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18:47 14.03.2019
„Tod den deutschen Besatzern“ schrieben russische Soldaten 1945 auf die edle Wand. Quelle: Fotos: Friederike von Rauch
Potsdam

Noch ein Foto-Bildband über das Neue Palais in Potsdam gefällig? Als Fotograf muss man sich viel Mühe geben, will man den Prunk in den Sälen einfangen. Dem Original können die Bilderzählungen am Ende dann doch nicht das Wasser reichen. In zweidimensionalen Darstellungen schrumpft der Raumeindruck. Und Gegenstände werden aus ihren Zusammenhängen gerissen.

Quelle: Friederike von Rauch

Foto-Künstlern wie Friederike von Rauch steht das Dilemma ihres Mediums klar vor Augen. Je nach Naturell und Zeitgeist entwickeln sie eine Position. Entweder legen sie großen Wert auf Sachlichkeit, dann huldigen sie der Dokumentarfotografie. Oder sie entscheiden sich für extreme Perspektiven oder besondere Momente, dann krönen sie ihren Bildgegenstand mit einer subjektiven Note und wählen einen romantischen Ansatz.

Quelle: Friederike von Rauch

Der druckfrische Fotobildband von Friederike von Rauch heißt „Neues Palais“. Wer ihn nach einem Museumsbesuch erwirbt, könnte enttäuscht sein. Die aktuellen Eindrücke werden auf den etwa 70 Motiven nicht bestätigt. Im Gegenteil. Das repräsentative Geprahle schimmert in den großartigen Fotos oft nur als schwacher Abglanz durch Vorhänge, Türspalten oder Schutzhüllen hindurch.

„Preußischer Rokoko und rosa Marmor – das ist nichts für mich“, entgegnete die Architekturfotografin dem Direktor der Schlösser und Sammlungen, als der 2011 an sie herantrat. Aber Samuel Wittwer hatte sich etwas dabei gedacht: Er wollte eine Atmosphäre festhalten, die durch die bevorstehenden Sanierungs- und

Die Fotografin Friederike von Rauch. Quelle: Peter Granser

Restaurierungsarbeiten unwiederbringlich verloren gehen würde.

Das Neue Palais hat schon viel erlebt, ehe es in das Portfolio der zugänglichen Museumsschlösser aufgenommen wurde. Als Gästehaus von Friedrich II. nach dem siebenjähjrigen Krieg 1769 errichtet, ließ der letzte Hohenzollern-Kaiser das Schloss ab 1888 für seine Wohnzwecke modernisieren. 2018 fanden sich in einem Safe noch versteckte Briefkonvolute der Kaiserin, die sie nach der Vertreibung 1918 zurückgelassen hatte. 1945 wurde die Residenz von der sowjetischen Armee geplündert. Sie hinterließen im Erdgeschoss auf einem Wandpaneel in roten kyrillischen Lettern unter einem Hammer- und Sichelsymbol den Schriftzug „Tod den deutschen Besatzern“.

Es ist das einzige Foto in dem Fotobildband mit einer plakativen Botschaft. Die anderen Impressionen halten hintergründig eine Zeit fest, in der das Neue Palais im Dornröschenschlaf liegt und ein Schatten seiner selbst ist. „Ich habe mir mein Schloss selber aufgeschlossen“, erzählt Friederike von Rauch. Die heute 51-jährige Berlinerin bekam alle Freiheiten eingeräumt und durfte sich die Schlossflügel und Raumfluchten über märchenhaft sieben Jahre selber erschließen.

Thema ihres Buches ist die Patina, die wie Tau auf den Dingen liegt. Oberflächen wie Parkettböden, Stuhlpolster und Seidentapeten entfalten einen matten Glanz. Ein Geruch liegt in der Luft. Einige fürstliche Suiten sind bereits Baustelle oder fungieren als

Quelle: Friederike von Rauch

Abstellkammern oder Depots. Die Gemälde wurden abgehängt, Kerzenleuchter mit transparenter Plastikfolie verpackt und Möbel faltenreich verhüllt. Dazu kommen Grafikschränke und Möbel aus DDR-Zeit, die Zeitlosigkeit suggerieren.

Friederike von Rauch hat sich dem seltsamen Dämmerzustand voller Respekt genähert. Sie hat auch die Dunkelheit in den Räumen fotografiert, Lichteinfälle und Schattenspiele. Dabei ging sie ganz analog zu Werke, mit einer Plattenkamera ohne künstliche Ausleuchtung und ohne digitale Nachbearbeitung.

Quelle: Friederike von Rauch

Damit liegt sie nicht im Trend. Mit dem Aufkommen der Digitalfotografie wurde eine starke Nachbearbeitung der Bilder üblich. Farben werden rein- oder rausgerechnet, Panoramen zusammengesetzt. Der Kölner Fotograf Achim Bednorz hat 2013 die riesige Deckenbemalung des Festsaals im Neuen Palais auf ein Blatt gebannt. Das menschliche Auge könnte niemals das langgestreckte Gemälde in der Höhe auf einen Blick erfassen. Ein Bild setzt sich erst aus vielen Details im Hirn zusammen. Durch den Einsatz von Kunstlicht erscheinen die Dinge auf den Abbildungen oft in einem ganz anderen Licht.

Quelle: Friederike von Rauch

Das Markenzeichen von Friederike von Rauch als Architekturfotografin ist das quadratische Format. Ihm ist sie auch diesmal treu geblieben. Sie lächelt und sagt: „Ich weiß, das Schloss ist nicht quadratisch.“ Doch von dieser Spannung lebt ihre Kunst. Die regelmäßigen Vierecke wirken formal streng, bezeugen aber ihren weichen, empfindsamen Blick. Für eine mittlerweile historische Ära hat sie eine moderne, sinnliche Bildsprache gefunden. Und die Buchgestalterin Susanne Rösler hat ihre Bildquadrate auf den Seiten so angeordnet, dass sie keinesfalls monoton wirken.

Friederike von Rauch: Neues Palais in Sanssouci. Jovis Verlag, 112 Seiten, 38 Euro.

Von Karim Saab

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