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Kultur Furchtlos: Phoenix Foundation und Admiral Fallow
Nachrichten Kultur Furchtlos: Phoenix Foundation und Admiral Fallow
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11:47 07.08.2015
Psychedelisch: The Phoenix Foundation Foto:
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Berlin

s. Was sich auf dem Vorgänger "Fandango" vor zwei Jahren erst angedeutet hatte, erstrahlt hier in schönstem Glanz. Aus dem zuvor schon experimentierfreudigen Sextett, dessen Platten aber manchmal noch etwas holprig und unfokussiert wirkten, ist nun eine herausragende Popband geworden. Als hätten die Talking Heads, Television, Crowded House, The Flaming Lips und The War On Drugs gemeinsame Sache gemacht.

Im Gegensatz zum ausufernden 80-Minuten-Doppelalbum "Fandango" konzentrieren sich The Phoenix Foundation diesmal auf zehn Songs in 42 Minuten. Doch bei den Arrangements endet die Reduktion - hier wird geklotzt statt gekleckert und auch stilistisch viel frischer Wind hereingelassen. Neben den gewohnten Psychedelic-, Prog- und Gitarrenfolk-Texturen verwendet das Sextett aus Wellington Krautrock-Motorik, Elektronik-Grooves, Dreampop- und Afrobeat-Zitate.

Als im wahrsten Sinne des Wortes treibende Kraft entpuppt sich der neue Schlagzeuger Chris O'Connor, den Frontmann Luke Buda mit Recht in keinem Interview zu loben vergisst. Was dieser Drummer etwa im mitreißenden Album-Hit "Bob Lennon John Dylan", im frenetischen Getrommel von "Playing Dead", im jazzigen "Silent Orb" oder im sommerlichen "Sunbed" abliefert, ist für The Phoenix Foundation ein Quantensprung in Sachen Rhythmus.

Ohne starke Melodien wäre das freilich nur die Hälfte wert, aber Songwriter Buda und sein Kompagnon Samuel Flynn Scott lassen ihre alten und neuen Fans nie im Stich: Jeder Song glänzt mit einer tollen Hookline und zahllosen liebevollen Produktionsdetails für das ergiebige Mehrfachhören. Eines der schönsten Beispiele: der Titeltrack - einschmeichelnd harmonisch und vertrackt zugleich. Oder die abschließende Ballade "Myth", eine traumhaft melancholische Beach-Boys-Hommage.

Als Technicolor-Pop bezeichnen The Phoenix Foundation selbst ihren neuen, weit ausgreifenden Sound, an dem Top-Produzent David Fridmann (The Flaming Lips, Mercury Rev, Sparklehorse) einigen Anteil hatte. Selten erlebt man eine schon gut eingeführte Band, die nach rund 20 Jahren im Geschäft ihre Genre-Grenzen so konsequent hinter sich lässt und dabei doch ganz locker bleibt. "Wir sind in einer großartigen Lage", sagte Scott kürzlich dem neuseeländischen Internet-Portal "Rip It Up". "Denn wir haben uns über die Jahre so oft verändert, dass wir jetzt wirklich alles machen können, was wir wollen."

"Tiny Rewards" (Nettwerk/Soulfood), das dritte Album der schottischen Band ADMIRAL FALLOW, klingt kaum weniger frisch und überraschend als das meisterliche "Give Up Your Dreams". Nach ihren von akustischen Instrumenten geprägten Platten "Boots Met My Face" (2009) und "Tree Bursts in Snow" (2012) kommt - wiederum drei Jahre später - eine erneut prachtvolle, aber doch ganz andere Songsammlung des Quintetts auf den Markt. Wie The Phoenix Foundation haben auch die Glasgower ihr Klangbild entstaubt - und sich mit dem dezenten, aber unüberhörbaren Einsatz von Keyboards ein Stück weit neu erfunden.

Es gibt auf "Tiny Rewarda" für die treue Fangemeinde von Frontmann Louis Abbott, Mitsängerin Sara Hayes und Co. natürlich auch weiterhin viel Vertrautes. Die herrlichen Harmonie-Vocals, Abbotts schwerer Schotten-Dialekt, die zwischen Melancholie und Euphorie schwankende Stimmung der Lieder - keine Sorge, alles noch da.

Hinzu kommen aber nun viele verspielte Synthie-Sounds - eine neue Pop-Sensibilität, die zum Glück nie ins Kitschige oder Banale abrutscht. "Es gab einige Aspekte unseres Sounds, von denen wir dachten, dass wir sie nach zwei Alben vielleicht lieber umschiffen sollten - akustische Gitarren waren am offensichtlichsten", sagt Schlagzeuger Phil Hague über die runderneuerten Admiral Fallow. Auch diese sanfte Metamorphose ist geglückt.

Konzerte:

Admiral Fallow: 16.9. Berlin, Magnet; 17.9. Hamburg, Molotow; 21.9. Köln; YUCA, 22.9. München, Kranhalle; 23.9. Zürich, Eldorado

dpa

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