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Kultur Fünf Trends im deutschsprachigen Theater
Nachrichten Kultur Fünf Trends im deutschsprachigen Theater
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00:35 21.05.2018
Die Schauspieler Paul Schröder (l.) und Thomas Niehaus (r.) vertreten das Hamburger Thalia Theater und wagen eine irrwitzige Odyssee. Quelle: Armin Smailovic
Die Frauenfrage

Ein halbes Jahrhundert nach der 1968er Revolte erheben - zumindest die Theaterfrauen – erneut die Forderung nach Gleichberechtigung. Das war auf dem 55. Theatertreffen, das am Pfingstmontag in Berlin zu Ende geht, die vernehmlichste politische Forderung. Nur 22 Prozent der Theater werden von Frauen geleitet, nur 30 Prozent der Aufführungen von Frauen inszeniert. Schauspielerinnen verdienen angeblich 46 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. „Wir fordern 50 Prozent! Frauenquote in allen künstlerischen Theater-Ressorts“, stand auf Flugblättern. Die Initiative wurde vom Festival-Ausrichter, den Berliner Festspielen, unterstützt und sammelte bis Donnerstag 300 Unterschriften. Eine der neun gezeigten Aufführungen aus der aktuellen Top Ten des deutschsprachigen Theaters, „Beute Frauen Krieg“ aus Zürich, erzählt den Krieg um Troja radikal aus Frauensicht. Die Inszenierung von Karin Henkel enttäuschte aber, da sie zu plakativ war. Die besten der „zehn bemerkenswertesten“ Inszenierungen stammen von Männern.

Weniger wäre manchmal mehr. Alle Aufführungen wuchern mit Opulenz. Vorbei die Zeit, als sich das Schauspiel noch mit Sprache, Mimik und Gestik begnügte. Vehement werden Musik und oft auch Video-Einspieler eingesetzt. Auf stilistische Sprünge, Reizüberflutung und berstende Collagen bauen gerade die längsten Aufführungen - Frank Castorfs „Faust“ (Berliner Volksbühne, sieben Stunden) und Falk Richters „Am Königsweg“ (Deutsches Schauspielhaus Hamburg, fast vier Stunden). Auch „Die Odyssee“, ein launiges kleinformatiges Zweipersonen-Kammerstück vom Thalia Theater aus Hamburg, kokettiert nur in den ersten Szenen mit puristisch-charmantem Schauspiel. Thomas Niehaus und Paul Schröder verständigen sich in einer putzigen Kauderwelsch-Sprache. Regisseur Antú Romero Nunes lässt sie als die Söhne von Odysseus am Grab ihres Vaters zusammentreffen. Doch daraus entspringt eine Farce, ein Stationendrama, das mal im Drogenrausch, mal unter Wasser oder in einem Kettensägenmassaker gipfelt. Das Überdrehte, das Maßlose feiert fröhliche Urstände. Auch der „Woyzeck“ vom Theater Basel, der in seiner ästhetischen Strenge und modernen Abstraktion nicht zu übertreffen ist, setzt auf maximale Erregung und monotone Überspannung. Auf einer rotierenden Drehscheibe, die ihren Winkel bis zu 45 Grad neigen kann, sezieren und dehnen die Figuren im Laufschritt den ohnehin schon fiebrigen Text. In Büchners Drama ist oft von Schwindelgefühlen die Rede, Woyzeck sagt Sätze wie „Wenn ich die Augen zumach‘, dreht sich‘s, und ich hör die Geigen immerzu.“ Fünf Musiker stellen in dieser oratoriumhaften Aufführung von Ulrich Rasche dazu serielle Klangmuster her, die den Rhythmus der Worte unterstreichen. Auch „Die Welt im Rücken“, eine dreistündige Einmann-Show von Joachim Meyerhoff (Burgtheater Wien), setzt in der Regie von Jan Bosse massiv auf manische Momente. Das ist auch nicht aufgesetzt, handelt es sich bei der Dramatisierung des gleichnamigen Romans von Thomas Melle doch um die autobiografische Aufarbeitung einer bipolaren Störung.

Nichts gegen Entertainment. Das moderne Regietheater integriert gern Comedy, Zaubertricks und Clownerien. Dass sich ein Miniball in das eine Ohr hineinstecken und aus dem anderen wieder herausziehen lässt, bekam man in diesem Jahr sowohl bei den Regisseuren Castorf und Nunes geboten. Letzter lässt auf der Bühne sogar einen Menschen zersägen. Und Falk Richter kontrastiert ernsthafte Mimen wie Ilse Ritter, die 83-jährige Grande Dame des deutschen Theaters, mit der Kabarettistin Idil Baydar und dem begnadeten Entertainer Benny Claessens.

Einwanderer prägen das Theater. 2018 standen nicht Flüchtlinge im Focus, sondern eher Migranten. In „Rückkehr nach Reims“ von der Berliner Schaubühne spielt Ali Gadema einen schlecht verdienenden Studiotechniker, dem intellektuelle Diskurse fremd sind. Irritieren sollte eine sogenannte „Schwarzkopie“ von „Mittelreich“. Mit der Bühnenfassung des gleichnamigen Romans von dem Bajuwaren Josef Bierbichler gastierten die Münchner Kammerspiele bereits vor zwei Jahren beim Theatertreffen. Nun wurde das Stück noch einmal mit schwarzen Schauspielern in derselben rustikalen Gasthof-Kulisse nachgespielt. Das mag trivial klingen. Aber die 1976 in München geborene Schauspielerin Isabelle Redfern machte vorab deutlich, wie problematisch es für ihresgleichen noch immer ist, in Theater und Film mitzuwirken. Zugespitzt: Werden dunkel aussehende Schauspieler als Mörder besetzt, wird dem Regisseur schnell unterstellt, er stelle Ausländer unter Terrorismusverdacht. Sieht ein Ermittler schwarz aus, wirkt das schnell wie aufgesetzte Political Correctness.

Auch als Hörspiel tauglich. Die immer bessere Tontechnik verführt Theaterregisseure dazu, mit Sounddesign zu wuchern. Dank Mikroports und digitaler Mischpulte lassen sich Einspielungen und live artikulierte Worte beliebig und ohne unerwünschte Nebeneffekte mischen. Das geht bisweilen so weit, dass auf den unverstärkten Klang der Stimme im Raum verzichtet wird. Hier wird das Theater dem Film immer ähnlicher. In fast allen Aufführungen werden lange Textpassagen über Musikflächen gesprochen oder auch gesungen. Karin Henkel und Ulrich Rasche haben auf diese Dimension so viel Wert gelegt, dass ihre Arbeiten auch im Radio gesendet werden könnten.

Von Karim Saab

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