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Funk-Legende Fred Wesley rockt Potsdamer Jazznacht

Musikfestspiele Sanssouci Funk-Legende Fred Wesley rockt Potsdamer Jazznacht

Ein großer Ruf eilte Fred Wesley voraus. Der Posaunist hat in den Sixties mit Count Basie und James Brown gespielt und gilt als Miterfinder des Funks. Die Jazznacht in Potsdam bot auch andere Farben des Jazz. Wie schaffte es der Amerikaner, dass zum Schluss sogar getanzt wurde?

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Jazzlegende Fred Wesley spielte nicht nur Posaune, er sang auch und sorgte für gute Stimmung.

Quelle: Foto: Detlev Scheerbarth

Potsdam. „Luxus treibt den Menschen zu keiner Tugend an – er erstickt meist alle besseren Gefühle in ihm.“ Die Erkenntnis stammt von Preußenkönig Friedrich II., sicher aus eigener Erfahrung. Am Samstagabend nahmen Jazz-Musiker verschiedenster Couleur das Gelände um sein Lieblingsschloss Sanssouci in Besitz. Und man kann von Glück reden, dass Jazzmusiker nicht in Saus und Braus leben.

Keine barocken Flöten und Geigen setzten also dieses Mal Friedrichs narkotisierendem Elysium akustische Glanzlichter auf, sondern vor allem Saxophone, Akkordeons und weibliche Sirenengesänge. Jahr für Jahr verkuppeln die Musikfestspiele in ihrer Jazznacht das aktuelle Musikleben mit einem Areal der gewachsenen Kulturlandschaft. So nah ans Weinbergschloss haben sich die Veranstalter lange nicht getraut.

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Jazzlegende Fred Wesley und viele andere Solisten und Formationen genossen die märchenhaften Auftrittsorte im Park Sanssouci. Auch das Wetter spielte mit.

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Der friderizianische Rokoko der Neuen Kammern neben Schloss Sanssouci wurde einbezogen. Wer in den Ovidsaal hinein wollte, musste sich allerdings anstellen. Denn keiner wollte den prächtigen Raum mit den goldenen Reliefs, geschliffenen Spiegeln und Kristallkronleuchtern so schnell verlassen.

Für drei georgische Grazien mit langen offenen Haaren und folkloristischen Kleidern waren die musizierenden Nymphen an der Wand eine Steilvorlage. Wer die Augen schloss, den konnte ihr unverstärkter, mehrstimmiger Gesang in die Täler des Kaukasus versetzen. 2014 stellte das Trio Mandili zum ersten Mal ein laienhaft aufgenommenes Video auf Youtube. Das Lied wurde mittlerweile mehr als fünf Millionen Mal geklickt. Der Alt begleitet den weihevoll-feurigen Gesang, der fröhlich wie auch wehmütig klingt, mit einer Panduri, das ist eine dreisaitige Langhalslaute.

Auf der anderen Seite der Maulbeerallee gab zeitgleich im Nordischen Garten das Céline Bonacina Trio ein abwechslungsreiches Konzert. Die kleine Französin mit dem riesigen Baritonsaxophon konnte die Schönheit der Parkanlagen gar nicht fassen. „Wir spielen das erste Mal in Potsdam. Die Kulisse ist fantastisch!“, meinte sie. Eingerahmt von vier Säulen eines tempelartigen, sieben Meter hohen Grottenbauwerkes stimmten sie mit E-Bassisten und Schlagzeuger einen lyrischen Elektro-Jazz an, der sich auch bestens mit ihrem Beatboxing und Scattgesang verband.

Eine andere Saxophonistin, Karola Elssner, betätigte sich im Sizilianischen Garten als Stimmungszauberin. Sie spielte auch im Gehen und ließ sich von der Ornamentik und Exotik der Bepflanzung inspirieren. Das streng gegliederte Rondell leuchtete im Scheinwerferlicht plötzlich wie ein ausgeschmückter Quintenzirkel.

Währendessen ging an der Historischen Mühle und vor dem Restaurant Mövenpieck die Post ab. Beim A capella-Satzgesang der vier Frauen von Niniwe liegen – wie auch bei den Georgierinnen – die Stimmen oft nah beieinander. Durch diese Harmonien entsteht schnell das Gefühl, dass die Luft brennt. Das Motion Trio, drei Akkordeonisten aus Polen, verwöhnten das Publikum mit schmissigen Rhythmen und mit meditativen Arrangements. Dabei nutzten sie ihr Instrumente auch perkussiv. Schläge auf den Balg klingen hohl, Schläge auf die Knöpfe scheppernd und aufs Gehäuse trocken. Auf diese Weise interpretierten sie Chopins Préludes als Bossa Nova. Allerdings entzauberten ihre öden, eitlen Zwischenansagen.

Das Finale gehörte dann aber ganz dem Star der Jazznacht, mit dem viele Hundert Besucher geködert wurden. Der US-amerikanische Posaunist Fred Wesley, der in den Sixties bereits mit Count Basie und James Brown gespielt hat und als Miterfinder des Funks gilt, stimmte zunächst auch Boogie Woogie-Nummern an. Dann steigerten sich die insgesamt sechs Musiker in ihrem 75-minütigen Konzert derart, dass am Ende alle tanzten. Denn Funk, gerade wenn er mit so treibenden wie raffinierten Bläsersätzen aufwarten kann, geht einfach in die Beine. Und der Charme des schwarzen, beleibten Musikers, der auf einem Drehsessel saß, zündete. Sein Lachen, sein lässiger Gesang und sein Schlachtruf „Come on!“ werden in Erinnerung bleiben.

Von Karim Saab

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