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Kultur „Die Defa war ein Geschenk des Himmels“
Nachrichten Kultur „Die Defa war ein Geschenk des Himmels“
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16:25 19.06.2015
Defa-Familientreffen in der Metroplis-Halle. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Die Defa? „War mein Leben, meine Familie – einfach alles“, schwärmt Konrad Walle (84). Von 1950 bis 1989 arbeitete der Potsdamer als Mischtonmeister im DDR-Filmstudio, „neben dem ich auch gewohnt habe“. Walle sorgte für den guten Ton in Defa-Klassikern wie „Ich war neunzehn“ oder „Solo Sunny“. Ehefrau Ursula war in der Defa-Verwaltung tätig, Sohn Andreas Kamera-Assistent. Die Defa – eine Familie. Knapp 1000 Familienmitglieder haben sich am Freitag im Filmpark Babelsberg getroffen. Wie das so ist, wenn man sich in der Familie längere Zeit nicht gesehen hat, wird gefragt und gestaunt: Wie geht’s, was machst du? Toll siehst du aus! Hast dich gut gehalten!

Wenn also knapp 1000 ehemalige Beschäftigte der Defa aufeinander treffen, kommt man kaum einen halben Meter ohne Drücken und Herzen und Fragen und Antworten weit. Filmpark-Betreiber Friedhelm Schatz hat die einstigen Kollegen zu einer großen, grundsätzlichen Dankeschön-Party eingeladen. Wer jemals seit der Gründung der Defa 1946 und ihrem Ende 1992 auf dem Gelände der heutigen Medienstadt Potsdam-Babelsberg gearbeitet hat – ob als Requisiteur, Regisseur, Tonmann oder Kamerafrau, im Kopierwerk oder bei der Betriebszeitung „Defa Blende“. Alle, alle durften, sollten sie kommen. „Den Defa-Leuten wird zu selten gedankt. Ohne sie wäre aus der Medienstadt Babelsberg in den vergangenen Jahren nicht das geworden, was sie inklusive aller kleinen und großen Firmen heute ist.“

„Friedhelm hat heute so viel gut gemacht, was Schlöndorff damals schlecht gemacht hat“, sagte Autorin und Filmszenaristin Christa Kozik (74), deren Bücher wie etwa „Moritz in der Litfaßsäule“ oder „Ein Schneemann für Afrika“ von Defa-Regisseur Rolf Losansky verfilmt worden sind. „Schön, dass alle Kollegen gewürdigt werden. Jeder gab damals sein Bestes.“ Regisseur und Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff, von 1992 bis 1997 Studio-Chef, gilt vielen Defa-Leuten nach wie vor als „Abwickler“, der überdies wenig für die in der DDR entstandenen Filme übrig hatte. Schlöndorff wirkte einst auf den Verkauf des Defa-Studios an den französischen Konzern Compagnie Générale des Eaux (später Vivendi) mit ein. Als „liebe ehemalige Mitarbeiter“ begrüßte Studio-Babelsberg-Vorstandschef Charlie Woebcken die große Runde. Falls sich wer gewundert hat: Die Studio Babelsberg AG ist Rechtsnachfolgerin des Defa-Studios. „Eigentlich hätten wir – und nicht Friedhelm – diese Betriebsveranstaltung organisieren müssen“, so Woebcken. Auch, wenn etliche Kollegen im Zuge der Privatisierung der Defa 1992 entlassen werden mussten, Tradition und Handwerkskunst seien erhalten geblieben. „Die Defa war ein Geschenk des Himmels.“ Ein Gang durch die Studios musste Woebcken jedoch unter Hinweis auf die in Produktion befindliche US-Agentenserie „Homeland“ verwehren. Einige bekannte Gesichter wie das Schauspieler-Paar Rita Feldmeier (langjähriges Ensemblemitglied des Hans-Otto-Theaters) und Achim Wolff („Beutolomäus und der geheime Weihnachtswunsch“) waren unter den „Familienmitgliedern“. Auf Promi-Rummel mit den ganz großen Namen verzichtete Schatz: „Wir haben doch Stars eingeladen – und zwar alle Mitarbeiter hinter der Kamera!“ Dafür gab es dicken Applaus.

Die Defa-Kollegen, „waren hochausgebildet, hochspezialisiert. Das weiß ich seit der Wende richtig zu schätzen, seitdem ich auch andere, unorganisierte Produktionen kennengelernt habe“, erzählte Schauspielerin Franziska Troegner (60) – ausgestattet mit Hollywood-Erfahrung seit „Charlie und die Schokoladenfabrik“.

Mehr als 2000 Angestellte hatte die DDR-Filmschmiede einst, nach der Wende wurden die meisten Kollegen entlassen. Am 15. August 1991 wurde unter dem Titel „Film- und TV-Erlebnis“ das Studiogelände für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aus der anfänglichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Defa-Leute entstand der Filmpark mit heute rund 150 Mitarbeitern – rund 20 davon haben „Defa-Stallgeruch“.

Von Ricarda Nowak

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