die Zwangs-Prostitution an. Ein widerlicher Kerl greift sich eine junge, unerfahrene Frau und schleppt sie zum Markt, auf dem Hetären verschachert werden. Weil aber die Liebe siegt, erkennt der tapfere Held seine Flamme, legt sich mit den Menschenhändlern an und führt sie in die Freiheit.

Es gibt auch Grenzen

Bei aller Liebe zur Freizügigkeit gab es bei diesem Projekt Grenzen: „Wir haben uns geeinigt, keine pornografischen Geschmacklosigkeiten zu zeigen“, betont Christiane Sternberg, „aber ganz bewusst und in aller Offenheit körperliche Sinnesfreuden darzustellen“. Und zwar so, „wie es in der Antike üblich und völlig normal war“.

Info: Christiane Sternberg, David Selwood, „Aphrodite – die nackte Wahrheit“, Nikosia 2016, 16,50 Euro ISBN 978-9963216369

Von Heiko Hesse

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