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Frisch von der Leber weg

MAZ-Konzerttipp Frisch von der Leber weg

Sie macht noch einmal die Runde – die Oysterband. Eine der langlebigsten, dabei höchst vital gebliebenen Folk-Rock-Bands aus Großbritannien, die schon beim sogenannten Polfest auftreten durfte. Nur Monate vor dem Ableben der DDR. Nun kommen die alten Recken und setzen einem Novemberabend ein Glanzlicht auf.

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Die Oysterband kann bei ihrem riesigen Repertoire aus dem Vollen schöpfen.

Quelle: Promo

Potsdam. Da stehen sie nun und können vom Musizieren einfach nicht lassen: die Oysterband, in den späten Siebzigern aus Vorgängern formiert – man sagt so um 1976 herum in Canterbury. Zwar eine der dienstältesten Folk-Rock-Bands von der britischen Insel und dennoch mit einem unverkennbaren Frische-Faktor. Denn festlegen lassen sich die Multi-Instrumentalisten John Jones, Allan Prosser und Ian Telfer, um die herum sich das Besetzungskarussell binnen 40 Jahren verständlicherweise immer mal wieder drehte, überhaupt nicht. Der muntere, mehrstimmige Gesang bleibt eines ihrer Markenzeichen – gelegentlich erhöht bis in Chorstärke. Folk und Rock als Grundpfeiler genommen, schlägt das Pendel mal mehr mal weniger in die eine oder andere Richtung aus. Offen für mehr.

Schließlich hält sich die Oysterband, zumal in frühen Jahren, nicht mit gesellschaftskritischen Ansichten über Großbritannien in ihren Liedern zurück. Was ihr im 1989 wohl die Einladung zum Festival des politischen Liedes einträgt, nur Monate vor dem politischen Zusammenbruch der DDR. Nur ein Jahr später erscheint die Platte „Little Rock To Leipzig“, einer der einstigen Hochburgen der Folkies im Osten Deutschlands.

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Da wir schon bei alten Helden sind: Zu den Ukrainians liegt jetzt eine beispielhafte Werkschau vor. Ob nun beim Wodka ausgedacht oder nicht, allein der Gründungsmythos spricht für sich: Die Indie-Rocker von The Wedding Present sollten bei einer der legendären John-Peel-Sessions im Radio auftreten. Und was taten sie da? Spielten ukrainische Folksongs. Die Hörerschaft war gebannt. Gitarrist Peter Solowka, Len Liggins (Geige) und Roman Remeynes (Mandoline) gründeten bald The Ukrainians. 1991, gerade als die Ukraine ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärte. Auf ihren Alben gab es nicht nur Folk in einer Sprache, die im Westen Europas kaum geläufig war, sondern auch noch gleich inbrünstige Cover-Versionen der viel verehrten The Smith. Auch andere Truppen wurden „übersetzt“, darunter Motörhead oder die Beatles. Die volle Packung. Ost trifft West trifft ins Herz. Eine 25 Jahre andauernde Reise. Die sogar ins All führte – dort spielte die Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper „Rospryahaite“ als Morgenlied. Aufgeweckt.

The Ukrainians: Evolutsiya! 40 best and rarest 1991 – 2016. Eastblok/Indigo.

Hinter Faustus stecken drei kluge Köpfe , drei fantastische Stimmen und drei superbe Instrumentalisten: Paul Sartin, Benji Kirkpatrick und Saul Rose. Schon ihre Vorgeschichte spricht Bände, spielten Paul und Benji bei der jüngst verblichenen Folk-Big-Band Bellowhead, so gehörte Saul zur Familien-Institution Waterson/Carthy. Zum einen strecken sie ihre Fühler aus zu Tänzen und Reigen, wie sie vor vielen Jahrhunderten freudvoll aufgeführt wurden, zum anderen gibt es knackige akustische Riffs, die beinahe rocken. Fündig wurde das Trio, als es sich durch verstaubte Aufzeichnungen der Bibliothek von Halsway Manor wühlte – dem Hort britischer Volkskunst.

Faustus: Death and Other Animals. Westpark/Indigo.

Jenny Berkel aus der kanadischen Tundra dürfte die jüngste Künstlerin in dieser Empfehlungsrunde sein. Verhaltene, nachdenkliche Geschichten, die ihre Zuwendung zu ihrem großen Landsmann Leonard Cohen (1934-2016) mehr als einmal offenbaren, trägt Jenny mit klarer, einfühlsamer Stimme auf ihrer zweiten Platte vor. Zur gezupften Gitarre, gern verhallt und verzerrt, fügt Jenny, die zuerst das Spiel auf dem Piano lernte, gut dosierte elektronische Beats, Orgelwerk wie Tupfer auf Klavier hinzu. Folk aus der Kammer und doch offen und weit wie ihr Heimatland. Nach Berlin kommt sie mit ihrem Trio am 24. November um 21 Uhr ins Lagari in Berlin-Neukölln.

Jenny Berkel: Pale Moon Kid. Popup Records/Cargo.

Doch der Stern der Truppe geht erst in der Folgezeit richtig auf. Die eingängigen Melodien nähern sich trotz der Wurzeln im Folk einerseits dem Pop, ähnlich den Hooters oder den Brandos aus Amerika. Andererseits scheuen die Musiker nicht davor zurück, Streicher oder kammermusikalische Elementen einzubeziehen. All das lässt sich wunderbar nachvollziehen anhand ihres jüngsten Doppel-Albums „This House Will Stand“. Es versammelt Lieder aus den Jahren 1998 bis 2015. Die Auswahl der Studio-Platten steht neben der mit Live-Stücken, Demos und alternativen Versionen. Ein feines Spektrum. Nun kann spielt die Band in Berlin. Wie gesagt, frisch von der Leber weg.

Konzert: Freitag, 25. November, 20 Uhr, Frannz in Berlin-Prenzlauer Berg.

Von Ralf Thürsam

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